Mani Matter auf Tigrinisch

Am Samstag führt die Knabenmusik Bern gemeinsam mit Asyl suchenden Jugendlichen ein Konzert auf. Auf dem Weg dorthin muss­ten sich alle Parteien etwas anpassen.

Während der Proben mit der Rhythmusgruppe gibt der 14-jährige Farzad Habibi (in Grün) den Takt an.

Während der Proben mit der Rhythmusgruppe gibt der 14-jährige Farzad Habibi (in Grün) den Takt an. Bild: Beat Mathys

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«Sub’uk zellou beal menjom, Sibeledse megcho-ene néru.» So klingt Berner Liedgut auf Tigrinisch. Es sind die ersten Zeilen des Lieds «Dene wos guet geit». Dass man Mani Matters Verse neuerdings nicht nur auf Tigrinisch – die Landessprache von Eritrea – sondern auch auf Somali und Persisch singen kann, dafür hat die Knabenmusik Bern gesorgt.

Die älteste Jugendmusik Berns hat für ihr diesjähriges Galakonzert ein spezielles Projekt gestartet: In «Musik ohne Grenzen» hat das Jugendblasorchester gemeinsam mit rund dreissig Asylsuchenden und weiteren Berner Jugendlichen das Konzertprogramm «Du fragsch mi, wär i bi» mit Orchester, Chor und Tanz entwickelt.

Während eines halben Jahres veranstaltete die Knabenmusik regelmässig drei Workshops für Gesang, Tanz und Rhythmus, an denen Jugendliche aus den Asylzentren Renferhaus-Ziegler und Siloah Gümligen teilnehmen konnten. Was in den Workshops entstand, fügten die Leiter nach und nach zu einem Ganzen zusammen.

Ausdauer und Bowling

«Die Workshops sind das Herz des Projekts, denn hier passiert der Austausch», sagt Initiant und Projektleiter Manuel Herren (23) – der Saxofonstudent ist seit ­langem in der Knabenmusik aktiv. «Anfangs war es allerdings schwierig, die Jugendlichen regelmässig in die Workshops zu bekommen.»

So haben er und seine Mitstreiter ihr Projekt mehrmals direkt in den Zentren vorgestellt, Listen aufgehängt, den Transport organisiert, Whatsapp-Gruppen gegründet, einen Bowlingabend veranstaltet. Warum brauchte es so viel Überzeugungsarbeit? «Der Alltag in den Zentren ist sehr grau, da kommt man nicht so einfach raus», sagt Herren. Dazu komme die grosse sprachliche Hürde. Mit der Zeit habe sich aber ein fester Kern gebildet.

Der Taktgeber

Einer, der am Infoabend im ­Renferhaus sofort aufsprang, ist der 14-jährige Farzad Habibi aus Afghanistan. Er besucht seither alle drei Workshops – obwohl er mit seiner Familie inzwischen nach Langnau gezogen ist. Auch an der gemeinsamen Probe der Rhythmusgruppe mit den Tambouren der Knabenmusik am Dienstag war er mit dabei.

«Ich mag alles mit Musik, den Rhythmus, das Tanzen und Singen», erzählt er auf Deutsch. Während der Probe merkt man dann auch: Farzad hat die Schritt- und Schlagabfolgen im Griff und gibt seinen vier Workshopkollegen den Takt an. Etwas zurückhaltender ist sein Landsmann Mohammad Haris. Der 15-Jährige ist in erster Linie hier, um eine Pause vom Zentrum zu haben, wie er auf Englisch sagt.

Insgesamt sind die Unterschiede in den technischen Fähigkeiten natürlich gross. Was die einen überfordert, ist für die andern eine Fingerübung. Und da man sich noch kaum kennt, reagieren die Neulinge und die Tambou­ren zwischen dem gemeinsamen Trommeln noch recht verhalten aufeinander. Der Jungtambour Dominik Voll findet es trotzdem gut: «Irgendwie muss die Integration ja beginnen.»

Die Rhythmusfraktion ist die kleinste Teilgruppe des Projekts. Insgesamt machen bei «Musik ohne Grenzen» dreissig Jungen und Mädchen mit, die derzeit in Asylzentren leben. Sie kommen aus Afghanistan, Eritrea und Somalia und sind zwischen 14 und 25 Jahre alt.

Dazu kommen rund siebzig Schweizer Jugendliche. Der Chor und die Tanzgruppe wurden eigens für das Konzert aufgebaut – es ist eines der grössten Projekte in der Geschichte der Knabenmusik. Und es sieht danach aus, dass es dabei allen ganz «guet geit».

Konzert: Samstag, 10. Dezember, um 19.30 Uhr im Kultur-Casino Bern. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.12.2016, 07:50 Uhr

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