Fraubrunnen

Aus für die Möbelfabrik

FraubrunnenDie über 100-jährige Firmengeschichte der Möbelfabrik Fraubrunnen geht Ende März zu Ende. Das Dorf ­verliert die grösste Arbeitgeberin.

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Der Arbeiter in der Montagehalle strahlt über das ganze Gesicht. «Gratulation», sagt André Hofer, gibt ihm die Hand und wechselt ein paar Worte. Gerade hat der Angestellte der Möbelfabrik Fraubrunnen erfahren, dass er eine neue Arbeitsstelle gefunden hat.

Firmenchef Hofer freut sich mit: Ein Mitarbeiter mehr, der weiss, wie es nach dem Aus für die Möbelfabrik weitergeht. Und so mischt sich in die Abbruchstimmung in den grossen Fraubrunner Fabrikhallen auch ein bisschen Aufbruchstimmung.

Schon seit ein paar Monaten steht fest, dass es für die Fraubrunnen AG keine Zukunft gibt. Die Angestellten wurden im Oktober über die Geschäftsauflösung informiert. Auf Ende Jahr wurden die letzten Bestellungen entgegengenommen, Ende März ist Schluss mit der Produktion. Ein paar Angestellte bleiben dann noch übrig, damit die Serviceleistungen gewährleistet sind.

Die Möbelfabrik Fraubrunnen wurde 1912 gegründet und war auf Wohn- und Schlafraummöbel spezialisiert. Sie stellte Schränke, Betten, Nachttische, Sideboards, Tische und Kommoden her und verkaufte sie über den Fachhandel im In- und Ausland.

Drei Generationen

Im Lauf der Zeit wurde das Unternehmen von drei Hofer-Generationen geführt. Zuerst stieg 1932 Werner Hofer in die Firma ein. In den 60er- und 70er-Jahren wurde sie stark ausgebaut, was durch grosse Neubauten sichtbar wurde. 1986 übernahm dann Werner Hofer junior die Fabrik.

In dritter Generation leitete ab 1999 Claude Hofer während zehn Jahren das Unternehmen. 2006 wurden 6,5 Millionen Franken in neue, auf die Serienherstellung ausgerichtete Maschinen und eine Fabrikerweiterung investiert. Nach einem ausserfamiliären Intermezzo mit einer Co-Leitung stieg 2014 André Hofer ein, der Bruder von Claude.

«Ich habe eine Konsolidierungsphase eingeläutet», sagt er im Sitzungsraum in der Möbelfabrik. Denn unter der Co-Leitung habe es Ungereimtheiten gegeben. Doch der tiefe Eurokurs habe die Situation noch verschärft. 2015 baute das Unternehmen 18 von 70 Stellen ab. «Wir dachten, dass wir mit den Sparmassnahmen die Kurve kriegen», sagt Hofer.

Doch er habe feststellen müssen, dass schweizweit die Kundenfrequenzen in den Fachgeschäften dramatisch zurückgingen. «Unsere Produkte werden kopiert. Sie werden vereinfacht im Ausland hergestellt und viel günstiger angeboten.» Gegen diese Konkurrenz komme man auf die Dauer nicht mehr an.

Hinzu komme: «Die Kunden erwarten von uns eine gute Qualität, einen tadellosen Service und kurze Lieferfristen.» Gleichzeitig sinke die Bereitschaft, den Preis dafür zu zahlen. Auch seien heute keine teuren Möbel für die Ewigkeit mehr gefragt.

Eine Neuausrichtung auf die deutlich einträglichere Produktion von Individuallösungen kam für Hofer aber auch nicht infrage. Die Möbelfabrik verfüge über eine Produktionsstrasse, die auf Serienherstellung ausgerichtet sei. «Eine Umnutzung hätte teure Investitionen vorausgesetzt.»

Geordneter Ausstieg

Deshalb entschied die Geschäftsleitung letztes Jahr, das Unternehmen geordnet aufzulösen. Dank dieses Ausstiegs hätten alle Maschinen und Anlagen, darunter eine 32 Meter lange moderne Lackierstrasse, verkauft werden können. Auch die Fabrikgebäude mit einer Fläche von 14'000 Quadratmetern wurden verkauft. Wie das Gelände künftig genutzt wird, sei unklar.

«Wir haben unsere Angestellten immer offen über die Lage informiert», sagt Hofer. Deshalb hätten sie den Entscheid auch mitgetragen. «Aber natürlich ist er für uns sehr schmerzhaft.» Derzeit arbeiten noch 32 Personen in Fraubrunnen. Ein paar wenige wissen noch nicht, wie es weitergeht. Hofer selbst wird noch eine Weile mit der Abwicklung beschäftigt sein. Wie es für ihn danach weitergehe, sei offen.

Die Marke bleibt

«Die Möbelfabrik war die grösste Arbeitgeberin in der Gemeinde», sagt Gemeinderatspräsident Urs Schär (BDP). Sie habe den Namen Fraubrunnen weiter herum bekannt gemacht. «Ich bedaure das Aus sehr.» Ganz verschwinden werden die Fraubrunner Möbel aber nicht. Die Muotathaler Möbelfabrik MAB übernimmt die Kollektion Primart und ein paar Angestellte aus Fraubrunnen.

Zudem schliesst André Hofer ein Comeback nicht aus. «Die Marke Fraubrunnen hat einen hohen Wert. Wer weiss, vielleicht kehren wir irgendwann einmal zurück.» (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.02.2017, 10:54 Uhr

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