Trumps Nähe zu Putin irritiert

USA-Korrespondent Thomas J. Spang über Trumps rätselhaftes Verhalten gegenüber Russland.

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Donald Trump stellt die Amerikaner vor ein Rätsel. Warum bekommt der künftige US-Präsident feuchte Augen, wenn er über den russischen Präsidenten Wladimir Putin spricht, während er den eigenen Geheimdiensten misstraut?

Im US-Wahlkampf ging Donald Trumps Flirt mit dem Moskauer Autokraten Wladimir Putin noch als Kuriosität durch. Wenige Tage vor dem Einzug in das Oval Office lässt das standfeste Bestreiten der russischen Cyber­einmischung in die Präsidentschaftswahlen alle Alarmglocken schrillen.

Zumal die von den US-Geheimdiensten vorgelegte Beweislage erdrückend ist. Statt eine lückenlose Aufklärung der Vorwürfe gegen die russischen Hacker zu fordern, attackiert Trump die Profis in den Sicherheitsbehörden und die Analysten in den Medien.

«Lächerlich» seien die Vorwürfe, postuliert er und zitiert als Kronzeugen Julian Assange, den er vor nicht allzu langer Zeit wegen Verrats noch zu Tode verurteilt sehen wollte.

Widerspruchslos vollziehen die Claqueure des Rechtspopulisten die Kehrtwende mit. George W. Bushs ehemaliger Redenschreiber Michael Gerson erkennt dahinter eine «Kinderethik», die Assange und Putin in den Stand der «Guten» heben, weil sie Trump geholfen hatten.

Das mag ein Ansatzpunkt sein, die Bewunderung des Narzissten für den russischen Führer zu erklären. Er sieht in Putin einen Verbündeten, der ihm den Weg zur Macht mit der massiven Einmischung in die inneren Angelegenheiten ebnen half.

Moskau verfolgte in den USA, wie nun auch vor den Wahlen in Frankreich, Deutschland, Österreich und den Niederlanden, ein klares Ziel. Es versucht, das Vertrauen der Bürger in die liberalen Demokratien des Westens zu untergraben.

Während das russische Kalkül auf der Hand liegt, bleibt rätselhaft, warum sich der sonst so kraftmeiernde Trump wie ein Streichelkater vor die Füsse des rus­sischen Bären legt.

Der «Washington Post»-Kolumnist Eugene Robinson vermutet den Schlüssel zur Russophilie Trumps in dessen Steuererklärung. Demnach könnte sein Bau­imperium am Tropf russischer Kredite hängen, die er nicht gefährden will.

Andere Analysten spekulieren über einen grossen Strategieschwenk in der US-Aussenpolitik, deren künftige Säule ein «Trump-Putin-Pakt» werde. Dieser richte sich gegen China und ginge zulasten Westeuropas und speziell Deutschlands, dessen Wirtschaft vom Aussenhandel lebt.

Es bleibt zu hoffen, dass der künftige Verteidigungsminister, General a. D. James N. Mattis, und andere Konserva­tive Trump die Gefahren eines solchen Paradigmenwechsels vor Augen führen.

Gemessen an seinem Umgang mit den Geheimdiensten, die Trump in zwei Wochen unterstehen werden, gibt es leider wenig Anlass darauf zu setzen, dieser Präsident werde sich irgendwie einhegen lassen.

Bestenfalls löst sich das Rätsel hinter Trumps hartnäckiger Ignoranz der russischen Einmischung mit blosser Eitelkeit auf. Niemand soll denken, der Populist habe die Wahlen nur mit russischer Hilfe gewinnen können.

ausland@bernerzeitung.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.01.2017, 09:05 Uhr

USA-Korrespondent Thomas J. Spang. (Bild: zvg)

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