Trub

Eine Nische für drittklassiges Holz

TrubDie Holz Trub AG hat einen Weg gefunden, wie qualitativ weniger gutes Emmentaler Holz zum Bauen verwendet werden kann. Damit leistet sie einen Beitrag zu einem gesunden Emmentaler Wald.

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«Damit der Wald seine Funktionen nachhaltig erfüllen kann, sollte er gezielt genutzt und verjüngt werden», steht im Nach­haltigkeitsbericht des kantonalbernischen Amts für Wald. Doch viele Waldbesitzer sind nicht ­motiviert, sich an die Arbeit zu machen. Zu tief ist der Erlös, den sie beim Holzschlag erwirtschaften können. Der starke Franken sorgt erst recht dafür, dass Schweizer Holz mit solchem aus dem EU-Raum nicht kon­kurrenzieren kann.

Jedenfalls nicht, wenn die Bauherren allein auf den Preis achten. Doch der Truber Zimmermann Jürg Hirschi stellt fest, dass immer mehr Häuslebauer wissen wollen, woher das Material kommt, mit dem sie sich ihre eigenen vier Wände bauen – so etwa wie Christian Bieri in Schangnau.

Als der Sohn des Wasserbüffelpioniers sein Bauernhaus ab­reissen und neu bauen wollte, war für ihn klar: Es sollte mit dem gebaut werden, was im eigenen Wald gewachsen war. «Wirtschaftlich wäre ich günstiger gefahren, wenn ich das Holz bei einem Zimmermann bestellt ­hätte, der von guten Einkaufskonditionen profitieren kann», sagt Bieri. Aus rein ideologischen Gründen habe er einen Mehraufwand auf sich genommen.

Regional, naturbelassen

Bieris Philosophie deckte sich mit jener von Jürg Hirschi. Denn Bieri wollte nicht, dass sein Holz zum Bauen verleimt oder anderweitig mit Fremdstoffen belastet würde. Im richtigen Moment lernte er das System Truber Holz (siehe Kasten) kennen, mit dem die gleichnamige neu gegründete Firma im Januar 2013 in Produktion ging. Dabei handelt es sich um ein Elementbausystem, das aus vollständig naturbelassenem Holz besteht.

Die einzelnen Elemente werden in Trub mit auf­einander geschichteten Holzbrettern hergestellt. Nicht Leim, Nägel oder Schrauben halten ­diese zusammen, sondern die grossformatigen Platten werden mit Dübeln aus Buchenholz verbunden. Diese Dübel werden übrigens in der Holzwerkstatt der Heimstätte Bärau auf die gewünschte Länge zugeschnitten. Letztes Jahr habe die Holz Trub AG 10 Kilometer Holzdübel verarbeitet, sagt Hirschi.

Holz aus der Gemeinde

Konstruktionen, die aus dicken Massivholzplatten bestehen, tragen laut dem Zimmermann zur Isolation des Gebäudes bei. Somit kann je nach Wanddicke Isolationsmaterial eingespart oder ganz darauf verzichtet werden. Christian Bieri als Holzlieferant hatte zudem den Vorteil, dass bei dieser Konstruktionsart die Ausbeute seiner Rundholzstämme beim Sägen grösser war. Nicht nur ganze Balken, sondern auch Seitenbretter mit Randabschnitten können in den nicht sicht­baren Wandelementen verbaut werden.

Neben Bieri haben in den vergangenen Jahren zwei andere Waldbesitzer das eigenem Holz für das System Truber Holz verwendet. Alle übrigen der rund dreissig Wohneinheiten, die in den letzten drei Jahren gebaut wurden, seien auch tatsächlich aus Holz aus der Gemeinde Trub und der unmittelbaren Umgebung entstanden, sagt Hirschi.

Trub verfügt über eine Fläche von 62 Quadratkilometern, die Hälfte davon ist bewaldet. Jedes Jahr werden hier laut Anton Küchler vom Büro «Weichen stellen» rund 20 000 Kubikmeter Holz geschlagen. Küchler amtet im Mandat als Geschäftsführer der Holz Trub AG.

Unschönes wird versteckt

Jürg Hirschi weiss, dass die Waldbesitzer in den Sägereien pro­blemlos Abnehmer finden für erst- respektive A- und B-klassiges Holz. Schwieriger werde es für C-klassiges, das zwar statisch ebenfalls einwandfrei wäre, für sichtbare Anwendungen aber nicht geeignet sei. Denn dieses weise Merkmale auf, die nicht gern gesehen würden, erklärt Hirschi. Solches Holz könne zwar als Bauholz verwendet werden, ende aber oft als Rohstoff in der holzverarbeitenden Industrie, wo es gegenüber der billigen Importware unter einem enormen Preisdruck stehe.

Die Holz Trub AG hingegen kaufe fast ausschliesslich C-Holz. «Wir be­zahlen den Waldbesitzern dafür einen etwas höheren Preis, als sie sonst im Handel bekämen», sagt Hirschi. «Wir wollen, dass die ganze Wertschöpfungskette profitiert.» In den letzten drei Jahren habe die Holz Trub AG jeweils rund 500 Kubikmeter C-Holz aus und in der Oberemmentaler Gemeinde verarbeitet. Das entspricht rund 5 Prozent der Truber Holzernte. Damit seien sechs bis acht Arbeitsplätze geschaffen worden, betont Hirschi.

Die Produktionsanlage, die auf dem Areal der ehemaligen Sägerei Kipfer eingerichtet wurde, sei damit aber bisher lediglich zu etwa 70 Prozent ausgelastet. Die Holz Trub AG ist zwar eine eigene Firma, doch sind es die Mitarbeiter in Hirschis Zimmerei, die auch diese Anlage betreiben. Im Vergleich mit der gesamten Bautätigkeit in der Schweiz sei das Volumen der Holz Trub AG verschwindend klein, räumt Jürg Hirschi ein. Für ihn funktioniert die Firma wie ein Direktvermarkter für die lokale Forstwirtschaft. «Aber die Nachfrage ist steigend», stellt er fest. «Es gibt immer mehr Leute, die naturbelassene regionale Produkte wollen, die ohne Fremdstoffe auskommen und bezüglich Ökologie und Nachhaltigkeit eine gute Geschichte mitbringen.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 21.01.2016, 09:26 Uhr

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