Die Jugendlichen verdienen einen echten Prämienrabatt

Redaktor Fabian Schäfer zur geplanten Entlastung der Familien in der ­Grundversicherung.

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Die Operation scheint zu gelingen. Der Nationalrat sprach sich ­am Mittwoch dafür aus, ­Kinder und ­Jugendliche bei den Krankenkassen­prämien der Grundversicherung stärker zu entlasten als heute. Noch ausstehend ist die Zweit­meinung des Ständerats, doch wäre eine Ablehnung angesichts der Mitte-links-Mehrheit eine Überraschung. Die Entlastung für Familien ist zweiteilig: Zum einen sollen alle 19- bis ­25-Jährigen tiefere Prämien bezahlen. Zum anderen sollen die Kantone die Prämien von Kindern unter 18 für Familien mit tiefen bis mittleren Einkommen stärker verbilligen als bisher. Was ist davon zu halten?

Unbestritten ist, dass das Projekt eine reine Geldverschiebeaktion auslöst. Man spart bei den Gesundheitskosten keinen einzigen Franken, sondern justiert nur die Belastung der einzelnen Generationen neu. Nach Berechnungen des Bundes werden Jugendliche im Durchschnitt über alle Kantone und Krankenkassen um etwa 90 Franken im Monat entlastet.

Im Gegenzug müssen alle Erwachsenen rund 10 Franken mehr zahlen. Das sei unfair, fanden im Nationalrat die SVP und die Hälfte der FDP. Aus ihrer Sicht ist es ­nicht opportun, Familien zulasten der Kinderlosen und Älteren zu entlasten. Dass die Prämien für viele Ältere – speziell für Rentner – eine schwere Last darstellen, ist unbestritten. Dies umso mehr, als sie nicht direkt in die Berechnung der Teuerung einfliessen, womit im Effekt die AHV den Prämien hinterherhinkt.

Trotzdem ist die Reform vernünftig. Vor allem stimmt es nicht, dass sie die Umverteilung ankurbelt. Im Gegenteil: Sie würde einen abstrusen, doppelläufigen Subventionskreislauf unterbrechen. Heute fliesst der Grossteil der Prämien der Jugendlichen direkt in den Risikoausgleich der Krankenkassen und von dort zu älteren, kränkeren Versicherten.

Gleichzeitig fliessen aber ähnliche Unsummen von den ­Älteren zurück zu den Jugendlichen – in Form von Prämienverbilligungen, aber auch in Form von Zahlungen der eigenen Eltern, da viele Jugendliche die Prämien naturgemäss nicht selber bezahlen. Entlastet werden also primär deren Eltern. Wobei sich diese Entlastung in vielen ­Fällen in Grenzen halten dürfte, da im Gegenzug ein Teil der Beiträge aus der Prämienverbilligung entfällt.

In den letzten Jahren sind die Prämien­rabatte für Jugendliche stark gesunken. Wenn das so weitergeht, schmelzen sie noch ganz weg. Das widerspricht dem gesunden Menschenverstand. Ein grosser Teil dieser ­Altersklasse ist in Ausbildung oder erzielt erst kleine Löhne. Es ist nicht übertrieben grosszügig, ihnen bis 26 Zeit zu lassen, bevor sie voll in die Solidarität von Jung zu Alt einsteigen müssen. Auch so werden ihnen die wachsenden Lasten des demografischen Wandels noch genug zusetzen.

Mail: fabian.schaefer@bernerzeitung.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.12.2016, 07:27 Uhr

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Fabian Schäfer, Redaktor: fabian.schaefer@bernerzeitung.ch

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