Neue Verteilung der Prämienlast

Eine satte Mehrheit im Parlament will die 19- bis 25-Jährigen bei den ­Prämien der Grundversicherung entlasten. Profitieren ­sollen auch Familien mit Kindern und tieferen Einkommen.

Junge sollen weniger, Ältere mehr bezahlen: Ein Arzt untersucht das Ohr einer Patientin. (Archivbild)

Junge sollen weniger, Ältere mehr bezahlen: Ein Arzt untersucht das Ohr einer Patientin. (Archivbild) Bild: Christian Beutler/Keystone

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Wenn alles rund läuft, dürfen sich junge Erwachsene ab 2018 auf eine spürbare Entlastung bei den Krankenkassenprämien freuen. Die Gesundheitskommission des Nationalrats stellte gestern eine Vorlage vor, die auf eine Besserstellung von Familien abzielt, da diese nach allgemeiner Auffassung besonders stark unter den steigenden Prämien leiden. Das Ziel der Reform ist somit für einmal nicht eine Eindämmung der Gesundheitskosten, sondern deren «gerechtere» Verteilung. Die Vorlage kommt voraussichtlich im Dezember in den Nationalrat. Die Vorschläge im Überblick:

Prämienrabatt für junge Erwachsene. Es gibt schon heute eine separate Alterskategorie für 19- bis 25-Jährige. Doch geben die Krankenkassen hier kaum mehr grosse Rabatte, da sie für diese jungen Erwachsenen beim sogenannten Risikoausgleich die vollen Beiträge einzahlen müssen. Hier setzt denn auch der Vorschlag der Kommission an: Neu sollen die Kassen für 19- bis 25-Jährige nur noch halb so viel einzahlen müssen wie bisher. Im Gegenzug würde das Gesetz sie neu verpflichten, den Jungen zwingend Prämienrabatte zu gewähren.

Rein rechnerisch erlaubt dieser Ansatz eine beträchtliche Entlastung: Im Durchschnitt über alle Kantone und Krankenkassen dürfen junge Erwachsene eine Einsparung von 90 Franken im Monat erwarten. Das führt mindestens zur Verlangsamung des raschen Anstiegs. Als Anhaltspunkt: Von 2005 bis 2016 wuchs die Prämie der jungen Erwachsenen im Schweizer Durchschnitt von 225 auf 393 Franken (Franchise 300 Franken, mit Unfall). Der Anstieg beträgt somit 75 Prozent, während die Prämien der Erwachsenen «nur» um 48 Prozent zulegten.

Allerdings wird die Entlastung im Einzelfall von Kanton zu Kanton und von Kasse zu Kasse stark variieren, wie gestern Kommissionspräsident Ignazio Cassis (FDP, TI) und Ruth Humbel (CVP, AG) vor den Medien betonten. Zum Teil wird diese Entlastung auch verpuffen, da die Jugendlichen oder ihre Eltern im Gegenzug auto­matisch weniger Prämienverbilligung erhalten.

Mehr Prämienverbilligung für Familien mit Kindern. Wenn die Prämien für junge Erwachsene stagnieren, müssen die Kantone hier weniger Prämienverbilligung auszahlen. Die Kommission rechnet mit einem frei werdenden Volumen von 75 Millionen Franken im Jahr. Dieses Geld sollen die Kantone einsetzen, für Familien mit «unteren bis mitt­leren Einkommen» die Prämien der Kinder unter 19 Jahren stärker zu reduzieren.

Eine neue Altersgruppe. Analog zu den jungen Erwachsenen will die Kommission die 26- bis 35-Jährigen entlasten, wenn auch weniger stark. Sie erhielten neu eine separate Alterskategorie. Die potenzielle Besserstellung würde im Durchschnitt rund 30 Franken im Monat betragen.

Ältere zahlen mehr. Irgendwer muss das Ganze bezahlen. Im Modell der Kommission zahlen alle «Ü-35» im Durchschnitt über alle Kantone und Kassen etwa 20 Franken im Monat mehr. Ohne die neue, stark umstrittene ­Altersgruppe der 26- bis 35-Jährigen zahlen alle «Ü-25» rund 10 Franken mehr. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.07.2016, 21:00 Uhr

Prämien steigen 2017 weiter

Die Krankenkassenprämien dürften nächstes Jahr durchschnittlich um 4 bis 5 Prozent zulegen. Das schätzt der Krankenkassenverband Santésuisse. In den letzten zwei Jahren waren die Prämien jeweils um 4 Prozent teurer geworden.

Die Prämiensteigerung für 2017 sei etwa im Rahmen der vergangenen Jahre, sagte Santésuisse-Direktorin Verena Nold gestern gegenüber Radio SRF. Weil die Löhne weniger stark wachsen, sei dies «eine starke Belastung» für die Bevölkerung.

Zu den steigenden Kosten trägt laut Nold bei, dass die Patienten häufiger zum Arzt gehen. Gleichzeitig würden die einzelnen Arztbesuche teurer. «Diese Mischung führt dazu, dass die Arztkosten jedes Jahr steigen.» Die Kosten wachsen laut Nold in günstigeren, ländlichen Kantonen stärker als in den Kantonen wie Basel- Stadt, Genf und Waadt.

Die Schätzung von Santésuisse zum Prämienanstieg deckt sich mit jener des Waadtländer Gesundheitsdirektors Pierre- Yves Maillard (SP). Er zeigte sich in einem Interview Mitte Juni überzeugt, dass der Prämienanstieg für das kommende Jahr den von 2016 übertreffen werde.

Dies ergebe sich aus den gestiegenen Gesundheitskosten und der «nicht guten» finanziellen Lage der Versicherer. «Der Anstieg der Kosten und die Defizite der Vergangenheit müssen gedeckt werden.» sda

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