Bern

800 Arbeitsstunden für ein Motorrad

BernDer Berner Danny Schneider baut mit seiner Firma Hardnine Choppers massgeschneiderte Motorräder. In den USA ein Star, kämpft der frühere Motocross-Fahrer manchmal mit seinem Ruhm.

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«Manche Leute trauen sich gar nicht, zu mir zu kommen.» Danny Schneider sitzt in seiner Garage am Zentweg in Bern. Vor etwa einem Jahr hat er sich hier selbstständig gemacht. Zuvor schon baute er mit einigen Kollegen in Bümpliz unter dem Namen «Hardnine Choppers» alte Motorräder um. Der Name ist geblieben, das Geschäft ist nunmehr aber eine One-Man-Show.

Bereits habe Danny Schneider Anfragen von zwei berühmten US-amerikanischen Musikern erhalten, deren Namen er an dieser Stelle aber noch nicht nennen dürfe. Nur so viel: Ein Rapper möchte, dass eines von Dannys Kunstwerken in seinem nächsten Musikvideo auftaucht. Und jüngst hat ein chinesischer Geschäftsmann ein Modell gekauft, als Kundenmagnet – selbst wird er sich wohl niemals in den Sattel schwingen.

Kein Bike wurde öfter fotografiert

Seine Popularität verdankt Danny Schneider in erster Linie seinem «DMX»: Ein Motorrad, das mit seinen weissen Felgen und Handgriffen stark an ein BMX erinnert (siehe Bildstrecke). 2009 schlug es in der Chopper-Szene ein wie eine Bombe. Wie aus dem Nichts wurde es in mehr Fachmagazinen abgebildet als jedes andere Motorrad in dem Jahr. Und es bescherte dem Berner als erstem Europäer überhaupt eine Einladung an die «Mooneyes», einer berühmten Motorradshow in Japan.

Seither haben Danny Schneider und seine Custombikes unzählige Titelseiten geziert und Preise an Fachmessen abgeräumt. Dennoch wird der 40-Jährige nicht müde zu betonen, dass er normal geblieben sei. «Der Hype macht einen anders, auch wenn man es gar nicht will.» Deshalb habe er auch schon ein halbes Jahr Pause eingelegt und keine Interviews mehr gegeben, nicht mehr an Shows teilgenommen. Und wenn es ihm einmal zu viel wird, stellt er sein Handy ab und geht Fliegenfischen.

Verspieltes Gemüt

Tatsächlich hat man im Gespräch nicht das Gefühl, mit einem abgehobenen Star zu sprechen, vielmehr mit einem Lausbuben, der nicht stillsitzen kann. «Ich bin schwer hyperaktiv, schon seit meiner Kindheit», erzählt Danny Schneider freimütig. Auch, dass er in der Schule praktisch nie Hausaufgaben gemacht habe. Seine Zeit verbrachte er wohl lieber mit BMX und Motorrädern: Als Teenager fuhr er Motocross-Rennen, bis ihn 2001 ein Unfall stoppte, bei dem er sich sein Fussgelenk zertrümmerte.

Die Leidenschaft für Motorräder liess den gelernten Sportartikelverkäufer aber nie los. Genau wie seine Heimat Bern, zu der er allerdings ein ziemlich ambivalentes Verhältnis hat: «Die Schweiz ist wie Disneyland und ich bin froh, hier geboren zu sein.» Nur, um einen Atemzug später anzufügen: «Grössere Städte sind mir eigentlich lieber.» Oder: «In der Schweiz fehlt der Markt für das, was ich mache.»

Entwickeln und bauen

Auszuwandern kommt für Danny Schneider trotzdem nicht in Frage, dafür geniesst er die Ruhe hierzulande zu sehr. Also versucht er den Markt anzukurbeln mit neuen Geschäftszweigen. So möchte er künftig auch Einzelteile produzieren und diese serienmässig vermarkten – «ganz Mainstream». Aktuell arbeitet er etwa an Fussrastern aus Aluminium, leichter als ein Schokoriegel.

Die Einzelteile sollen freilich nicht mehr als ein Nebenschauplatz bleiben, sein Kerngeschäft sind der Neubau und die Modifikation bestehender Bikes. «Mein Cousin hat mir eine alte Maschine gebracht und gesagt, ich solle daraus etwas machen. Solche Projekte sind natürlich am geilsten!», strahlt Danny Schneider. Man könne aber auch nur einzelne Teile abändern lassen. «Bei mir gibt's nicht nur Bikes für 100'000 Franken.»

Ab und zu baut Danny Schneider auch von sich aus Maschinen um. Diese erregen ebenfalls grosse Aufmerksamkeit, sind jedoch nur schwer zu verkaufen. So etwa die «Calibernia» eine Harley Davidson Panhead aus dem Jahre 1950, die er in Los Angeles in 800 Arbeitsstunden in ein orangenes Kunstwerk verwandelt hat. Ein Unikum, wie eigentlich jede seiner Maschinen. Dass er sie jemals verkaufen kann, bezweifelt er allerdings. «Aber man weiss ja nie...»

Bericht zur «Calibernia»

Quelle: Youtube

Photo Credits:
Tino Scherer
Janosh Abel
Stephan Schmutz
Remo Neuhaus
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.06.2015, 15:39 Uhr

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