Trub

Viele Augen wachen über Trub

TrubWer wandernd die Gemeinde Trub erkundet, stellt bald einmal fest, dass er sich in einer beeindruckenden Gegend bewegt. Viele Inventare und Schutzzonen sorgen dafür, dass die Landschaft bleibt, wie sie ist – nicht immer zur Freude der Truber.

Ein historischer Dorfkern und eine Landschaft, die sich wie ein kontrastreiches Mosaik präsentiert. In Trub soll alles bleiben, wie es ist. Dafür sorgen verschiedene Inventare.

Ein historischer Dorfkern und eine Landschaft, die sich wie ein kontrastreiches Mosaik präsentiert. In Trub soll alles bleiben, wie es ist. Dafür sorgen verschiedene Inventare. Bild: Daniel Fuchs

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Wenn in Trub ein Gütersträsschen gebaut werden soll, ist das keine Nebensächlichkeit. Die Landwirte, die zu diesem Zweck Weggenossenschaften gründen, stellen erstaunt fest, dass ob ihres Ansinnens nicht wenige «ein Büro aufmachen» und mitreden wollen. «Bis zur Baubewilligung wächst leicht ein 20 Zentimeter hoher Aktenberg an», sagt Gemeindeschreiber Ernst Kohler.

Das ist der Preis, den Oberemmentaler Gemeinden wie Trub dafür bezahlen, dass sie in einer Gegend leben, die Wanderer als «prachtvoll» und «zauberhaft» beschreiben. Weil sich ihre Landschaft als kontrastreiches Mosaik präsentiert, in dem der Wanderer durch stark bewaldete Hänge, über lang gezogene Eggen an tiefen Schluchten vorbei zu grandiosen Aussichtspunkten gelangt.

Weil die Natur hier über weite Teile unberührt geblieben ist, enthält sie eine «Vielfalt von wissenschaftlich und naturschützerisch wertvollen Lebensräumen», wie der Regierungsrat des Kantons Bern 1979 festhielt. Damals erklärte der Staat das Napfgebiet – also Teile der Gemeinden Sumiswald, Langnau und Trub – zum Naturschutzgebiet.

Zudem ist die ganze Gemeinde Trub ausser dem Bereich Kröschenbrunnen im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung erfasst. Auch das Dorf Trub schaffte es in ein Bundesinventar, jenes der schützenswerten Ortsbilder.

16 Schutzpläne und mehr

Dass in der Gemeinde möglichst vieles bleibt, wie es ist, dafür sorgen etwa auch das Inventar historischer Verkehrswege, das Inventar historischer Gärten und Anlagen und das Bauinventar. Weiter bestimmen Richt- und Sachpläne über die Entwicklung Trubs. Gemeindeschreiber Ernst Kohler kann auf Anhieb sechzehn Inventare und Schutzpläne auflisten, die bei einem Bauvorhaben relevant werden können.

Die Aufzählung sei nicht abschliessend, sagt er. Bei eingangs erwähnten Hoferschliessungsprojekten reden unter Umständen ein Dutzend Amtsstellen mit – ob das den Trubern gefällt oder nicht. Kohler konnte deshalb nur müde lächeln, als letzthin ein Bürger am Schalter sein Baugesuch abgab mit dem Kommentar: «Aber das geht mir dann nicht nach Bern.»

Eingeschränkt

In Trub empfindet man die Unterstützung all jener Stellen, die schützen und bewahren wollen, was an Wertvollem vorhanden ist, zuweilen als Belastung und Einschränkung: Bis der Kiesabbau in Fankhaus erlaubt wurde, beispielsweise, war es ein langer und für den Gesuchsteller teurer Weg.

Mit dem Gedanken, auf den exponierten Eggen eine Windkraftanlage zu bauen, müssen die Truber wegen des Bundesinventars «Napfbergland» gar nicht erst spielen. Über Baubewilligungen kann die Gemeinde selten autonom entscheiden. Letzthin brachte sie die Denkmalpflege erst nach langen Verhandlungen zur Einsicht, dass es sinnvoller sei, im Innern eines schützenswerten Wohnstocks die Raumstrukturen verändern statt das ganze Haus verlottern zu lassen.

