Bern

Weshalb es Sprayer auf RBS- und BLS-Züge abgesehen haben

BernSprayer nutzen Züge der BLS und des RBS besonders gerne als «Leinwand» für ihre Schmierereien. Was macht die S-Bahn für Graffiti so attraktiv? Und was ist so faszinierend daran, Eisenbahnwagen zu bemalen?

Sind bei Sprayern der OWZ-Crew besonders beliebt: Zugskompositionen der BLS.

Sind bei Sprayern der OWZ-Crew besonders beliebt: Zugskompositionen der BLS. Bild: Instagram/graffiti_bern

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«OWZ». Wer regelmässig in der Stadt Bern unterwegs ist, kennt diese drei Buchstaben. Sie prangen von Hausfassaden und Bushaltestellen, Betonmauern und Brückenpfeilern. Regelmässig fahren auch Zugkompositionen von BLS, RBS und SBB durch die Stadt, die mit den mysteriösen drei Buchstaben beschmiert wurden.

«OWZ: Our War Zone», auf Deutsch «Unsere Kriegszone». Dies ist der Name einer sehr aktiven Berner Graffiti-Crew. Mit dem Online-Magazin «Vice» haben drei Crew-Mitglieder über die Faszination des illegalen Sprayens in Bern gesprochen – und dabei BLS-Züge zu ihren «Lieblingsleinwänden» erklärt.

«In Bern sind wir sehr auf die BLS fixiert, einfach weil sie viel schönere Modelle hat und weil es viel interessanter ist, ein S-Bahn-System zu haben.» Dies sagte ein Sprayer, der sich Merlin nennt, gegenüber «Vice». Auch die orangen RBS-Züge würden sich hervorragend fürs Sprayen eignen. Dies, weil sie «einzigartig» seien, und weil der RBS eine der ältesten S-Bahnen der Schweiz sei.

Die kultigen orangen RBS-Züge werden offenbar von Sprayern gerne als «Leinwand» verwendet. Bild: Instagram/rapyaself

Kurze Strecken, viel Aufmerksamkeit

Offenbar sind S-Bahnen im Allgemeinen ein äusserst beliebtes «Ziel» von Sprayern: «Die Strecken sind viel kürzer. Wenn du ein Bild malst, kommt es öfter am gleichen Ort vorbei», begründet ein anderes Crew-Mitglied, Tinder genannt. «Dazu kommt das Gefühl, dass die Stadt dir gehört, weil du hier lebst», ergänzt ein Dritter.

Und was spricht denn eigentlich gegen das illegale Bemalen von SBB-Zügen? «Die SBB hat in Bern fast nur noch Doppelstöcker. Ein so kleines Bild auf einem so riesigen Zug ist einfach nicht dasselbe wie das gleiche Bild kompakt auf einem Einstöcker. Das Bild verliert auf den riesigen Doppelstöckern etwas an Substanz», meint Merlin dazu.

OWZ-Crewmitglied Merlin findet SBB-Doppelstöcker zum Besprayen nicht so attraktiv. Trotzdem finden sich auch auf SBB-Zügen häufig die berüchtigten drei Buchstaben. Bild: Instagram/graffiti_bern

Viele Sprayer möchten gerne, dass möglichst viele Leute ihre «Kunstwerke» sehen. Deshalb ist es naheliegend, dass Züge besonders oft als «Objekt der Begierde» hinhalten müssen: «Die ursprüngliche Idee des Zug-Graffitis war, dass du es an einem Punkt malst, danach fährt deine Leinwand durch die ganze Stadt und alle Leute sehen sie», erklärt Tinder.

Heute sei das aber anders, führt er weiter aus. Wenn man Glück habe, fahre ein Zug mit seinem Graffiti vielleicht zwei Tage lang auf dem S-Bahn-Netz herum. Es könne aber ebenso sein, dass ein versprayter Zug direkt in die Waschanlage fahre. Fünf Stunden später sei er dann wieder «Corporate Identity».

BLS reicht jedes Mal Strafanzeige ein

Bei der BLS hat man erwartungsgemäss wenig Freude daran, dass ihr Rollmaterial ein beliebtes Sprayer-Objekt darstellt: «Jährlich kosten uns die Reinigungsarbeiten gegen eine halbe Million Franken», sagt BLS-Sprecherin Helene Soltermann gegenüber «20 Minuten».

«Versprayte Züge ziehen wir im Rahmen der betrieblichen Möglichkeiten so schnell wie möglich aus dem Verkehr und reinigen sie.» Man reiche auch bei jedem versprayten Zug Strafanzeige ein, so Soltermann weiter. So könne das Bahnunternehmen in Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei Bern regelmässig Erfolge gegen die Sprayer erzielen. (chh)

Erstellt: 17.02.2017, 12:24 Uhr

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