Diplomatenstau vor dem Bundeshaus

Alle Jahre wieder: Die in Bern akkreditierten Diplomaten überbringen der Bundespräsidentin ihre Glückwünsche. Der Reiz des Rituals liegt in unscheinbaren Details.

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Wenn sich die Karawane von Limousinen mit CD-Schildern und Na­tionalflaggen von der Bundesgasse bis weit in die Sulgeneckstrasse hineinzieht, ist das ein untrügliches Zeichen für den ­alljährlichen Neujahrsempfang. Was wie Routine aussieht, ist trotzdem jedes Jahr für einige der Beteiligten eine Premiere.

Erst seit kurzem in Bern und deshalb zum ersten Mal dabei sind etwa Michael Matthiessen und Vlad Vasiliu, die Vertreter der EU und von Rumänien, oder Anne Paugam und Nazane Breca, die Botschafterinnen von Frankreich und des Kosovo. Für sie ist der traditionelle Anlass eine willkommene Gelegenheit, auf Tuchfühlung mit ihren Kolleginnen und Kollegen zu gehen.

Ein singulärer Moment fürs Fotoalbum ist der Empfang für den Berner Gemeinderat Reto Nause, als Interimsstadtpräsident fährt er in der Kutsche vor und trifft dort auf eine alte CVP-Bekannte aus Aargauer Zeiten. Der Erfinder der «Duschen mit Doris»-Wahlkampagne von 1999 kann – Stapi-Stichwahl sei Dank – der Bundespräsidentin Doris Leuthard die Hand schütteln. Als sie 2006 in den Bundesrat gewählt wurde, war Nause CVP-Generalsekretär.

Ein Déjà-vu ist der bunte Diplomatenreigen für Leuthard, schon 2010 nahm sie als Bundespräsidentin die Neujahrsgrüsse der in Bern akkreditierten Botschafter entgegen. Damals standen die Kritik an der Politik der G-20-Staaten und die Folgen des Volks-Ja zum Minarettverbot im Zentrum ihrer Ansprache. Ebenfalls zum zweiten Mal tritt der päpstliche Nuntius Thomas Edward Gullickson als Doyen des diplomatischen Korps auf.

Der 66-jährige US-Amerikaner fasst sich sehr kurz und belässt es bei einem allgemeinen Appell, die «Schwächsten der Gesellschaft» zu unterstützen. Die dienstälteste Bundesrätin wird etwas konkreter, warnt vor «Tendenzen des Fundamentalismus und Populismus»: «Der aktuelle Trend hin zu Abschottung ist aber die falsche Antwort.» Dann wird es auch bei ihr nebulös. Ein «spannendes Jahr» stehe vor uns: «Neue Staatspräsidenten werden Akzente setzen.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.01.2017, 20:41 Uhr

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