«Die Politik hinkt generell hinterher»

Der Baselbieter SP-Ständerat Claude Janiak erklärt, warum er die Stiefkindadoption für homosexuelle Paare befürwortet, sie für ihn persönlich aber nie eine Option war.

«Es geht um das Wohl der Kinder», findet Claude Janiak.

«Es geht um das Wohl der Kinder», findet Claude Janiak. Bild: Keystone

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Die Konservativen sehen die Stiefkindadoption als Dammbruch. Sie befürchten, mit im Ausland künstlich gezeugten Kindern verliere die Ehe das letzte «Privileg». Verstehen Sie diese Angst?
Claude Janiak: Nein. Es geht hier ja nicht um die Ehe, sondern um das Wohl der Kinder. Wir wollen die Stiefkindadoption für alle Paare ermöglichen – seien sie ­homo- oder heterosexuell –, weil es Situationen gibt, in denen dies für das Kind die beste Lösung ist. Zudem wird in allen Fällen ab­geklärt, ob die Adoptiveltern geeignet sind: Überprüft werden gemäss Gesetz Persönlichkeit, «erzieherische Eignung», wirtschaftliche Lage, Beweggründe und so weiter. Ich wage zu behaupten, dass viele sogenannt normale Paare mit eigenen Kindern diese Kriterien nicht erfüllen.

Aber nochmals: Wenn sich eine lesbische Schweizerin im Ausland künstlich befruchten lässt, kann ihre Partnerin das Kind in Zukunft adoptieren. Das stimmt, oder?
Das kann in Einzelfällen so sein. Aber das steht nicht im Zentrum unserer Überlegungen. Unser Ziel ist, für alle Kinder die optimale Lösung zu ermöglichen. Auch für künstlich gezeugte Kinder ist es am besten, wenn sie zwei Elternteile haben und nicht nur einen. Sie sind dann viel besser abgesichert. Was ist, wenn der einzige Elternteil stirbt? Übrigens gibt es in der Schweiz schon heute homosexuelle Paare mit gemeinsamen Kindern. Wenn sie die Kinder in einem Staat, dessen Rechtsordnung die Schweiz akzeptiert, gemeinsam adoptiert haben, dann gilt dies auch hier. So gesehen sind Schweizer Homo­sexuelle heute benachteiligt.

Die Gegenseite beklagt sich über die Salamitaktik in Fragen der Gleichstellung: zuerst die eingetragene Partnerschaft, jetzt die Stiefkindadoption – morgen die volle Gleichberechtigung bei Adoptionen. Was sagen Sie dazu?
Der Vorwurf zielt ins Leere. Die Politik hinkt bei gesellschaftspolitischen Fragen der Entwicklung generell hinterher. Es ist deshalb klar, dass hier nie das ­Ende der Fahnenstange erreicht wird, auch wenn sich dies gewisse Kreise wünschen würden. Die Politik wird hier weiterhin nur schrittweise vorankommen. Und ich bin sicher, dass auch die Stiefkindadoption nicht der letzte Schritt sein wird.

Wäre es nicht die ehrlichste ­Lösung, homosexuelle Paare den Ehepaaren bei Adoptionen ganz gleichzustellen?
Natürlich. Aber der Auftrag des Parlaments an den Bundesrat lautete, die Stiefkindadoption zu ermöglichen, und das tun wir jetzt – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Sie selber leben in einer eingetragenen Partnerschaft. Hätten Sie sich die Möglichkeit einer ­Adoption gewünscht?
Das war nie ein Thema. Mein Partner hat einen Sohn, der glücklicherweise eine Mutter hat, mit der er eine sehr gute Beziehung hat. Es wäre mir deshalb nie im Traum in den Sinn gekommen, ihn adoptieren zu wollen. Das sieht aber ganz anders aus bei Kindern, bei denen ein Elternteil gestorben oder unbekannt ist oder sich um die Erziehung foutiert hat. Sonst ist eine Stiefkindadoption ohnehin nur möglich, wenn beide Elternteile einverstanden sind. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.03.2016, 20:51 Uhr

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