Mister Hinkebein und die Zähne

Eine Startphase ohne Tore und ein Gegner, der in denselben Farben antritt und einen verletzten Akteur deckt: Wacker Thuns Heimspiel gegen St. Gallen enthält allerlei Kuriositäten – und ­endet 27:20.

Topskorer Lukas von Deschwanden war nach einem Schlag auf den Oberschenkel handicapiert. Trotzdem warf er sechs Tore.

Topskorer Lukas von Deschwanden war nach einem Schlag auf den Oberschenkel handicapiert. Trotzdem warf er sechs Tore. Bild: Markus Grunder

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es war heroisch und bemitleidenswert zugleich. Lukas von ­Deschwanden war schwer angeschlagen, ja verletzt, er hinkte heftig. Gespielt hat er dennoch. Wacker Thun standen bloss noch zwei fitte Aufbauer zur Verfügung, nachdem Nikola Isailovic in der 35. Minute des Feldes verwiesen worden war. Also erhob sich der Topskorer von der Bank.

Kurz vor Ende der ersten Hälfte war er umgeknickt, fortan sollte er geschont werden. Doch weil keiner da war, der die dritte Rückraumposition hätte einnehmen können, schleppte sich die Schlüsselfigur doch wieder auf und später über den Platz. «Wir hatten mit ihm gesprochen, und er sagte, die Schmerzen würden Einsätze zulassen», erklärte Trainer Martin Rubin.

Das offensichtliche Handicap hinderte den zweimaligen MVP nicht daran, die Partie weiterhin zu prägen. Gerade in der Deckung setzte er unverändert Akzente. Und Widersacher St. Otmar stufte den Rechtshänder noch immer als äusserst gefährlich ein und deckte den verletzten Mann.

Teurer Sieg

Der Playoff-Finalist aus der Vorsaison schlug die St. Galler, welche mit einem Lauf von vier Siegen nach Thun gereist waren, 27:20 – auch dank «Mister Hinkebein», der nicht zum ersten Mal in seiner Karriere auf die Zähne biss. Vermutlich aber waren die beiden Punkte teuer.

Der Urner erzählte am Sonntag: «Für den Mittwoch wird es eng.» Da treten die Berner Oberländer bereits zur nächsten Partie an. Die heutige Untersuchung soll Klarheit schaffen, wie sehr sich der Nationalspieler verletzt hat. Gleichfalls auszufallen droht Linksflügel Luca Linder, der nach zehn Minuten mit Verdacht auf eine Zerrung ausgewechselt wurde. Der Thuner unterzieht sich am Montag einem MRI. Am Sonntag sagte er: «Die Wade fühlt sich schon etwas besser an.»

Die couragierte Aktion von ­Deschwandens und der groteske Entscheid der Ostschweizer zur Manndeckung waren längst nicht die einzigen Kuriositäten vor 1250 Zuschauern. Die St. Galler liefen in weiss-grünen Trikots auf, was insofern erstaunte, als die Hausherren in Grün-Weiss spielten. In den ersten sechs ­Minuten fielen dann keine Treffer, Wacker benötigte gar acht ­Minuten bis zum Premierentor.

Und in der Schlussphase versäumte es der Thuner Rechtsaussen Jonas Dähler, Keeper André Willimann Platz zu machen, der das Tor während des Angriffs verlassen hatte, damit sein Team mit einem Feldspieler mehr angreifen konnte. St. Otmar konterte, Jan Gwerder traf ins verwaiste Gehäuse.

Das Bemerkenswerteste indes war, dass Wacker den Cupfinalisten mühelos bezwang, obwohl mit den verletzten Andreas Merz, Markus Hüsser, Lenny Rubin und Nicolas Raemy sowie dem gesperrten Reto Friedli etliche Leistungsträger nicht zur Verfügung gestanden und mit von Deschwanden und Linder weitere wichtige Kräfte ausgeschieden waren.

Der Coach führte den Erfolg auf die starke Defensivarbeit zurück. Angeführt von Schlussmann Marc Winkler, hatten die Hausherren lediglich 20 Treffer kassiert. Es handelte sich um den dreizehnten sieglosen Auftritt der St. Galler in der Lachenhalle in Folge. Zumindest der Ausgang der Partie also war normal am Samstagabend.

Die Resultate vom Samstag:

Wacker Thun - St. Otmar St. Gallen 27:20
Pfadi Winterthur - RTV Basel 30:23
GC Amicitia Zürich - Suhr Aarau 22:31
Kriens-Luzern - BSV Bern Muri 29:24
Kadetten Schaffhausen - Fortitudo Gossau 38:33

Rangliste:

1. Kadetten Schaffhausen* 13/22 (406:362)
2. Pfadi Winterthur* 13/20 (356:314)
3. Wacker Thun* 14/20 (405:353)
4. Kriens-Luzern* 14/20 (386:346)
5. Suhr Aarau 14/15 (356:347)
6. St. Otmar St. Gallen 14/12 (390:421)
7. GC Amicitia Zürich 14/10 (385:379)
8. BSV Bern Muri 14/10 (355:366)
9. RTV Basel 14/8 (328:401)
10. Fortitudo Gossau 14/1 (359:437)

* Für die Finalrunde qualifiziert (Berner Zeitung)

Erstellt: 04.12.2016, 15:02 Uhr

Artikel zum Thema

Merz’ heftiger Schmerz

Wacker-Thun-Torhüter Andreas Merz kann möglicherweise nie wieder eingesetzt werden. Mehr...

Neue Hallen braucht das Handball-Land

Derbys gehören in der Meisterschaft zu den wichtigeren Spielen. Heute duellieren sich der BSV Bern Muri und Wacker Thun in der Gümliger Mooshalle, einer Anlage älteren Baujahrs. Bald könnte jedoch die Situation besser werden. Mehr...

Blogs

Foodblog Dressed for success

Gartenblog Gemeine Ferkeleien

Service

Von Kino bis Festival

Finden Sie hier die schönsten Events in unserer Region.

Die Welt in Bildern

Sprung ins kühle Nass: Das warme Wetter zieht die Leute in Zürich nach Draussen (25. Mai 2017).
(Bild: Walter Bieri) Mehr...