Wengen

Um fünf Hundertstel

WengenWeltcüpli: Es war im März 1996. Klein Nathalie machte sich auf, den Jaunpass respektive das alljährliche Schülerskirennen zu erobern ...

Um fünf Hundertstelsekunden verpasste Dominik Paris am Samstag das Podest.

Um fünf Hundertstelsekunden verpasste Dominik Paris am Samstag das Podest. Bild: Keystone

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... Als ich mit meinen Eltern auf dem Jaunpass ankam, waren die «Profis» natürlich schon dort. JO-Skirennläuferinnen und -läufer aus meinen Parallel­klassen waren eifrig daran, Ski zu wachsen, die Taktik zu besprechen, die Strecke im Kopf durchzugehen und Aufwärmübungen zu turnen – was man halt eben als Nachwuchstalent so macht vor einem Rennen.

Somit muss ich das eingangs erwähnte «erobern» wieder zurücknehmen: Ich ging ohne jegliche Ambitionen in das Riesenslalomrennen der Drittklässlerinnen der Primarschule Steffisburg. Dazu war das Wetter auch viel zu mies, die Sicht zu schlecht und meine Fahrt äusserst holprig. Gemütlich fuhren wir nach meiner Fahrt noch ein paarmal den «Hoger» hinunter.

Endlich kam der Speaker dann zur Kategorie der Drittklässlerinnen. Er zählte die Podestplätze von hinten auf. Dritte war – das weiss ich ehrlich gesagt nicht mehr. «Nur» Zweite war überraschend die Favoritin aus dem Skiclub. Und dann – Sie ahnen es – auf dem ersten Platz, mit fünf Hunderstelsekunden Vorsprung: ich. Damit habe ich damals übrigens unwissend leicht besser abgeschnitten als mein künf­tiger Ehemann, der ihnen vor einer Woche sein Rennerlebnis schilderte. Der Sieg reichte natürlich gleich auch noch zum Sieg im Gesamtklassement über die Klassen 1 bis 3. Voller Stolz posierte ich fürs Foto für den Sportteil dieser Zeitung.

Fünf Hunderstelsekunden. Noch heute zaubert mir die Tatsache dieses «Prestigesiegs» ein kleines Lächeln aufs Gesicht und gibt mir einen kleinen Schub Selbstbewusstsein. An das Rennen im Jahr darauf – bei Sonne und sulzigem Schnee und mit mir auf dem gefühlten letzten Platz – denke ich hingegen nicht mehr so oft.

Fünf Hunderstelsekunden. Die können auch für einen Weltcupfahrer entscheidend sein. Diese minimale Zeitdifferenz kann zwischen Podestplatz und Rang 4 entscheiden – gell, Dominik Paris. Kann Begeisterungsstürme im Publikum auslösen. Kann eine ganze Menge Preisgeld oder eben weniger einbringen. Kann.

Am Lauberhorn beweisen Helfer, Zuschauer und Fahrer, dass es nicht nur um Hunderstelsekunden geht. Es geht um ein gemeinsames Fest, ein tolle Weltcupwoche und – trotzdem nicht zu vergessen – Skirennsport auf höchstem Niveau vor einer herrlichen Bergkulisse. Und auch hier gilt: Immer an die schönen Momente zurückdenken, lächeln und die weniger schönen Momente – wie etwa der Rennunterbruch wegen der Nebelbank – innerhalb von Hunderstelsekunden einfach vergessen.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 17.01.2016, 21:14 Uhr

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