«Wir konnten nicht mehr atmen, die Nationalgarde rettete uns»

Viele Portugiesen in der Region der Waldbrände mussten in grosser Eile ihre Häuser verlassen. Ob sie je wieder zurückkehren können, ist unklar.

Einige Opfer wurden in ihren Autos «von den Flammen völlig eingekesselt»: Ein Video der Brände in Portugal. (18. Juni 2017) Video: RTSinfo


Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Mein Haus! Mein Haus», schreit die Frau auf der Flucht vor den Flammen, während ihr ein junger Mann Wasser zu geben versucht. Der portugiesische Sender RTP war vor Ort, kurz nachdem verzweifelte Anwohner ihre Häuser in der Gegend um die Kleinstadt Pedrógão Grande verlassen mussten. Ein Mann sagt, er sei mit einem Gemeindebeamten unterwegs gewesen. «Er ist zu Hause geblieben. Keine Ahnung, was mit ihm jetzt ist.»

«Er ist zu Hause geblieben»: Der Anwohner berichtet RTP, dass ein Mitarbeiter der Gemeinde zurückblieb. (18. Juni 2017) Bild: Screenshot RTP

Eine Frau meint, das Haus ihrer Schwester sei wohl verloren. «Uns hat die GNR (Nationalgarde) gerettet, wir konnten nicht mehr atmen.» Was mit dem Haus passiert sei, wisse sie nicht. «Vermutlich ist es abgebrannt», sagt die Frau.

«Wir konnten nicht mehr atmen»: Eine Frau berichtet RTP, dass das Haus ihrer Schwester wohl den Flammen zu Opfer fiel. (18. Juni 2017) Bild: Screenshot RTP

Der Präsident des portugiesischen Feuerwehrverbands zeigt sich im Interview mit der portugiesischen Zeitung «Expresso» ab der Tragödie bestürzt. Er habe noch nie eine Situation wie in der Gegend um die portugiesische Stadt Pedrógão gesehen, sagt Jaime Marta Soares. Mittlerweile ist klar: Beim Waldbrand etwa 150 Kilometer nordöstlich von Lissabon sind mindestens 43 Menschen gestorben.

Noch nie eine solche Situation gesehen: Jaime Marta Soares vor den portugiesischen Medien. (18. Juni 2017) Bild: Screenshot «Expresso»

Viele Opfer starben auf der Flucht vor dem Brand in ihren Autos, als das Feuer ihnen den Weg abschnitt. Auf die Frage, ob es denn nicht absehbar gewesen sei, dass die Brände diese Stellen erreichen würden, sagt Soares: «Als die Leute auf diese Strassen einbogen, könnten die Feuer noch kilometerweit entfernt gewesen sein.»

Solche Brände seien unvorhersehbare Dinge. Und als dann die Flammen den Weg in beide Richtungen absperrten, «sassen sie wie Mäuse in der Falle – einer Falle aus Rauch.»

Kommt das Feuer, oder kommt es nicht?

Der Waldbrand bei Pedrógão brach am Samstag um 15 Uhr aus und breitete sich rasant aus. Mittlerweile sind ganze Dörfer von den Flammen eingekesselt.

Isabel Brandoa wohnt in der betroffenen Gegend und erklärte, sie habe um ihr Leben gefürchtet. «Gestern sahen wir das Feuer und dachten, es wäre noch weit weg», sagte sie. «Ich hätte nie gedacht, dass es zu uns kommen würde.» Seit 3.30 Uhr am Morgen sei sie wach und habe ständig Angst gehabt, dass die Flammen sie erreichten würden. «Wenn es geregnet hätte, wäre das alles nicht passiert.»

700 Feuerwehrleute im Einsatz

Am Sonntag wurden die vor allem im Kreis Pedrógão Grande knapp 200 Kilometer nordöstlich von Lissabon wütenden Flammen nach Angaben des Zivilschutzes von rund 700 Feuerwehrleuten mit über 220 Fahrzeugen und zwei Löschflugzeugen bekämpft.

(mch/sda)

Erstellt: 18.06.2017, 12:44 Uhr

Artikel zum Thema

Zahl der Waldbrandopfer in Portugal steigt auf 63

Der schlimmste Waldbrand in Portugal seit Jahrzehnten kostet mindestens 63 Menschen das Leben. Die Regierung ruft eine dreitägige Staatstrauer aus. Mehr...

Blogs

Bern & so Guten Abend, liebe Sorgen

Echt jetzt? Manchmal hilft nur noch Beten

Die Welt in Bildern

Männchen machen für einen Heiligen: Auf den Hinterbeinen bahnen sich Pferd und Reiter ihren Weg durch die Menschenmenge in Ciutadella auf der spanischen Insel Menorca. Das ist Brauch während des San-Juan-Fests – und wer die Brust des Tieres streicheln kann, soll vom Glück gesegnet werden. (23. Juni 2017)
(Bild: Jaime Reina) Mehr...