Meine WM: Widerstand ist zwecklos

Sportredaktor Reto Kirchhofer schreibt von der Eishockey-WM in Paris.

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Historiker sprechen vom Franzoseneinfall. Oder von der «Campagne d’Helvétie». Die Begriffe stehen für die Besetzung der Schweiz durch Napoleons Truppen 1798. Auch in Bern marschierten die Franzosen trotz heftigem Widerstand ein.

219 Jahre später kommt es in Paris zum Schweizereinfall. Widerstand ist zwecklos. Rund 8000 Fans sind aus der Schweiz angereist, unterstützen die ­Eisgenossen an der WM gegen ­Kanada. Im Gegensatz zu den Absichten von Monsieur Bonaparte sind jene der Schweizer Fantruppen durchaus ehrenvoll: Sie begleiten das Nationalteam und sorgen in Paris endlich für richtige WM-Atmosphäre. So werden übers Wochenende die Bistros im Bercy-Quartier zu farbenfrohen Treffpunkten.

In der Eishalle sind die Unterbeschäftigten an den Verpflegungsständen plötzlich überbeschäftigt und überfordert. Bei einigen Speisen gilt bereits in der ersten Drit­telspause: ausverkauft. Nach dem 3:2 über Kanada geht das Fest in den Gassen weiter. Journalisten aus Übersee transportieren die Bilder rot-weissen Frohsinns in die Heimat. Die WM ist en vogue, den Schweizer Fans sei dank, wenn auch nur für einen kurzen Moment.

Am Montag hat Paris den Ansturm überstanden. Ohne Spuren der Verwüstung. Dafür kündigt sich in der Accorhotels-Arena hoher Besuch an: Im Stechschritt erscheint eine völlig unbestechliche IOC- Delegation. Sie verfolgt die Begegnung zwischen Gastgeber Frankreich und Absteiger Slowenien. Die IOC-Gäste evaluieren dieser Tage die Pariser Olympiakandidatur 2024. Am Dienstag steht noch ein Treffen mit Emmanuel Macron an. «Er ist unser Trumpf in der Kandidatur», sagt die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo im «Le Journal du Dimanche».

Ob Macron die Schweizer Invasion in Paris überhaupt zur Kenntnis genommen hat? Immerhin ist er mit 39 Jahren das jüngste Staatsoberhaupt Frankreichs seit . . . Napoleon. (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.05.2017, 10:37 Uhr

Sportredaktor Reto Kirchhofer

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