Und das Teeren eines Stücks Kiesweg scheitert zuweilen am Inventar der historischen Verkehrswege. Für eine Steigung von unter 8 Prozent existiere bei der zuständigen Organisation Via Storia «objektiv kein Grund zum Teeren», sagt Kohler. Der Biobauer Martin Wiedmer kommentiert: «Die waren noch nie in Trub, wenn es richtig regnete.» Damit spielt er auf den teuren Unterhalt ausgeschwemmter Kieswege an.

Wo Inventare nichts nützen

Doch die bauseitigen Einschränkungen sind nicht der Grund, weshalb auch Wiedmer Fragezeichen hinter die vielen Schutzbestimmungen setzt. Als Erhebungsstellenleiter kennt er die Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Er findet es widersinnig, wenn die Bauern im Talgebiet ökologische Ausgleichsflächen ausscheiden müssen, statt dass man ihnen dort eine Entwicklung mit intensiverer Nutzung gestatten würde.

«Eventuell könnte man die geforderten Ökoflächen ja pro Gemeinde oder Region ausscheiden», sagt er. Hingegen verteidigt Wiedmer die Direktzahlungen für Landwirte, die das steile Gelände bewirtschaften, und warnt davor, Hangbeiträge infrage zu stellen. «Diese sollten eher ausgebaut und auch für die Pflege steiler Weiden ausgerichtet werden», sagt er, denn: «Unser wichtigster Kampf ist der Kampf gegen den Wald.»

Rentabel ist dieser nicht. Aber wenn die Inventare das abwechslungsreiche Landschaftsmosaik erhalten wollen, muss jemand einmal im Jahr auch die steilsten Wiesen mähen und die Weiden säubern. «Sonst wachsen Stauden, und in zwanzig Jahren ist dort Wald», warnt Wiedmer.

Gegen diesen Trend vermögen die dicksten Inventare nichts auszurichten: «Wenn die Bauern in Trub kein Auskommen mehr haben und die Betriebe immer grösser werden, wird die Waldsaumpflege vernachlässigt, und der Wald wächst», so Wiedmer.

Unterstützt

Nicht immer verstanden wird im anerkanntermassen immer noch artenreichen Trub, wenn auch hier bei Strassenbauvorhaben übermässig viele Massnahmen zugunsten der Natur ergriffen werden müssen. Kohler erwähnt etwa das Anlegen von Biotopen, Steinhaufen, Hecken, Ameisenhaufen oder das Aufhängen von Nistkästen.

Auf der andern Seite gewährt der Bund für solche «grünen Massnahmen» beim 4,4 Millionen Franken teuren Erschliessungsprojekt Breitenboden eine Viertelmillion mehr Subventionen. – «Geld, auf das wird nicht verzichten können», sagt Kohler. Generell anerkennt er durchaus, dass all die Inventare und Schutzzonen den Gemeindebehörden beim Erhalt wertvoller Güter helfen.

Blickt der Gemeindeschreiber aber in die Zukunft, sieht er einen administrativen Grosskampf auf sich zukommen: die nächste Ortsplanungsrevision. All die Richt-, Schutz- und Zonenpläne wollen zu einem ganzen Werk zusammengefügt werden.

Zu einer baurechtlichen Grundordnung, die zusätzlich die innere Verdichtung regeln, «kommunale Prioritäten bezüglich der Fliessgewässeraufwertung» festlegen und etwa auch Standorte für Geburtshelferkröten ausscheiden wird, um nur einige Beispiele zu nennen. Kohler spricht von einer «echten Herausforderung». (Berner Zeitung)

Erstellt: 20.08.2015, 08:01 Uhr

Bloss einer von vielen Plänen: Martin Wiedmer (links) und Ernst Kohler studieren jenen der ökologischen Vernetzung. (Bild: Daniel Fuchs)

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