Köniz

Ausverkauf im Bären Köniz

KönizIm Bären in Köniz werden die Türen ein letztes Mal geöffnet. Nachdem das Traditionslokal vor zwei Wochen dichtmachte, begann am Freitag der Verkauf des Inventars.

Bereit für das letzte Kapitel: Reto Schwyter nimmt während des Rampenverkaufs Abschied vom Bären.

Bereit für das letzte Kapitel: Reto Schwyter nimmt während des Rampenverkaufs Abschied vom Bären. Bild: Urs Baumann

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Ich möchte ein Stück Bären mit nach Hause nehmen, ein Stück Geschichte.» Das erklärte eine langjährige Besucherin des Könizer Traditionslokals, welches vor Weihnachten seine Türen endgültig schloss. Am Freitagnachmittag fand dort der Rampenverkauf des Restaurants statt. Rund vierzig Personen drängten in das Lokal, um sich die schönsten Tassen, Teller, Geschirrsets und andere Memorabilien zu sichern.

Die meisten Besucher stammen aus der Nachbarschaft. Eine Frau, die schon vor Jahren weggezogen war, kam wegen des Verkaufs extra nach Köniz. «Es ist tragisch, ein Stück Köniz geht verloren. Das ist halt der Lauf der Dinge», meinte ein alteingesessener Stammgast. Der Inventarverkauf dauert noch bis zum 21. Januar.

Enttäuschende Bilanz

Das Ende seines Restaurants zeichnete sich für Wirt Reto Schwyter längere Zeit ab. Als Hauptgrund nennt er das zunehmend veränderte Konsumverhalten der Leute. Vor allem Arbeiter schätzen es, Kaffee und Mittag­essen rasch und unkompliziert einnehmen zu können. Das Aufkommen von Take-away-Geschäften und Schnellrestaurants sei Ausdruck dieses Trends und sorge für neuen Preis- und Zeitdruck, mit welchem Wirte wie Reto Schwyter schlichtweg nicht mithalten können.

Traditionsreiche und für die Gemeinschaft wichtige Lokale werden dadurch laut Reto Schwyter nach und nach verdrängt: «Der Bären gehörte zu Köniz wie die Kirche. Wir bildeten eine Leidensgemeinschaft. Wer es nicht in der Kirche tat, schüttete sein Herz im Bären aus.»

Zudem waren es auch die strenger werdenden Auflagen vonseiten der Behörden und die nicht aufrechtzuerhaltenden Investitionskosten, welche die Möglichkeiten des Bären-Besitzers überstiegen.

Vor 25 Jahren hatte der nunmehr 50-jährige Reto Schwyter das Lokal von seinem Vater übernommen, nun muss er eine für ihn doch enttäuschende Bilanz ziehen. Der Bären stellte für ihn eine Institution, einen Zufluchtsort für die Gemeinde dar. Er ist letztlich betrübt, dass er die Entscheidung treffen musste, den Bären zu verkaufen. Als «Gastronom mit Leib und Seele», erklärte Schwyter, habe er zuletzt nicht mehr die erwünschte Wertschätzung gespürt wie früher. Kon­krete Zukunftspläne hat Reto Schwyter noch keine. Eines ist er sich jedoch sicher: Die Gastronomie will er verlassen.

In voller Blüte: Der alte Gasthof zum Bären. Bild: zvg

Asiat statt Traditionslokal

In das Bären-Lokal zieht das asiatische Lebensmittelgeschäft A-Chau. Von frischem Gemüse für den Wok bis hin zu Fertigge­richten hat der Thailaden alles zu bieten, was Fernostliebhaber sich nur wünschen können. Gründerin Tinhmanh Lien kam Anfang der 80er-Jahren in die Schweiz. Zu Beginn importierte sie noch asiatische Lebensmittel für Familie und Bekannte. Als sie vermehrt eine schweizweite Nachfragezunahme spürte, weitete sie dies zum Geschäftskonzept aus.

Seit 1993 gibt es A-Chau an der Könizstrasse im Liebefeld. In Basel befindet sich ausserdem eine Zweitfiliale. Nun muss das Geschäft vom Liebefeld nach Köniz umsiedeln. Nachdem das Könizer Stimmvolk im Juni letzten Jahres der geplanten neuen Siedlung auf dem Areal an der Thomasstrasse zugestimmt hat, wird das alte Lokal abgerissen. Gebaut wird ab 2019. Dies bewegte A-Chau zum Umzug in den frei werdenden Bären.

Geplant ist, dort bis Ende Jahr neu zu eröffnen und das Geschäft mit einem Restaurant zu ergänzen. Der Bären bietet mehr Platz für das wachsende Sortiment und Parkplätze. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.01.2017, 07:25 Uhr

In Köniz tief verwurzelt

Die ersten Dokumente über den Bären Köniz stammen aus dem Jahr 1628. Damals gehörte der Betrieb nicht zu den konzessionierten Gasthöfen Berns. Ständige Verstösse gegen das Weinausschenkverbot führten konstant zu Konflikten. Der Bären war bis 1801 Eigentum des Staates Bern, bevor er schliesslich verkauft wurde und in Privatbesitz überging. Die Besitzer der alten Liegenschaft waren besonders stolz auf das Wahrzeichen des alten Bären, die stehende Bärenfigur, welche als Sinnbild für die staatliche Einheit und die Berner Kraft galt. Der alte Gasthof fiel 1962 dem Bauboom zum Opfer. An seiner Stelle entstand ein Block im Stil der 1960er-Jahre mit dem heutigen Lokal. nis

Artikel zum Thema

Junge Hausbesetzer verurteilt

Köniz Im Frühling besetzten sieben Gymnasiasten ein grosses Wohnhaus in Köniz. Nun wurden sie wegen Hausfriedensbruchs verurteilt. Das Gericht befreite sie aber von einer Strafe. Mehr...

Bauherren bekommen aufs Dach

Köniz Besitzer haben ihre Scheune in ein Wohnhaus umgebaut. Doch einige Dachfenster waren nicht bewilligt. Sie müssen nun zurückgebaut werden. Mehr...

Marktplatz

Immobilien

Kommentare

Blogs

Echt jetzt? Pornos für Frauen? Gähn.

Serienjunkie Der spinnt, der Lynch!

Service

Von Kino bis Festival

Finden Sie hier die schönsten Events in unserer Region.

Die Welt in Bildern

Abgetaucht: In Zürich geniesst man die sommerlichen Temperaturen mit einem Bad im See. (26. Mai 2017)
(Bild: Walter Bieri) Mehr...