Die digitalen Millionengräber des Bundes

Die Bundesverwaltung wird vom IT–Fluch verfolgt. Allein seit 2000 hat der Bund fast eine Milliarde Franken Steuergelder in den Sand gesetzt.

Düstere Bilanz: Einen nicht enden wollende IT–Pannenserie in der Bundesverwaltung verschlingt seit 2000 Unmengen an Steuergelder.

Düstere Bilanz: Einen nicht enden wollende IT–Pannenserie in der Bundesverwaltung verschlingt seit 2000 Unmengen an Steuergelder. Bild: Peter Schneider/Keystone

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  • Die Mutter aller EDV-Skandale ist das FIS Heer der Armee. Das elektronische Führungskommunikationssystem wurde noch unter Bundesrat Samuel Schmid in Auftrag gegeben. Die Hardware kostete 500 Millionen Franken, die Software verschlang 200 Millionen Franken, und der jährliche Betrieb benötigt 30 bis 50 Millionen Franken. Da das System die Daten nicht unverschlüsselt weitergeben kann, ist es für die Armee nutzlos.
  • Das nächstgrössere Debakel war ein Informatikprojekt mit dem wohlklingenden italienischen Namen Insieme: zusammen. Nachdem jahrelang die Kosten massiv überschritten und Vergaberegeln missachtet wurden, stoppte Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf das Projekt der Steuerverwaltung im September 2012. Den Steuerzahler hat dies 100 Millionen Franken gekostet und den Steuerchef Urs Ursprung seinen Job.
  • Ins Geld ging auch das Informationssystem Verkehrszulassung des Bundesamts für Strassen (Astra). 2010 rechneten die Verantwortlichen noch mit 8 Millionen Franken Kosten. Drei Jahre später waren die Ausgaben für die neue Computerplattform, auf welcher Daten zu Fahrzeug- und Führungszulassungen zentral verwaltet werden sollten, auf 32,6 Millionen Franken angestiegen.
  • Und als ob IT-Projekte nicht schon Herausforderung genug wären, werden sie noch durch Korruption sabotiert. So geschehen im Bundesamt für Umwelt. Das Bafu fing 2007 mit dem Aufbau eines Datenbankprojekts an, das Millionen von Daten über Böden, Luft, Tierund Pflanzenwelt von kantonalen, nationalen und internationalen Behörden hätte sammeln sollen. 2011 begann die Bundesanwaltschaft wegen Bestechung und ungetreuer Amtsführung zu ermitteln. Wegen des Korruptionsfalles musste das Projekt gestoppt werden. Der Schaden: 6,1 Millionen Franken.
  • Und wer erinnert sich noch an das Projekt Ch.ch Anfang der 2000erJahre? Der elektronische Amtsschalter wurde eingestellt und 18 Millionen Franken abgeschrieben.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.10.2013, 09:03 Uhr

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