Funkgeräte kommen mit Datenflut nicht klar

Lange hat das Verteidigungsministerium bei einem IT-Projekt mit technischen Problemen gekämpft. Jetzt zieht die Verwaltung die Reissleine – und setzt Millionen in den Sand.

Keine technisch befriedigende Lösung beim IT-Pannenprojekt: Bei einem Postenlauf lernt ein Soldat der Schweizer Armee das Verhalten am Funkgerät (5. März 2014).

Keine technisch befriedigende Lösung beim IT-Pannenprojekt: Bei einem Postenlauf lernt ein Soldat der Schweizer Armee das Verhalten am Funkgerät (5. März 2014).

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Das umstrittene IT-Projekt FIS Heer des Verteidigungsdepartement (VBS) wird nun definitiv nicht mit mobiler Telekommunikation ausgebaut. Die Funkgeräte könnten nicht mit der Datenflut umgehen, befand das VBS. Damit müssen 125 Millionen Franken abgeschrieben werden.

Das Verteidigungsdepartement (VBS) hat bereits seit längerem Informatik-Probleme. Das 700 Millionen Franken teure Führungsinformationssystem FIS Heer für die vernetzte Einsatzführung funktioniert zwar an fixen Standorten und im halbmobilen Betrieb. Die Funkgeräte haben aber eine zu geringe Bandbreite, um im mobilen Bereich die Datenmenge in der notwendigen Zeit zu übertragen.

Dies habe sich auch mit den Geräten der neuesten Generation nicht geändert, begründet das VBS nun den definitiven Verzicht auf den mobilen Betrieb. Absehbar sei somit keine technisch befriedigende Lösung möglich, heisst es in einer Mitteilung vom Dienstag. In der Vergangenheit hatte das VBS auf die technische Entwicklung gehofft.

VBS: System funktioniert

Mit dem definitiven Verzicht müssen von den ursprünglichen Investitionen in der Höhe von 700 Millionen Franken rund 125 Millionen abgeschrieben werden. Teilweise seien bereits Vorausmassnahmen ergriffen worden und Teile der Stufen Züge und Einzelfahrzeuge umgesetzt worden, schreibt das VBS weiter.

Aus Sicht des VBS wird dadurch aber nicht der Nutzen des ganzen Projekts geschmälert. Das Führungsinformationssystem funktioniere im stationären und halbmobilen Betrieb einwandfrei. Dies zeige sich auch an den Armeeeinsätzen im Rahmen der Fussballeuropameisterschaft 2008 in der Schweiz und der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels im letzten Sommer.

Dass die Armee überhaupt am Grossprojekt FIS Heer festgehalten hat, war nicht immer sicher. Ende 2011 hatte der damalige Verteidigungsminister Ueli Maurer laut darüber nachgedacht, das Projekt auf Eis zu legen. 2012 entschied er dann am FIS Heer festzuhalten, aber den Einsatzbereich stark einzuschränken.

Damals war vorgesehen, nur spezifische grosse Verbände und Truppenkörper auszurüsten. Unterdessen wird das Projekt FIS Heer laut VBS aber in allen grossen Verbänden und allen Truppenkörpern genutzt. Damit erfolge der Einsatz breiter als ursprünglich geplant.

Parmelin: «Logischer Schritt»

Verteidigungsminister Guy Parmelin äusserte sich im Westschweizer Radio RTS zum Verzicht und sprach von einem «logischen Schritt». Bereits 2012 habe es Hinweise gegeben, wonach gewisse Breitband-Kapazitäten nicht erfüllt werden könnten. Das habe sich nun bewahrheitet.

Zu einem gegebenen Zeitpunkt gebe es physische Grenzen, sagte Parmelin. Stehe man vor Lösungen, die nicht perfekt seien, müsse man Entscheidungen treffen, rechtfertigte er seinen Beschluss. (jdr/sda)

Erstellt: 10.01.2017, 21:02 Uhr

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