Kitas sind dort, wo die Arbeitsplätze sind

In der Stadt Bern hat es über 100, in Belp nur eine einzige: Beim Kita-Angebot öffnet sich zwischen Stadt und Land ein tiefer Graben. Woran liegt das?

Kinderbetreuung im Schloss Barbara Kienle leitet seit diesem Sommer die neue Kindertagesstätte in Riggisberg.

Kinderbetreuung im Schloss Barbara Kienle leitet seit diesem Sommer die neue Kindertagesstätte in Riggisberg. Bild: Walter Pfäffli

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Spielen steht an diesem Mittwochmorgen auf dem Programm. Die zwischen sechs Monate und drei Jahre alten Kinder krabbeln und watscheln über den Holzboden im ersten Stock des Schloss Riggisberg. Wenn sie ein paar Zentimeter grösser wären, könnten sie vom Fenster aus auf das in Nebelschwaden getauchte Gürbetal blicken.

Aber für die Kinder sind Malstifte und Schaukelpferde in diesem Moment interessanter als die schöne Aussicht.Die Kita in Riggisberg gibt es erst seit wenigen Wochen. Barbara Kienle und ihr Team stellen hier zwölf Betreuungsplätze zur Verfügung. «Wir fühlen uns wohl und die Kinder auch», sagt Kienle zum speziellen Standort im Schloss. Draussen lädt die Natur zum Austoben ein. Und innen bieten die grosszügigen hellen Räume ein Spielparadies.

Kaum Angebote auf dem Land

Eine Kita auf dem Land: Angebote wie dieses in Riggisberg gibt es bisher nur wenige. Während in den Städten Kitas starken Aufwind haben, ist in ländlichen Gemeinden davon nur ein laues Lüftchen zu spüren. Das zeigt ein Blick in die Statistik.

«Ohne Wohnheim, Altersheim und Spital wäre die Kita nicht möglich»

René Grimm

Die Berner Gesundheits- und Fürsorgedirektion verzeichnete per Mai dieses Jahres 288 Standorte von Kindertagesstätten im ganzen Kanton. Alleine 105 davon liegen in der Stadt Bern. Auch Biel und Thun haben gemessen an ihrer Einwohnerzahl überdurchschnittlich viele Kitas. Ein noch extremeres Bild zeigt sich, wenn man die Anzahl Betreuungsplätze als Massstab nimmt. Städtische Kitas sind in der Regel viel grösser als ihre Pendants auf dem Lande. Allerdings ist hier das Zahlenmaterial des Kantons unvollständig.

Kitahochburg Bern

Wieso ist das so? Sind Kitas nur etwas für Städter? Naheliegend wäre die Annahme, dass die Eltern ihre Kinder dort in eine Kita geben, wo sie arbeiten. In Bern lässt sich dies aber kaum erhärten. «In den von der Stadt selbst geführten Kitas haben nur 13 der 843 Kinder einen Wohnort ausserhalb der Stadt», sagt Alex Haller, Leiter des Stadtberner Jugendamts. Auch privat geführte Kitas, die subventionierte Betreuungsplätze anbieten, haben vor allem Stadtberner Kunden.

Eine Ausnahme: Kitas, die keine Betreuungsgutscheine entgegennehmen. Zum Beispiel jene des Inselspitals Bern. «Bei uns haben die meisten Kinder ihren Wohnort ausserhalb der Stadt», sagt Kita-Leiterin Angelika Stutzer. Allerdings haben gerade Angestellte im Pflegebereich oft Arbeitszeiten, welche mit den Öffnungszeiten von anderen Kitas unvereinbar sind. In der Regel suchen Eltern eine Lösung am eigenen Wohnort, sagt auch Alex Haller.

Es braucht grosse Arbeitgeber

Ob es solch ein Angebot im eigenen Wohnort gibt, hängt oft davon ab, wie viele Arbeitsplätze es dort gibt. Das zeigt auch das Beispiel Riggisberg. Rund die Hälfte der Plätze sind von Kindern besetzt, deren Eltern bei einem der drei grossen Arbeitgeber arbeiten.

«Ohne das Wohnheim, das Altersheim und das Spital wäre die Kita nicht möglich», sagt René Grimm, Präsident des Altersheims Riggishof und auch Präsident des Vereinsvorstandes der Kindertagesstätte Riggisberg. «Gerade für Arbeitgeber in der Pflege sind solche Angebote wichtig, für das Finden von neuem Personal», so Grimm.

Andere Gemeinden folgen

Die Kita Riggisberg ist ein Gemeinschaftswerk der drei grossen Arbeitgeber und der Gemeinde. «Wir werden versuchen, auch andere Gemeinden an Bord zu holen», sagt Gemeinderätin Marisa Jaggi-Maffioli (parteilos).

Gerade kleine Gemeinden müssten beim Kita-Angebot zusammenspannen, weil ihr Bedarf allein nicht ausreicht, so Jaggi-Maffioli. Riggisberg kann seiner Bevölkerung bereits heute zwei subventionierte Plätze anbieten. Im nächstem Jahr sollen auch andere Gemeinden rund um Riggisberg folgen.

Dass das Angebot auch in ländlichen Gemeinden auf Nachfrage stösst, davon ist Jaggi-Maffioli überzeugt: «Bei den subventionierten Plätzen ist die Nachfrage jetzt schon grösser als das An­gebot.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.10.2016, 20:48 Uhr

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