Trub

Widerstand ist ­vorprogrammiert

TrubDie Gemeinde Trub will das letzte Stück Naturstrasse im Brandöschgraben asphaltieren. Aber schon jetzt ist klar, dass ihr Ansinnen Gegner auf den Plan rufen wird.

Die Gemeinde Trub ist um ihr Erscheinungsbild bemüht. Das könnte ihr beim Teeren einer Strasse zum Verhängnis werden.

Die Gemeinde Trub ist um ihr Erscheinungsbild bemüht. Das könnte ihr beim Teeren einer Strasse zum Verhängnis werden. Bild: Daniel Fuchs

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An der Brandöschgrabenstrasse zeigt sich wieder einmal, dass es für den Truber Gemeinderat nicht immer einfach ist, an einem idyllischen Ort tätig zu sein. Weil die Gegend so schön ist, sorgen gleich mehrere Stellen dafür, dass sie sich nicht verändert.

Truber empfinden es aber offenbar als nicht sehr schön, wenn sie mit dem frisch gewaschenen Auto die Brandöschgrabenstrasse entlangfahren und ihr Gefährt danach – je nach Wetter – gleich wieder ei­nen Besuch in der Waschanlage nötig hätte. Die Strasse weise viele Schlaglöcher auf und die Staubbildung sei zuweilen extrem, sagt Gemeindeschreiber Ernst Kohler.

Deshalb träfen denn auch immer häufiger «geharnischte Reaktionen» auf der Gemeindeverwaltung ein.Nun hat der Gemeinderat beschlossen, das Ärgernis aus der Welt zu schaffen: Er will die Kiesstrasse teeren.

Teilstück von einem Kilometer

Das ist für ihn schon allein deshalb kein empörendes Ansinnen, weil es sich bloss um ein etwa einen Kilometer messendes Zwischenstück handelt, das noch nicht asphaltiert ist, wie Kohler betont. Bis zum ehemaligen Schulhaus ist die Strasse seit Jahrzehnten geteert. Und ab der Goldbachbrücke, wo die Zufahrt einer Weggenossenschaft gehört, habe diese einen Hartbelag einbauen lassen, «als Teeren noch gang und gäbe war».

Jetzt ist es das nicht mehr, jedenfalls nicht für Strässchen, die nicht ein bestimmtes Gefälle aufweisen. Und das zur Diskussion stehende Stück ist flach. Zudem führt es einen Bach entlang. Kohler weiss deshalb, dass die neue Gesetzgebung, die den Gewässern mehr Raum geben will, Schwierigkeiten bereiten könnte. Da aber keine Strassenverbreiterung vorgesehen sei, sollten diese laut dem Gemeindeschreiber lösbar sein.

Knacknuss Wege-Inventar

Eine Knacknuss wird hingegen das Inventar der historischen Verkehrswege darstellen. Denn die Brandöschgrabenstrasse ist darin enthalten. Was das bedeuten kann, erlebten die Langnauer SVP-Parlamentarier 2013. Per Motion brachten sie die Gemeinde dazu, ein Bauprojekt zu publizieren, das zum Ziel hatte, die Verbindung zwischen Gmünden und Bluttenriedschwand zu teeren.

Der Gemeinderat sah zwar aufgrund der Vorabklärungen, die er getroffen hatte, wenig Chancen auf eine Baubewilligung. Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz wehrte sich denn auch prompt beim Regierungsstatthalter – unter anderem mit dem Argument, das Strässchen gelte als historischer Verkehrsweg. Wie erwartet hiess der Statthalter die Einsprache gut und erteilte keine Baubewilligung.

Doch der Truber Gemeinderat will «sich entschieden für den Hartbelag einsetzen», schreibt er in einer Medienmitteilung. Er hat einen Projektierungskredit von 15'000 Franken bewilligt und das einheimische Büro Irmann beauftragt, ein Vorprojekt auszuarbeiten.

Keine Baubewilligung angestrebt

Ob das Vorhaben realisiert werden kann, wollen die Truber laut Kohler nicht mittels Baubewilligungsverfahren herausfinden. Sie streben vielmehr das sogenannte Bodenverbesserungsverfahren an. Denn das Vorhaben müsse von Bund und Kanton subventioniert werden. Die Subventionszusicherung gelte dann gleichzeitig als Baubewilligung, erklärt der Gemeindeschreiber.

Auch bei diesem Verfahren wird das Projekt pu­bliziert und sind Einsprachen möglich. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) werde dann aufgrund allfälliger Einsprachen und der eingeholten Amtsberichte entscheiden, ob der Hartbelag ein­gebaut werden könne.

Mit einem ähnlichen Projekt im Hüttengraben haben die Truber vor etwa sechs Jahren Erfahrungen gemacht, die sie nun auch für das vorliegende zuversichtlich stimmen: «Der zuständige Mitarbeiter im BLW stand hin und entschied: ‹Die Strasse wird gebaut›», erzählt Kohler. Obwohl der Mann nicht mehr im BLW arbeitet, hoffen die Truber, dass sich die Geschichte im Brandöschgraben wiederholen wird. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.01.2017, 17:50 Uhr

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