Worb

Der letzte Tag im Löwen

WorbEine 300-jährige Fa­milientradition geht zu Ende. Ursula und Hans-Peter Bernhard schliessen am Freitag ihren Löwen und gehen in Pension. Sie wollen den Gasthof verkaufen und hoffen, dass er künftig weiterbetrieben wird.

Zum letzten Mal am «Familientisch»: Ursula und Hans-Peter Bernhard wollen den Löwen verkaufen. Morgen Abend drehen sie den Schlüssel zum traditionsreichen Gasthof.

Zum letzten Mal am «Familientisch»: Ursula und Hans-Peter Bernhard wollen den Löwen verkaufen. Morgen Abend drehen sie den Schlüssel zum traditionsreichen Gasthof. Bild: Stefan Anderegg

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Leicht fällt ihnen der Abschied nicht. Ursula und Hans-Peter Bernhard sitzen in der Gaststube des Löwen, den sie fast 40 Jahre lang führten. Hier, hinter der hölzernen Zwischenwand, waren sie oft beisammen, mit der Familie, den Angestellten oder einzelnen Gästen. Haben nach dem Feierabend noch ein Glas getrunken. Oder Bohnen gerüstet, wenn gerade nicht viel lief im Löwen.

«Es war unser ‹Familientisch›», sagen die beiden. Und früher habe man meistens «Güsu» getrunken. «So nannten wir den Trunk aus Beaujolais und Citro», sagt Ursula Bernhard.

Am Freitag ist ihre Zeit im Löwen zu Ende. Am Abend schliessen sie die Tür zur Gaststube, zum Stübli und zu den Sälen im Obergeschoss. Das Hotel und das benachbarte Stöckli bleiben zwar geöffnet, doch mit dem Restaurationsbetrieb an der Enggistein­strasse 3 ist es vorbei. Jedenfalls vorerst. Bernhards wollen die Liegenschaft verkaufen. «Wir stehen in Verhandlungen», sagt er.

«Ohne meine Frau wäre es nicht gegangen.»Hans-Peter Bernhard

Die beiden wünschen sich, dass der Löwen als Gasthof weitergeführt wird. Der Entscheid, jetzt aufzuhören, habe sie manche schlaflose Nacht gekostet, ­sagen die beiden. Weiterhin zu wirten kam für die 69-Jährigen aber nicht mehr infrage. Und ihre beiden Kinder wollten den Betrieb nicht übernehmen.

Die Wurzeln des Löwen liegen rund 650 Jahre zurück. Das Gasthaus wird 1375 als «Tavernen Wirtschaft zu Worb» erstmals erwähnt. Hundert Jahre später beginnt bereits die Linie der heu­tigen Besitzerfamilie. Weil der Gasthof Löwen zweimal an Töchter überging, wechselte der Familienname von Roth auf Hofmann und auf Bernhard.

Vieles veränderte sich

Schon Hans-Peter Bernhards Grossvater und Vater hatten im Löwen gewirtet. Er selbst übernahm den Betrieb nach seinen Ausbildungs- und Wanderjahren 1977. «Meine Frau habe ich im Hotel Drei Könige in Sevelen kennen gelernt», sagt er. Er war Koch, sie als Hotelfachassistentin im Service tätig.

Nach Worb brachte die gebürtige Deutsche nebst ihren Kenntnissen den Dialekt vom jenseitigen Rheinufer. Er klingt wie der im Kanton St. Gallen. Hans-Peter Bernhard schaut zu ihr und sagt: «Ohne meine Frau wäre es nicht gegangen.»

«An die schönen Stunden im Löwen werden wir gerne zurückdenken.»Ursula Bernhard

Im Laufe der Jahrzehnte habe sich in der Gastronomie vieles verändert, erzählen die beiden. «Früher war alles konstanter. Man wusste, was wann los war», erinnert sich Hans-Peter Bernhard. Zum Beispiel gabs am Dienstagabend viele Gäste, am Mittwochmittag lief fast nichts. «Heute ist es viel unberechen­barer, man kann sich nicht darauf einstellen.»

Anfangs gehörte noch ein grosser Saal mit 200 Plätzen zum Löwen. «Den mussten wir jeweils mit Kohle heizen», erinnert sich der Besitzer. 1980 wurde der Saal umgebaut, es entstanden sieben Hotelzimmer.

Bundesräte und Künstler

Wichtig war den Bernhards eine gute Beziehung zu ihren Gästen. Diese kamen aus dem Dorf, der Umgebung und auch von weiter her. Im Lauf der Jahre waren viele illustre Leute im Löwen.

Im Gästebuch fallen Namen auf wie etwa die ehemaligen Bundesräte Villiger, Delamuraz und Stich. Letzterer dinierte einst mit dem deutschen Finanzminister Gerhard Stoltenberg und dem ös­terreichischen Kollegen Franz Vranitzky im Lokal. Auch der Schweizer Chefunterhändler Jakob Kellenberger oder der Schauspieler Sigfrit Steiner assen dort, gleich wie der Pianist Arturo Benedetti Michelangeli.

«Unsere Leute waren bis zum Schluss mit Enthusiasmus dabei.»Ursula Bernhard

Künftig wollen es Bernhards ruhiger nehmen. Das Ehepaar wird noch fürs Hotel und das Stöckli arbeiten. Ein Abschiedsfest mit 140 Personen haben sie schon gefeiert, jetzt steht noch der Abschied vom Personal bevor. «Unsere Leute waren bis zum Schluss mit Enthusiasmus dabei», lobt die Wirtin.

«Es kommt mir komisch vor aufzuhören, es ‹wärchet› in uns», sagt er. Sie spricht von der Entlastung, weil die langen Präsenzzeiten wegfallen. «Aber an die schönen Stunden im Löwen werden wir gerne zurückdenken.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.12.2016, 19:42 Uhr

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