Frankreich bewahrt Ruhe

Frankreich-Korrespondent Stefan Brändle zum Angriff auf drei Polizisten in Paris und die möglichen Auswirkungen auf die Wahl am Sonntag.

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Der Anschlag auf den Champs-Elysées hat in Frankreich niemanden überrascht. Noch diese Woche verhinderte die Polizei in Marseille ein grösseres Attentat in letzter Minute, als sie zwei Verdächtige mit einem Waffenarsenal verhaftete. Das Duo hatte es offensichtlich auf die demokratische Institution dieser französischen «Königswahl» abgesehen.

Es passt zur perversen Logik des Jihad, gewollt oder nicht, jene Kandidaten zu fördern, die den Islamismus am härtesten bekämpfen wollen. Natürlich erhoffen sich nun jene Kandidaten Auftrieb, die für Recht und Ordnung einstehen – François Fillon und Marine Le Pen.

Fillon verlangte sofort die offizielle Aussetzung der Wahlkampagne. Die Forderung zeigt, wie schnell der durch Affären angeschlagene Kandidat die Gelegenheit ergreifen will, unentschlossene Wähler – die laut neusten Umfragen zahlreicher denn je sind – auf seine Seite zu ziehen. Ob Fillons Kalkül aufgeht, muss sich weisen.

«Jetzt erst recht», hörte man am Freitag in Paris erneut als Devise. Mehrere der elf Kandidaten setzten auch ihre Wahlkampagnen fort, um diesen «Kriminellen», wie der Linkenkandidat Jean-Luc Mélenchon sagte, «nicht das letzte Wort zu überlassen».

Es ist nicht gesagt, dass Marine Le Pen von der neusten Bluttat wirklich profitieren wird, wie es nun überall heisst. Nach der Bataclan-Attacke Ende 2015 hatte die Front-National-Kandidatin bei den folgenden Regionalwahlen nur beschränkt – und vielleicht nicht einmal wegen der Terroranschläge – zugelegt. Denn so viel Sicherheit sie auch predigt: Als «sicherer Wert» kann sie nicht gelten, würde doch allein schon ihr EU-Ausstiegsszenario Frankreich in eine wirtschaftliche Krise stürzen. Abgesehen davon, dass die von ihr verlangte Schliessung der Landesgrenzen die Anschläge nicht verhindert hätte – die Attentäter wuchsen ja zumeist in Frankreich auf.

Der Anschlag führte den Franzosen einmal mehr vor Augen, dass das gewaltige Problem der Banlieues (aus denen auch der neuste ­Attentäter stammt) ungelöst ist. Auch darin zeigt sich der Ernst der Lage. Was die Franzosen zu einem ernsthaften, nicht impulsiven Abstimmungsverhalten anhalten sollte. (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.04.2017, 19:28 Uhr

Frankreich-Korrespondent Stefan Brändle.
ausland@bernerzeitung.ch

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