Steffisburg

Verdichten ja, aber nicht hier

Steffisburg2012 sagten knapp zwei Drittel der Stimmenden im Ortbühlquartier Ja zum neuen Raumplanungsgesetz und damit zu verdichtetem Bauen. 2016 lehnt die Hälfte der Bewohner die Verdichtungsvorschläge der Gemeinde ab.

Das Ortbühlquarier in Steffisburg soll verdichtet werden.

Das Ortbühlquarier in Steffisburg soll verdichtet werden. Bild: Christoph Gerber, luftbild-drohne-thun.ch

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Prozess, den die Gemeinde Steffisburg derzeit im Ortbühlquartier durchläuft, ist exem­plarisch für so manche Gemeinde in der Region wenn nicht im ganzen Land. Die Gemeinde will das Quartier verdichten – so lautet der Auftrag des Raumplanungsgesetzes, zu dem das Volk 2012 Ja sagte. «63 Prozent der teilnehmenden Stimmberechtigten stimmten der Vorlage zu», sagt Gemeindepräsident Jürg Marti, «wahrscheinlich auch im Ortbühlquartier.»

Abstimmung vom 12.6.2012 zum neuen Raumplanungsgesetz (RPG):

Der Gemeinderat initiierte vor gut einem Jahr in diesem Quartier einen Planungsprozess mit dem Ziel, eine «sinnvolle und bereits geforderte Verdichtung optimal zu ermöglichen». Heute entspricht das vorhandene Nutzungsmass einer Ausnutzungsziffer von circa 0,35, künftig könnte es auf 0,8 ansteigen.

Breite Ablehnung

«Die Mitwirkung hat gezeigt, dass die Meinung zur Verdichtung des Quartiers bei den Grundeigentümern dem Ergebnis der Volksabstimmung diametral entgegenläuft», sagt Marti. 65 Prozent der Grundeigen­tümer, die an der Mitwirkung teilnahmen, lehnen eine Ver­dichtung im Ortbühl ab; sie machen fast die Hälfte der Liegenschaftsbesitzer im Quartier aus.

Vernehmlassung zur Planungszone Ortbühl:

«Damit stecken wir im selben Dilemma wie so viele: Die eidge­nössische Gesetzgebung verlangt von uns das Verdichten des Siedlungsraumes. Aber wir können die Grundeigentümer nicht dazu zwingen, ihre Parzellen besser auszunutzen.»

Rückblickend auf den Info­anlass für die Grundeigentümer spricht der Gemeindepräsident von einer «eindrücklichen Sitzung» mit mehr als dreissig Teilnehmern, die den grössten Teil der 36 Liegenschaftsbesitzer im Ortbühl vertraten.

Die Möglichkeit, das Quartier zu verdichten, «unter Wahrung der vorhandenen Grünräume und heutigen Qualitäten», wie Marti betont, stösst auf breite Ablehnung. Zudem haben die wenigsten Liegenschaftsbesitzer im Sinn, in den nächsten drei bis fünf Jahren etwas baulich zu verändern.

Arbeitsgruppe eingesetzt

Trotzdem gibt die Gemeinde die Planung im Ortbühl nicht auf. Sie schlägt vor, im Quartier drei Teilgebiete mit unterschiedlich engen Planungsvorschriften auszuscheiden. Nachdem die Grundeigentümer informiert wurden, wird nun eine Arbeitsgruppe mit direkt betroffenen Grundeigentümern eingesetzt. «Sie soll Wege aufzeigen, wie verdichtetes Bauen ermöglicht werden und gleichzeitig die gestalterische und bauliche Qualität des Quartiers erhalten bleiben soll», sagt Marti.

Je nachdem, wie die Ar­beitsgruppe vorwärtskommt und auf wie viel Widerstand die Ideen stossen, soll die Verdichtung des Quartiers noch vor der bald anlaufenden Revision der Orts­planung abgeschlossen werden. «Spätestens mit der Ortsplan­revision werden wir das Thema Verdichtung aber generell an­gehen müssen», sagt Marti. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 05.12.2016, 17:06 Uhr

Artikel zum Thema

Verkehrskonferenz fand viel kantonales Gehör

Die Regionale Verkehrskonferenz Oberland-West hat beim Kanton Gehör gefunden. Die Anliegen, Bustakte zu verdichten und Lücken zu schliessen, sind aufgenommen worden. Mehr...

Auf dem Land verändern Verdichtungsprojekte das Ortsbild

Biglen Nicht nur in der Stadt ist Verdichten ein Thema. Auch auf dem Land will man die vorhandenen Flächen besser nutzen. Ein ­Beispiel aus Biglen. Mehr...

Stadt Thun zog den Kürzeren

Thun Bustakte verdichten, erweitern und Lücken schliessen: Das möchte die Regionale Verkehrskonferenz Oberland-West. Entscheiden wird der Grosse Rat. Unterlegen ist bereits ein Thuner Anliegen. Mehr...

Paid Post

Mit einem Klick aktuelle Trends handeln

Eröffnen Sie Ihr Trading-Konto bei Swissquote und suchen Sie sich Ihr Themen-Portfolio aus.

Kommentare

Blogs

Serienjunkie Papa ist anders

Foodblog Wieder auf dem Gipfel

Service

Auf die Lesezeichenleiste

Hier lesen Sie unsere Blogs.

Die Welt in Bildern

Nationalstolz: Eine Büste des Real-Madrid-Spielers Cristiano Ronaldo schmückt den Flughafen in Funchal auf der Insel Madeira, Portugal. Es gibt aber auch Stimmen, die das Kunstwerk recht missraten finden. Nach dem Gewinn der Europameisterschaften 2016 wird der Flughafen neu nach dem Weltfussballer benannt (29. März 2017).
(Bild: Rafaele Marchante) Mehr...