Matten

«Aber die Show muss halt gut sein»

MattenEine gute Show war ihm schon immer wichtig, und das hat ihn zu einem der erfolgreichsten Dirigenten des Oberlandes gemacht. Doch nun tritt Jakob Leuenberger als Leiter der Musikgesellschaft zurück.

Jakob Leuenberger  wird das Rampenlicht «wohl kaum» ver­missen.

Jakob Leuenberger wird das Rampenlicht «wohl kaum» ver­missen. Bild: zvg

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«Man soll immer dann aufhören, wenns am schönsten ist», sagt Jakob Leuenberger. Zudem, so hält der 66-jährige Dirigent der Musikgesellschaft (MG) Matten fest, «sind zehn Jahre in unserer schnelllebigen Zeit ja recht viel – und jünger wird man ohnehin nicht». Deshalb habe er schon Ende 2015 der Vereinsleitung seinen Rücktritt angekündigt.

Nun ist das Dezennium voll, und am 4. März verabschiedet sich Kobi, wie er überall genannt wird, mit einer «musikalischen Rundreise» (siehe Kasten) von der Bühne.Doch es sind nicht «nur» die zehn Jahre bei der MG Matten, die Kobi Leuenberger abschliesst. Nein, es ist eine Karriere, die schon in der Kindheit in Ursenbach begann und ihn bis zu nationaler Bekanntheit führte.

Von der Handorgel zum Es-Althorn

«Klar, wie fast alle war auch ich von den Beatles fasziniert», erinnert sich Leuenberger an seine Jugend in den 60er-Jahren. Aber es war «trotzdem» die Handorgel, für die sich der kleine Kobi entschied und die zu spielen er in der Musikschule des benachbarten Huttwil lernte. Dabei motivierten ihn sein Vater und dessen Brüder, die alle in Musikgesellschaften spielten.

Die Handorgel war das erste von vielen Instrumenten, die Kobi Leuenberger lernte und auch heute noch beherrscht. Nach Trompete, Cornet, Flügelhorn, Tenorhorn und Eufonium entschied er sich fürs Es-Althorn, ein wichtiges Instrument für Brassbands.

Bei aller Liebe zur Musik – Geld verdienen musste Leuenberger trotzdem. Als gelernter Möbelschreiner wechselte er bald einmal zur Bauschreinerei und schliesslich in die Versicherungsbranche. Auch geografisch machte er einen grossen Schritt und zügelte 1974 nach Matten.

Dirigent von mehreren Musikgesellschaften

Hier, auf dem Bödeli, kam Leuenbergers musikalische Karriere erst so richtig in Schwung. Bis 2002 dirigierte er – in dieser Reihenfolge – bei den Musikgesellschaften Adelboden, Aeschi, Interlaken und Wilderswil. Parallel dazu widmete er sich der Weiterbildung und absolvierte unter anderem die Dirigentenausbildung und lernte Harmonielehre und Instrumentation. Dann, 2006, kam eine weitere Anfrage aus Matten, ob er einmal mehr aushilfsweise einspringen könnte. Aus der Aushilfe wurde eine zehnjährige Festanstellung.

All die vielen Höhepunkte dieser zehn Jahre aufzuzählen, dafür fehlt hier der Platz. Schon 2008 platzierte sich die MG Matten unter ihrem neuen Dirigenten beim Oberländischen Musikfest in Spiez zuvorderst. Es folgten weitere Erfolge bei kantonalen und eidgenössischen Musikfesten. Und das Fernsehen meldete sich.

Erfolg mit choreografischen Showelementen

«Ich war grad auf einem Spaziergang mit meinem Hund», erzählt Kobi Leuenberger, «als mich das Schweizer Fernsehen anrief.» Ein halbes Jahr später, Ende 2014, stand er mit der MG Matten im «Kampf der Orchester», der SRF-Produktion. Den dritten Platz verdienten sich die Oberländer mit traditioneller Blasmusik und moderner Präsentation. Denn: Kobi Leuen­berger kennt keine Berührungsängste zu choreografischen Showelementen und baut diese immer wieder geschickt und innovativ in die Aufführungen ein.

Geradezu perfektioniert hatte er dieses Stilmittel schon 2012, als er zusammen mit Gleich­gesinnten den Musikwettbewerb «Jungfrau Show Parade» gründete. Leuenberger ist überzeugt: «Die Zuschauer kommen nicht nur der Musik wegen an Konzerte und Paraden, sondern noch mehr wegen der Show. Aber die Show muss halt gut sein.» Eine Erkenntnis übrigens, die er auch bei seinen bisher fünf Teilnahmen beim musikalischen Programm am internationalen Viertagemarsch in Holland umzusetzen wusste.

Wettbewerbe wichtig für das Niveau

Kobi Leuenberger war bei all seinen Tätigkeiten immer Motor und Motivator gleichermassen. Dazu gehört auch, dass er allen Musizierenden empfiehlt, sich an möglichst vielen Wettbewerben zu beteiligen. «Das ist neben der Weiterbildung der Grundstein zur Erhaltung und zum Ausbau des Niveaus», betont er. Er selber erinnert sich nicht mehr an alle Anlässe, an denen er sich mit anderen mass.

Ein Handorgelwettbewerb allerdings bleibt ihm in bester Erinnerung: «Das war noch in meiner Jugend – und daran hat auch Hansueli Oesch, der Vater der heutigen Erfolgsfamilie, teilgenommen.» Wer damals gewann, will er nicht verraten.

Ebenfalls nicht verraten will Kobi Leuenberger seine weiteren Zukunftspläne. «Zuerst will ich jetzt eine saubere Stabübergabe machen», sagt er. Das Rampenlicht jedenfalls werde er «wohl kaum» vermissen. Definitiv kein Geheimnis sei, dass er sich weiterhin der Musik widmen wolle. Und seiner Frau Margrith und seinen Grosskindern. Wer weiss, vielleicht folgt nach seiner bisher einzigen Komposition «Unsere Heimat» schon bald sein zweites Werk . . . (Berner Oberländer)

Erstellt: 17.02.2017, 17:30 Uhr

Abschiedskonzert

Am 3. und 4. März findet im Kirchgemeindehaus Matten das Abschiedskonzert von und für Jakob Leuenberger statt. Unter dem Motto «Musikalische Rundreise» erinnert das Programm an diverse Höhepunkte der vergangenen zehn Jahre, angefangen vom Oberländischen Musikfest 2008 in Spiez über die CD-Produktion von 2012 bis zum Tambourenfest 2016 in Saas-Grund.

Danach folgt die offizielle Stabübergabe von Jakob Leuenberger an seinen Nachfolger ­Reto Messerli von Büren an der Aare.

Anschliessend ans Konzert wird «Früsch verlügt» aufgeführt, ein Schwank in zwei Akten von Nick Hasler. Und für den fröhlichen Ausklang sorgt die Formation BeO Musig Express.

Gegen Hunger und Durst gibts von 18 bis 19.30 Uhr warme Küche und den ganzen Abend eine Musikbar mit Biercocktails. Und die Tombola mit Losen à 1 Franken lockt mit schönen Preisen.

Platzreservation (nur für Samstag): Blumengeschäft H. Gosteli, Tel. 033 822 21 08.

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