Schüpbach/Langnau

Längere Fahrt für besseren Preis

Schüpbach/LangnauSeit Donnerstag steht der Betrieb in der Käserei Schüpbach still. Die Bauern bringen ihre Milch jetzt in die Käserei Ilfis. Das Ziel ist ein höherer Milchpreis. Im Moment spürt Hans Lüthi erst den happigen Mehraufwand.

Unter der Beboachtung von  Käser Urs Fankhauser saugt Hans Lüthi erstmals in der Käserei Ilfis seine Milch ab.

Unter der Beboachtung von Käser Urs Fankhauser saugt Hans Lüthi erstmals in der Käserei Ilfis seine Milch ab. Bild: Hans Wüthrich

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Seit Donnerstagabend fehlt etwas im gewohnten Rhythmus des Schüpbacher Dorflebens. Nun mischt sich kein Töffli mit Anhänger mehr in den Morgen- und den Feierabendverkehr, um bei der Käserei Schüpbach abzu­biegen. Peter Brügger, der Präsident der Käsereigenossenschaft Schüpbach, muss seine Milchkannen ins Auto laden und damit nach Langnau fahren. Auf Neujahr hat seine Genossenschaft mit jener der Ilfiskäserei fusioniert.

Weil die Schüpbacher ihre von der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland zugestandene Menge an Käse für diesen Monat bereits produziert haben, müssten sie die Milch aktuell wieder unverarbeitet abtransportieren lassen. Deshalb wird sie bereits ein paar Tage vor dem geplanten Wechsel nicht mehr in Schüpbach, sondern in Langnau angenommen. So haben der dortige Käser Urs Fankhauser und die Schüpbacher Bauern Zeit, sich an die Umstellung zu gewöhnen, bevor es ab Januar ernst gilt.

Ein Tank musste her

Für Hans Lüthi, der hinter der Bubenei im Nebenerwerb einen Betrieb mit 13 Kühen führt, bedeutet die neue Ära zuerst einmal mehr Aufwand. Um 17.40 Uhr ist er gerade dabei, einen Milchtank am Auto anzuhängen. Das Ding habe 16'000 Franken gekostet, sagt er. Allerdings habe er noch einen Gutschein erhalten, weil die Herstellerfirma gleich mehrere Tanks nach Schüpbach habe verkaufen können.

Denn jetzt lohnt es sich für Bauern wie Hans Lüthi nicht mehr, täglich zweimal mit der Milch in die Käserei zu fahren. Im Tank kann die am Morgen gemolkene Milch zudem tagsüber optimal gekühlt werden.

«Ich habe mir durchaus überlegt, ob ich die Milchproduktion einstellen soll. Aber wenn man halt Freude hat an der Viehzucht...»Landwirt Hans Lüthi

Lüthi hat sich entschieden, jeweils am Abend nach Langnau zu fahren. Je nach Wetter hätte er dafür am Morgen schlicht keine Zeit. Denn er arbeitet zu 70 Prozent als Wegmeister der Gemeinde Signau. Doch auch als Landwirt kommt ihm der bisher schneefreie Winter gelegen.

Zu seinem Heimet führt ein kurzer, kurvig steiler Stutz. Lüthi weiss schon jetzt, dass es Situationen geben wird, in denen er den Milchtank mit dem Terratrac wird ins Flache bringen müssen und erst dann am Auto anhängen können.

Fast dreimal längerer Weg

Doch an diesem ersten Abend ist das Strässchen nicht vereist. Mit einem Blick auf den Kilometerstand verlässt er den Hof. Seine Frau, die beim Melken geholfen hat, ist gespannt, wie lange er wegbleiben wird. Bis nach Schüpbach hatte er hin und zurück jeweils 5 Kilometer zu fahren, jetzt beträgt sein Hüttenweg insgesamt 14 Kilometer. Von den acht Landwirten, die ihre Milch neu in der Ilfiskäserei abliefern, hat er die längste Strecke.

