Pfiffe und Buhrufe bei Netflix-Filmvorführung

Wegen technischer Probleme sorgte der bereits im Vorfeld kritisierte Netflix-Streifen «Okja»für Unmut. Das genervte Festival-Publikum machte seinem Ärger Luft.

Stiess auf Aufmerksamkeit beim berühmtesten Filmfestival der Welt: Trailer zum in Cannes gezeigten Netflix-Streifen «Okja». (Quelle: Youtube)


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Buhrufe und technische Probleme haben am Freitag die umstrittene Vorführung des Netflix-Films «Okja» im Wettbewerb des Festivals von Cannes überschattet. Die Pressevorführung am Vormittag wurde mehrere Minuten lang unterbrochen, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Der Vorhang im Festivalpalast verdeckte einen grossen Teil der Leinwand, das Gesicht von Hauptdarstellerin Tilda Swinton war zeitweise nicht zu sehen.

Durch Pfiffe, Buhrufe und Klatschen machte das Publikum die Techniker auf das Problem aufmerksam. Nach einer Unterbrechung von sieben bis acht Minuten ging der Film dann weiter. Im Wettbewerb von Cannes sind zwei Filme des Streamingdienstes Netflix vertreten: Neben «Okja» vom südkoreanischen Regisseur Bong Joon Ho ist auch «The Meyerowitz Stories» des US-Regisseurs Noah Baumbach im Rennen um die Goldene Palme.

Kontroverse um Netflix-Filme

Die Nominierung zweier Filme eines Streaming-Dienstes hatte im Vorfeld eine Kontroverse ausgelöst. Schon zu Beginn der Vorführung am Freitag buhten Zuschauer, als das Netflix-Logo auf der Leinwand erschien. Während der Panne sagte ein Zuschauer «Ha! Der ist wirklich nicht fürs Kino gemacht». Am Abend sollte «Okja» im offiziellen Festivalprogramm gezeigt werden.

Das Team von «Okja» verteidigte unterdessen die Teilnahme im prestigeeträchtigen Wettbewerb an der Côte d'Azur: Regisseur Bong sagte bei der Pressekonferenz, Netflix habe ihm «ein grosses Budget anvertraut und völlige Freiheit bei den Dreharbeiten und beim Schnitt gelassen». «Sie haben meine Arbeit respektiert.» Swinton sagte: «Es gibt Platz für alles.» Zu den Äusserungen von Jury-Präsident Pedro Almodóvar sagte sie: «Es ist wichtig, dass er sagen kann, was er möchte.» Bong sagte, er sei ein Fan von Almodóvar, ganz gleich, was dieser sage.

Cannes zieht Konsequenzen

Der spanische Regisseur Almodóvar hatte am Mittwoch gefordert, dass der Gewinner der Goldenen Palme in den Kinos zu sehen sein müsse. Dies ist für die Netflix-Wettbewerbsfilme zunächst nicht geplant. Der Streaming-Dienst aus den USA hat 100 Millionen Abonennten.

In Frankreich müssen zwischen der Kinovorführung und der Online-Ausstrahlung eines Films drei Jahre liegen. Das Festival von Cannes zog aus dem Gezerre die Konsequenz, dass ab 2018 nur noch Filme in den Wettbewerb kommen, die zeitnah auch in französischen Kinos laufen. (kaf/AFP)

Erstellt: 19.05.2017, 16:01 Uhr

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