Saanen

Mit neuester Beschneiungstechnik in eine sicherere Zukunft?

SaanenEine neue Gechäftsleitung und fünf Millionen Franken Investitionen sorgen bei der Bergbahnen Destination Gstaad AG für Aufbruchstimmung. Wir schauten dem Leiter der Beschneiungsanlagen einen Tag lang über die (breite) Schulter.

Neue Beschneiungslanzen und -kanonen für das Skigebiet Eggli: Ruedi Frutiger, Chef Beschneiungsanlagen, will mit seinem Team bis zum Beginn der Schneesaison bereit sein.

Neue Beschneiungslanzen und -kanonen für das Skigebiet Eggli: Ruedi Frutiger, Chef Beschneiungsanlagen, will mit seinem Team bis zum Beginn der Schneesaison bereit sein. Bild: Bruno Petroni

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Wo er hinsteht, ist sein Schatten lang: Wie ein Schwingerkönig steht Ruedi Frutiger, der Chef über die Beschneiungsanlagen und Garagen bei den Bergbahnen Destination Gstaad (BDG), am Rand eines zwei Meter tiefen Grabens im Rossfälli, 1670 Meter über Meer.

Nur der massive Menzi Muck Schreitbagger überragt den grossgewachsenen gebürtigen Boltiger um Etagen: «Ich schaue mir alle Baustellen jeden Tag einmal an, denn nur im steten persönlichen Kontakt mit den Bauleuten vor Ort kann man kurzfristig Fragen klären und auf Probleme reagieren.» Und solche treten täglich auf, «denn draussen in der Natur sieht eben alles etwas anders aus als auf dem Reissbrett im Büro».

Eigene Leute einsetzen

Der 37-Jährige, der seit 2004 die Beschneiungsanlagen im Saanenland betreut, hat im gesamten BDG-Hoheitsgebiet zwischen St. Stephan und Rougemont – das sind nicht weniger als 250 Pistenkilometer, von welchen rund zwei Drittel künstlich beschneit werden können – momentan über ein halbes Dutzend Baustellen unter seiner Verantwortung.

«Die 1,7 Kilometer lange Wasserleitung vom Chalberhöni hier hinauf zum Rossfälli sowie die neue Pumpstation Eggli da oben sind die grössten Brocken und nehmen rund einen Drittel der gesamten Investitionen», sagt Ruedi Frutiger. Einen Teil der Rohrverlegungen und Bauarbeiten lässt Frutiger durch sein zehnköpfiges Team ausführen: «So kennt bei technischen Problemen jeder die Zusammenhänge , weil er ja den Bau selber miterlebt und -gestaltet hat.»

1,7 Kilometer Rohrleitungen: Wie hier bei der Linie Chalberhöni–Rossfälli schaut Ruedi Frutiger (links) täglich bei den Baustellen vorbei. Bild: Bruno Petroni

Obwohl bereits 80 Prozent aller Anlagen aufgestellt und starklar sind, gibt es bis zum geplanten Skisaisonbeginn Anfang Dezember noch genug zu tun. So macht die BDG in der Gschwend in den nächsten Tagen den ersten Testlauf einer neuen Wasserfassung aus der Saane. Auch steht die Fertigstellung von sieben Pumpenhäusern an, die saniert und ausgebaut wurden. In der Halte am Rinderberg werden an einer bestehenden Beschneiungsanlage 180 Meter Rohrleitung mit Entwässerungsrohr sowie Strom- und Datenkabeln neu verlegt.

Die übrigen Unterhaltsarbeiten haben die BDG-Techniker längst abgeschlossen: «Wartungsarbeiten führen wir immer bereits im Frühling durch, sobald wir nicht mehr beschneien müssen. So bleibt uns in den Sommermonaten genug Zeit für die Servicearbeiten an den Schächten und die Umsetzung der neuen Projekte, sowie das Aufstellen der Schneeerzeuger im Herbst», sagt Ruedi Frutiger.

«Das Reinigen der Filter, des Durchflussmessers und Schmieren der Pumpen gibt bei jeder von den zehn Pumpstationen bis zu einem Tag Arbeit. Dazu kommen alles drei bis vier Jahre die technische Überholung der Luftkompressoren zur Speisung der Beschneiungslanzen.» Und so kommen die BDG-Tech niker für den Unterhalt der weitläufig verteilten Beschneiungsanlagen auf gut 1500 Mannstunden pro Jahr.

BDG arbeitet ohne Chemie

Wann kann eigentlich künstlich beschneit werden, und wann nicht? «Alles hängt von der so genannten Feuchtkugeltemperatur ab», erklärt Frutiger. «Wenn wir beispielsweise 100 Prozent Luftfeuchtigkeit haben, reichen unter Umständen selbst minus drei Grad nicht aus, um Schnee zu produzieren. Bei trockener Luft können wir hingegen möglicherweise bereits bei zwei Grad über der Gefriergrenze künstlich beschneien.» Es gebe natürlich auch die Möglichkeit zur Beimischung von chemischen Stoffen mit eisbildenden Proteinen. «Wir verzichten aber vollständig auf chemische Zusätze.»

Investieren, um zu gewinnen

Mit der Investition von 5 Millionen Franken will die BDG die bisher fehlende Verbindungsbeschneiung zwischen Rossfälli und Chalberhöni realisieren – dies mit dem Ziel, ein zusammenhängend schneesicheres Skigebiet im Bereich Eggli und La Videmanette anbieten zu können. Diese 5 Millionen an Baukosten können sich die BDG nur dank einer Aktienkapitalerhöhung von 25 Millionen Franken leisten. Noch vor zwei Jahren hatte das Bergbahnunternehmen einen Verlust von 8,5 Millionen Franken zu beklagen, es drohte sogar das Aus.

Neue Pumpstation Rossfälli: Noch sind die Bauarbeiten voll im Gang. Bis in zwei Wochen soll dieses Pumpwerk einsatzbereit sein. Bild: Bruno Petroni

Eine Fitnesskur mit einschneidenden Massnahmen brachte die Kehrtwende, so dass die BDG im Geschäftsjahr 2015/2016 einen symbolischen Franken Gewinn erwirtschaftete. Trotzdem will der neue BDG-Geschäftsführer Matthias In-Albon in die Sanierung der bestehenden Anlagen und erst in einem späteren Stadium in Neuanlagen investieren, «denn durch die laufende Klimaerwärmung wird die technische Beschneiung zu einem immer wichtigeren Standort- und Wettbewerbsvorteil von touristischen Destinationen.» Und so laufen momentan im Rahmen des 5-Millionen-Projekts gleich 8 verschiedene Projekte.

In einem späteren Projekt sollen Kaltenbrunnen und St. Stephan in Angriff genommen sowie die in die Jahre gekommenen Gondelbahnen Saanersloch und Eggli durch einen Neubau ersetzt werden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.10.2016, 09:06 Uhr

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