Ballenberg

An Mut den Männern gleich

BallenbergWenn die Besucher des Freilichtmuseums Ballenberg den Heimweg angetreten haben, gibt es Betrieb beim Haus von Wila: Das Landschaftstheater probt. Die Premiere des Stücks «Veronika Gut – Aufruhr in Nidwalden» ist am 5. Juli.

Die drei gut gelaunten Profis vor einer Probe zu «Veronika Gut – Aufruhr in Nidwalden», der Ballenberg-Inszenierung 2017 (v. l.): Marlise Fischer (Regisseurin), Karin Wirthner Demenga (Veronika Gut) und Silvia Jost (Chalen-Dorli).

Die drei gut gelaunten Profis vor einer Probe zu «Veronika Gut – Aufruhr in Nidwalden», der Ballenberg-Inszenierung 2017 (v. l.): Marlise Fischer (Regisseurin), Karin Wirthner Demenga (Veronika Gut) und Silvia Jost (Chalen-Dorli). Bild: Ueli Flück

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Sie sitzen vor dem Haus von Wila in der Geländekammer Östliches Mittelland und erzählen von Veronika Gut, der Rebellin von Stans, und dem Chalen-Dorli, der Ärmsten unter den Armen in den Jahren des Umbruchs 1798 bis 1815: Die Regisseurin Marlise Fischer und die Schauspielerinnen Karin Wirthner und Silvia Jost. Alle drei sind bekannte, routinierte Theaterfrauen. Zusammen mit 34 Laienschauspielern bilden sie das Ensemble, dass ab dem 5. Juli «Veronika Gut – Aufruhr in Nidwalden» auf die Ballenberger Landschaftsbühne bringen wird.

Wie kommt es dazu, dass Ballenberger Theaterleute einen historischen Stoff von «ännet» dem Brünig auf die Landschaftsbühne im Berner Oberland bringen? «Wir haben zusammen mit dem Vereinsvorstand verschiedene mögliche Themen geprüft und uns schliesslich auf die Veronika Gut geeinigt», erzählt Marlise Fischer. Der aus dem Südbadischen stammende, in Bern ­lebende und mit Silvia Jost verheiratete ­Autor Andreas Berger dramatisierte den historischen Stoff im Auftrag des Vereins Landschaftstheater.

Seit März wird geprobt, vorerst indoor, seit April im Freien. Dabei sind die zwei Profischauspielerinnen Karin Wirthner Demenga und Silvia Jost und 34 Amateure, unter ihnen einige, die seit Jahren mitmachen. Regisseurin Fischer hält fest: «Alle Spielerinnen und Spieler sind gleich wichtig, ob Profi oder Laien.»

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Freilicht- und einem Landschaftstheater? «Das Stück wird beim Landschaftstheater der Landschaft angepasst und nicht umgekehrt», erklärt Mar­lise Fischer. Den Spielort, das Haus von Wila, beschreibt sie als «e Ort, wo me Gschicht cha ineschrybe». Die Häusergruppe erlaube verschiedene Spielorte, was hohe Anforderungen an die Verständlichkeit stelle und die Bewegungsabläufe kompliziere.

Silvia Jost hat den Text des Autors ins Berndeutsche übersetzt. «Jeder kann reden, wie ihm der Schnabel gewachsen ist», sagt Jost. Nur Karin Wirthner «isch en Ächti». Sie ist – wie Veronika Gut – in Stans aufgewachsen.

Die Rebellin und die Närrin

Kannte Karin Wirthner, die die Veronika Gut spielt, deren Geschichte? «Nein, die war in der Schule kein Thema, da war die Rede von Winkelried», erinnert sie sich, «ich kannte lediglich den Veronika-Gut-Weg in Stans». In der Geschichte über die Veronika Gut habe sie eigentlich nichts Gutes gefunden, verrät Wirthner. Es sei eine Böse gewesen. «Aber ich kann nicht durchwegs ‹e schlächte Hagel› spielen», bemerkt die Schauspielerin. Und: «Man muss seine Rolle lieben können.»

Zuzugestehen sei der Gut, dass sie aus Überzeugung gehandelt und sich für die Rechte der Frauen eingesetzt habe, allerdings nur für die der reichen Frauen. Sie habe auch Armen geholfen, aber nur solchen, die sie als helfenswert einschätzte. Zu ihnen gehörte das Chalen-Dorli nicht. Dieses ist eine vom Autor aus dramaturgischen Gründen erfundene Rolle (gespielt von Silvia Jost). Es ist die Ärmste der Armen. Ihr Nachtlager trägt sie stets mit sich herum: Ein «Püntel» Stroh. «Eigentlich ist es eine Närrin», sagt Silvia Jost. Das gebe ihr aber die Freiheit, alles zu sagen und einiges ins rechte Licht zu rücken.

Es wird ein Erfolg

Was sagt Paul Eggenschwiler, seit März Ehrenmitglied des Vereins Landschaftstheater Ballenberg, zur Inszenierung 2017? «Es ist eine brutale Geschichte. Zudem eine anspruchsvolle für alle Mitspielenden und hervorragend inszeniert. Eggenschwiler, bei bisher 19 Ballenberg-Produktionen mit 460 Vorstellungen dabei, ist überzeugt: «Es wird ein Erfolg!»

Vorverkauf: www.landschaftstheater-ballenberg.ch
Telefon (Di–Fr, 14–17 Uhr): 033 952 10 44
Die gedeckte Tribüne bietet 640 Sitzplätze. Gespielt wird ab dem 5. Juli bis und mit dem 19. August. Jeweils von Mittwoch bis Samstag (Ersatztag Dienstag).
(Berner Oberländer)

Erstellt: 13.06.2017, 09:22 Uhr

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Eine ruhestörende Närrin

Veronika Gut lebte von 1757 bis 1819 in Stans. Sie war Bäuerin, seit ihrem 20. Altersjahr verheiratet mit Leonz Joller und Mutter von sieben Kindern. Die Kinder trugen den Namen des Vaters, die Mutter aber verwendete stets ihren Mädchennamen. Ihre Gesinnung war reformkritisch und katholisch. Ihr Wirken beeinflusste massgeblich die politischen Geschehnisse in Nidwalden von 1798 bis 1815. Veronika Gut war bereits verwitwet, als sie sich 1798 mit 600 Gulden zugunsten der Kriegskasse am Nidwaldner Abwehrkampf gegen die französischen Truppen und die neue Ordnung der Helvetik beteiligte. Dabei verlor sie ihren ältesten Sohn auf dem Schlachtfeld. Nach der Niederlage gegen die Franzosen wurde Gut 1799 in Schwyz verhaftet und als «ruhestörende Rebellin» verurteilt. Das hinderte sie aber keineswegs, die «Vaterländer» weiterhin zu unterstützen. Als sie im September 1801 fälschlicherweise einen neuerlichen Einmarsch der Franzosen erwartete, verlor sie auf der Flucht ihre vier Töchter. Sie ertranken in der Engelberger Aa. 1803 wurde Veronika Gut wegen Pöbelei erneut verhaftet.

Napoleons militärische Niederlagen ab 1813 gaben ihr neuen Auftrieb. Mit ihrem zweiten Gatten, Melchior Odermatt, und Landammann Franz Xaver Wirsch bildete sie den Kern das nach ihr benannten Froneggrats, der den Widerstand gegen den Bundesvertrag von 1815 organisierte. Mit dem Einmarsch der eidgenössischen Truppen im August 1815 endete Veronika Guts Einfluss. uf

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