Das beste NLA-Team seit dem NHL-Lockout

Lars Leuenberger (42), Meistertrainer des SC Bern 2016, äussert sich zur erneuten Meisterleistung der Mutzen.

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Zuerst Qualifikationssieger geworden und dann in nur 16 Partien durch die Playoffs marschiert – wir müssen nicht darüber diskutieren, ob der SCB ein verdienter Meister ist. Bern verfügte über das beste Gesamt­paket, vom Goalie bis zu den Ausländern passte alles zusammen.

Leonardo Genoni befand sich während der ganzen Saison in Topform; er absolvierte ab und zu ein schlechtes Drittel, hatte aber nie einen Durchhänger. Genoni Davos abzuwerben, das war der beste und wichtigste SCB-Transfer in der Neuzeit.

Mark Arcobello war auch Gold wert; es war eindrücklich, was er in seiner ersten Saison in der Schweiz gezeigt hat. Er schoss nicht nur viele und schöne Tore, mir gefiel besonders, mit welcher Leidenschaft er in der Defensive arbeitete.

Schnelligkeit, Härte, Klasse, Erfahrung, Selbstvertrauen, Struktur: Bern verfügte über alles, was eine erfolgreiche Equipe ausmacht. Ich stufe das Team höher ein als jenes, mit dem ich im Vorjahr Meister geworden war.

Ich gehe ­sogar noch einen Schritt weiter: Die SCB-Ausgabe 2016/2017 ist die beste NLA-Mannschaft seit dem NHL-Lockout, als Stars wie Patrick Kane, John Tavares und Roman Josi in der Schweiz für Spektakel gesorgt haben.

Daher war ich nicht überrascht, wie der SCB auf die beiden Niederlagen nach Verlängerung gegen Zug reagierte. Die Berner drückten einfach wieder aufs Gaspedal, worauf der Formel-1-Bolide sofort beschleunigte. Im vierten Spiel war Zug zwar gut, aber vor allem der SCB im ersten Drittel richtig schlecht.

Schon da vermochten die Berner nach dem 0:2-Rückstand zuzusetzen, und sie hätten noch gewinnen können. Der EVZ verdient für seine starken Leistungen viel Anerkennung, aber: Im Final wie schon in den Playoff-Serien zuvor schwang nur der SCB das Zepter und bestimmte, wie die Partien ausgingen.

Es gibt kein langweiliges und spektakuläres Hockey, sondern nur erfolg­reiches und nicht erfolgreiches. Daher kann ich die in einigen Medien ge­äusserte Kritik an der SCB-Spielweise nicht nachvollziehen. Erfolg ist immer attraktiv. Ich hatte vor einem Jahr eine andere Taktik gewählt; wir praktizierten ein aggressives Forechecking und warfen viel Kampfkraft in die Waagschale.

Mein Nachfolger, Kari Jalonen, entschied sich für mehr Struktur, doch auch so befand sich Bern meistens in der Offensive. Die Blutauffrischung nach dem letztjährigen Triumph – neuer Coach, neuer Goalie, mehrere neue Ausländer – war auch ein Grund, dass es den Bernern so gut lief. So kam keine Genügsamkeit auf.

Mit Marc Reichert, David Jobin und Martin Plüss verliert der SCB drei wertvolle Spieler. Jeder einzelne wird nicht einfach zu ersetzen sein. Reichert ist ein Typ, der alles für die Mannschaft tut und den Zusammenhalt stärkt. Jobin ist zwar auch nach zwei Jahrzehnten beim SCB ein stiller, schüchterner Zeitgenosse, aber die Berner werden ihn auf dem Eis vermissen.

Ich sage es klipp und klar: Ich hätte ihm noch einmal einen Einjahresvertrag gegeben. Plüss wird in mannigfaltiger Hinsicht fehlen – als Bindeglied zum Trainerstab, als Vorbild für die Jungen und als Mittelstürmer der dritten Linie.

Der vom EHC Biel zum SCB stossende Gaëtan Haas muss in der nächsten Saison einen guten Job machen, damit er Plüss vergessen machen kann.Zudem dürfte die vierte Sturmlinie nicht mehr ganz so stark sein wie in den letzten beiden Saisons.

Und sollte Arcobello im Sommer in die NHL abwandern, könnte der SCB auf der Centerposition einerseits ein Problem bekommen. Anderseits: Wenn Nico Hischier nach dem NHL-Draft für ein Jahr nach Bern zurückkehrte, wäre dies für den SCB wie ein Sechser im Lotto. (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.04.2017, 19:20 Uhr

Lars Leuenberger, der letztjährige Meistertrainer des SC Bern. (Bild: Beat Mathys)

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