Wie aus einem Hut ein Filmstar wurde

Ein Hut feiert Geburtstag: Seit 160 Jahren behütet der Borsalino aus Norditalien Männer- und neuerdings auch Frauenköpfe. Wie ein Accessoire ein Hollywoodstar wurde.

Der Hut steht ihnen gut: Jean-Paul Belmondo und Alain Delon als Gangster im Film «Borsalino» von 1970. Mit gleichnamigen Hüten, natürlich.

Der Hut steht ihnen gut: Jean-Paul Belmondo und Alain Delon als Gangster im Film «Borsalino» von 1970. Mit gleichnamigen Hüten, natürlich. Bild: Imago

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Italienische Eleganz auf dem Haupt: Vor mehr als 160 Jahren, am 4. April 1857, lief in Alessandria im Piemont die Produktion von Borsalino-Hüten an. Der Firmengründer Giuseppe Borsalino hatte sein Handwerk in Paris erlernt, wo er sieben Jahre lang in der Textilfabrik Berteil, eine Marke, die es heute noch gibt, in die Mysterien der Hutmacherkunst eingeweiht wurde. Nach seiner Heimkehr nach Alessandria eröffnete er zusammen mit seinem Bruder Lazzaro in der Via Schiavina die erste eigene gemeinsame Werkstatt.

Vielleicht gestohlen

Giuseppe war ein gewiefter Geschäftsmann und fällte weise Entscheidungen. So importierte er ebenjene Maschinen, mit denen in den Vororten Manchesters die Hutherstellungsindustrie revolutioniert worden war.

1897 dann, 40 Jahre nach der Gründung seiner eigenen Hutfabrik, brachte er von einer England-Reise der Legende nach das Rezept für eine perfekte Melone mit. In der berühmten Battersby-Hutfabrik in London soll er sein Taschentuch unbemerkt in ein Fass mit Teer getaucht und so das Produktionsgeheimnis gestohlen haben.

Redford kam persönlich

Der typische Borsalino ist ein Symbol für Hollywood und für die internationale Filmbranche. Stars wie Humphrey Bogart im Kultfilm «Casablanca», Harrison Ford in seiner Rolle als Indiana Jones, Alain Delon, Jean-Paul Belmondo, Federico Fellini, Johnny Depp, Leonardo DiCaprio, Denzel Washington, Nicole Kidman und John Malkovich machten die Kopfbedeckung zu einer Legende.

Nachdem Robert Redford in Federico Fellinis Film «Achteinhalb» den Schauspieler Marcello Mastroianni mit solch einem Hut gesehen hatte, setzte er sich in den Kopf, ebenfalls einen Borsalino besitzen zu wollen. Seine Suche in den USA verlief erfolglos; also schrieb er in einem Brief nach Alessandria: «Lieber Vittorio, vielleicht erinnern Sie sich an mich . . . mein Name ist Robert Redford.»

Die beiden hatten sich in Amerika kennen gelernt. Einige Zeit später besuchte Redford bei einer Europa-Reise die Hutfabrik in Alessandria und holte seinen lang ersehnten Hut persönlich ab.

50 Produktionsschritte

Auch Musiker wie Michael Jackson, Pharrell Williams und Justin Timberlake trugen und tragen den Borsalino mit Vorliebe. Früher wurde ein Borsalino oft mit Gangstern und Privatdetektiven in Verbindung gebracht, da ihn Kriminelle in Filmen trugen. Zum Beispiel Alain Delon und Jean-Paul Belmondo als Gangsterbosse im italienisch-französischen Film «Borsalino & Co.».

Bis heute ist ein Borsalino-Hut ein Qualitätsprodukt, das in 50 aufwendigen Produktionsschritten hergestellt wird und dessen Fertigung im Durchschnitt sieben Wochen dauert. Nicht nur die Marke heisst nach dem Gründer Borsalino, sondern auch ihr wohl bekanntestes Hutmodell. Der Borsalino ist, ähnlich wie etwa ein Fedora-Hut, ein weicher Filzhut, der der Länge nach oben eingedrückt ist.

Zudem ist der Hutkopf an der Vorderseite von beiden Seiten eingeprägt. Elegant und doch praktisch schützt er den Kopf im Winter und Herbst vor Wind, Regen und Schnee.

Jubiläum mit Sorgen

Bis Ende der 1950er-Jahre war ein Borsalino der Hut schlechthin. Meist waren die Hüte damals schwarz, grau oder braun mit schwarzem Hutband. Mittlerweile gibt es neben dem klassischen Borsalino jede Saison neue modische Modelle für Herren wie für Damen in vielen Farben.

Die legendären Kopfbedeckungen werden in zehn Borsalino-Filialen in Italien verkauft, eine davon ist jene in der Galleria Vit­torio Emanuele II in Mailand. Und man kann sie für etwas über 200 Euro in berühmten Kaufhäusern und Boutiquen erstehen, bei Harrod’s, Galeries Lafayette, Selfridges, Saks Fifth Avenue oder Bergdorf & Goodman.

Die Hochphase dieser Hüte waren die 1920er-Jahre, als die Verkaufszahlen auf einen Rekord von zwei Millionen Hüten im Jahr anstiegen. Auch Mitte des Jahrhunderts liefen die Hüte gut, dank dem Showbusiness. Im Moment dagegen sieht es für die Firma weniger rosig aus.

Man hofft auf eine Deadline Ende Mai – dann soll ein neues insolvenzrechtliches Vergleichsverfahren zur finanziellen Sicherung alles regeln. Die derzeitige wirtschaftliche Lage von Borsalino geht auf das Konto des Ex-Finanziers Marco Marenco, der wegen betrügerischen Superbankrotts angeklagt wurde.

Der heute 61-jährige ehemalige Borsalino-Investor Marenco war am 24. April 2015 auf seiner Flucht in Lugano festgenommen worden. Er hatte sich ins Ausland abgesetzt, nachdem seine Gesellschaft mehr als drei Milliarden Euro Schulden nicht bezahlt hatte. Es handelte sich um eines der grössten finanziellen Firmendesaster in Italien.

Auch Harrison Ford trug als Indiana Jones einen Borsalino. zvg (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.04.2017, 13:26 Uhr

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Schauspielerin Audrey Hepburns Status als Stilikone ist auch auf ihre exquisite Auswahl an Hüten zurückzuführen. Berühmte Designer standen bei ihr Schlange: Givenchy, Dior, Cecil Beaton oder Balenciaga – wer einen Hut für sie entworfen hatte, dem war ein fester Platz in der Modegeschichte sicher. Sie wiederum inspirierten Hepburn, setzten Trends und zementierten letztlich ihren Ruf. In «Chapeau! Au­drey Hepburns Hüte» von June Marsh (Verlag Midas) finden Sie diese Geschichten und all die wunderbaren Bilder.nk

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