Für Trudeau steht viel auf dem Spiel

Der kanadische Regierungschef Trudeau will das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta) sichern. Der neue US-Protektionismus unter Trump könnte Kanada in eine Krise stürzen.

Empfang im Oval Office: Kanadas Premierminister Justin Trudeau und US-Präsident Donald Trump reichen sich die Hand.

Empfang im Oval Office: Kanadas Premierminister Justin Trudeau und US-Präsident Donald Trump reichen sich die Hand. Bild: Keystone

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Am Montag ist der kanadische Premier Justin Trudeau zu Gesprächen mit US-Präsident Donald Trump in Washington eingetroffen. Ganz oben auf Kanadas Prioritätenliste steht die nordamerikanische 3-Staaten-Freihandelszone Nafta. Und das mit gutem Grund: Kanada ist über das Abkommen noch enger mit den USA verbunden als Mexiko. Das jährliche Handelsvolumen mit dem südlichen Nachbarn beträgt rund 541 Milliarden Dollar (543,5 Milliarden Franken).

Der neue US-Protektionismus unter Donald Trump könnte Kanada somit schweren Schaden zufügen. Das US-Handelsdefizit gegenüber dem Nachbarn im Norden lag 2015 bei rund 12 Milliarden Dollar. Die geringe Differenz weist aus, wie stark die beiden Volkswirtschaften in den 23 Jahren des Abkommens zusammengewachsen sind.

«Nafta generiert Wachstum»

«Die Nafta hat den Handel auf dem Kontinent ebenso ausgeweitet wie die Investitionen. Sie hat Wachstum generiert und Arbeitsplätze geschaffen», schrieben die Analysten Jean-François Perrault und Brett House kürzlich in einem Report der Scotiabank.

Stephen A. Schwarzman, Gründer der Beteiligungsgesellschaft Blackstone und zugleich Leiter des strategischen Politikforums von Präsident Trump, sagte dazu, Kanada sollte «nicht übertrieben beunruhigt» sein wegen der Handelspolitik Trumps. Schliesslich sei die Handelsbilanz zwischen Kanada und den USA ziemlich ausgeglichen.

Die kanadische Geschäftswelt zeigte sich dennoch besorgt. Beeinträchtigungen des Handels würden sowohl Kanada als auch die USA treffen. Kanadas Auto- und Zuliefererindustrie ist fast ausschliesslich auf den US-Markt ausgerichtet. «Jede Behinderung des Handels über die Grenze hinweg hätte negative Auswirkungen auf den Verkaufspreis von Autos und wäre für alle Beteiligten negativ», sagte Don Walker, Chef des grossen Autoteileherstellers Magna in Ontario.

Und der Präsident des kanadischen Bergbauverbandes, Pierre Gratton, erinnerte daran, dass Kanadas Rohstoffe entscheidend seien für die US-Wirtschaft. «Es wäre kontraproduktiv für die USA, Grenzzölle auf Mineralien und Metalle einzuführen, das würde ihre eigene verarbeitende Industrie treffen», sagte Gratton. Die Ratingagentur Fitch warnte in der vergangenen Woche, Kanadas Kreditwürdigkeit könnte leiden, wenn Trump seine Ankündigungen wahr machen und Zölle einführen würde. Experten gehen davon aus, dass die USA und Kanada wohl einige der Nafta-Bestimmungen neu verhandeln werden.

Auf Zeit spielen

Aber: «Aus meiner Sicht haben Mexiko und Kanada bisher nicht zugestimmt, irgendeine Regelung der Nafta neu zu verhandeln», sagte Matt Gold, Rechtsprofessor an der New Yorker Fordham University. Er hatte früher an den Handelsgesprächen der USA über die Nafta teilgenommen. «Ich denke, es ist absehbar, dass Kanada und Mexiko alles tun werden, die Verhandlungen zu verzögern.»

Trudeau bemühte sich vor dem Treffen, die Stimmung zu besänftigen. «Wir sind beide wegen des Versprechens gewählt worden, die zu fördern, die hart arbeiten», sagte Trudeau. Dennoch war die Sorge über Trumps Unberechenbarkeit im Umfeld des kanadischen Premiers nicht zu über­sehen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.02.2017, 20:19 Uhr

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