Er habe sich durchaus überlegt, ob er die Milchproduktion einstellen solle, sagt er. «Aber wenn man halt Freude hat an der Viehzucht . . .» Lüthi hofft jetzt einfach, dass eintreffen wird, was ihn und seine Kollegen zur Fusion bewogen hat: ein höherer Milchpreis. Schliesslich könnten nun in Langnau die Produktionskosten auf eine grössere Milchmenge verteilt werden.

Nummer tippen, Name prüfen

Kurz vor 18 Uhr fährt Lüthi in Langnau ein. Käser Urs Fankhauser steht bereit, um dem neuen Lieferanten zu erklären, wie die Sache mit dem selbstständigen Absaugen funktioniert. In einem Kästchen neben der Tür muss der Bauer seine Nummer eintippen. «Und dann immer kontrollieren, ob wirklich dein Name erscheint», rät der Käser.

Jetzt lohnt es sich für Bauern wie Hans Lüthi nicht mehr, täglich zweimal mit der Milch in die Käserei zu fahren.

Nicht dass Lüthis Milch eines Tages einem Kollegen angerechnet würde. Sobald der Schlauch angebracht ist, muss der Bauer am Kästchen nur noch einen Schalter drehen und so die Pumpe in Gang setzen. «Dann läuft das», sagt der Käser. Lüthi bleibt nichts weiter zu tun, als ein paar Minuten zu warten und die Pumpe dann wieder auszuschalten.

Besser vor Wüthrich Fritz

Inzwischen ist auch Peter Brügger mit dem Auto vorgefahren. Er kam fast gleichzeitig mit dem Lehrling, dessen Betrieb so nah liegt, dass er die Kannen mit dem Handkarren zur Käserei bringen kann. Während Lüthi seinen Tank leert, erkundigt sich Brügger beim Käser nach dem idealen Zeitpunkt für die Anlieferung. Es sei ratsam, vor 18 Uhr da zu sein, erklärt Fankhauser. «Nachher kommt Wüthrich Fritz.» Und weil dieser jeweils mit einer grossen Menge Milch kommt, werden die Schüpbacher künftig versuchen, vor ihm da zu sein.

Nach einer halben Stunde ist Hans Lüthi von der ersten Fahrt in die Ilfiskäserei zurück auf seinem Betrieb. Dem 55-Jährigen ist bewusst, dass sein Sohn den Aufwand wohl dereinst nicht mehr auf sich nehmen wird. Aber er kenne es nicht anders, als vor und nach dem Gang zur Arbeit in den Stall zu gehen. Wenn ab Januar ein höherer Milchpreis dabei her­ausschaut, umso besser.

Eine Käserei zu kaufen

Während man bei Lüthis die Stallarbeit beendet, bleibt es in der Käserei Schüpbach dunkel. Nur in der Wohnung über dem Betrieb brennt ein Licht. Die Genossenschaft will das Gebäude demnächst zum Verkauf ausschreiben. Bis zum Frühling bleibe der Laden noch offen wie bisher, sagt Peter Brügger. Käserin Ursula Arm, die ihn führt, werde bis Ende März die letzten in Schüpbach hergestellten Emmentaler pflegen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.12.2016, 16:39 Uhr

Von 48 auf 60 Prozent

Aktuell dürfen die Käsereien, die Emmentaler AOP produzieren, nur 48 Prozent der Milch zu Käse verarbeiten. Mit dem Ziel, den Preis des Käses nicht ins Bodenlose fallen zu lassen, hat die Sortenorganisation vor ein paar Jahren beschlossen, die Menge zu verknappen. Mehr als die Hälfte ihrer Milch müssen die Bauern unverarbeitet abführen lassen. Das drückt auf den Milchpreis und ist mit ein Grund, weshalb die Käsereigenossenschaft Schüpbach mit jener der Ilfiskäserei in Langnau fusionierte.

Dank dem Zusammenschluss können dort die Anlagen ab Januar 2017 voll ausgelastet werden. Ab nächstem Jahr erhöhte die Sortenorganisation die Produktionsfreigabe zudem auf 60 Prozent. Denn zurzeit habe es weniger Emmentaler an Lager, teilt sie auf Anfrage mit. Insgesamt sieben Käsereien hätten dieses Jahr ihre Produktion eingestellt, respektive sich mit andern Betrieben zusammengeschlossen. sgs

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