Elia Schmid ist am Anfang eines langen Wegs

Elia Schmid unterliegt in Magglingen mit dem Schweizer Nationalteam Serbien 0:3. Der Meiringer hat vor, ab Mitte 2017 seine Karriere in Deutschland oder Schweden voranzutreiben.

Aufschlag vor serbischer Flagge: Elia Schmid verliert sein Einzel in vier Sätzen.

Aufschlag vor serbischer Flagge: Elia Schmid verliert sein Einzel in vier Sätzen. Bild: Ueli Känzig

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Der Song «Stand up for the Champions» aus dem Repertoire der britischen Band Right Said Fred haben schon Teams der NFL, der US-Profiliga im American Football, verwendet. Diesmal ertönt das Lied in der Sport-Toto-Halle. Und zu den Klängen laufen nicht schwerreiche Kolosse ein, sondern Leichtgewichte mit bescheidenem Einkommen.

In Magglingen finden zwei Tischtennispartien im Rahmen der EM-Qualifikation statt. Auf dem linken Tisch messen sich die Schweizerinnen mit den Spanierinnen, auf dem rechten die helvetischen Männer mit den Serben. Die Ausgangslage ist bei beiden Duellen dieselbe: Das Heimteam befindet sich in der Aussenseiterrolle.

Pech für die Damen

Der Modus ist neu, daher kann Elia Schmid sein Heimatland erstmals vor eigenem Publikum vertreten. «Das ist eine grosse Motivation, auch wenn die Kulisse anders als im Fussball sehr klein ist», sagt der Meiringer. In der Tat: Rund 100 Personen sind gekommen, um sich die Länderspiele anzusehen. Schmid eröffnet die Partie gegen Valentin Had Helmedi.

Der Match gegen den Linkshänder ist umstritten und noch im Gang, als auf dem Nebentisch die Vorentscheidung zugunsten Spaniens schon gefallen ist. Rachel Morel, als Nummer 115 der Welt die bestklassierte Schweizerin, hat ihr Auftakteinzel trotz gutem Start 1:3 verloren, Rahel Aschwanden danach verletzungsbedingt Forfait erklärt.

«Er hätte entschlossener agieren müssen, statt auf Fehler des Gegners zu hoffen.»Nationalcoach Samir Mulabdic

Zwar sorgt Céline Reust (WR 449) für eine grosse Überraschung, indem sie die über 300 Positionen vor ihr rangierte Sara Ramirez in fünf Sätzen niederringt, doch das ist das einzig Erfreuliche für die Schweizerinnen. Denn anschliessend muss Moret wegen Herzrasen passen – 1:3 für Spanien.

Bei den Männern unterliegt Schmid (8:11, 11:8, 8:11, 9:11), und zwar, weil ihm in der Offensive zu viele Fehler unterlaufen. Zu einem zweiten Einsatz kommt der Berner nicht mehr, weil auch seine Teamkollegen nach hartem Kampf verlieren. Letztlich muss sich auch die Männerequipe von Swiss Table Tennis geschlagen geben (0:3).

Direkt nach der Niederlage sei er «ziemlich enttäuscht» gewesen, gibt Schmid zu. «Für Elia war viel mehr drin», urteilt Samir Mulabdic. «Er hätte entschlossener agieren müssen, statt auf Fehler des Gegners zu hoffen», moniert der Nationalcoach, fügt aber versöhnlich an, er sei mehrheitlich mit dem Auftritt seiner Mannschaft zufrieden.

Fernziel Tokio 2020

Der Abend in Magglingen ist für Elia Schmid also enttäuschend verlaufen. Dafür erlebte er kürzlich an der Europameisterschaft in Budapest den Höhepunkt seiner Karriere. Nachdem er überraschend die Gruppenphase überstanden hatte, traf er in der ersten K.-o.-Runde auf Wladimir Samsonow. Der Weissrusse ist nicht irgendwer, sondern eine Tischtennislegende. Mit 40 Jahren ist der mehrfache Europameister und ehemalige Weltranglistenerste global immer noch die Nummer 8.

«Ich habe gesehen, dass ich auch gegen die Besten mithalten kann, wenn ich mein bestes Niveau abrufe.»Elia Schmid

Der Berner Oberländer entriss dem haushohen Favoriten den ersten Satz und machte auch sonst eine gute Figur. «Ich habe gesehen, dass ich auch gegen die Besten mithalten kann, wenn ich mein bestes Niveau abrufe», erzählt Schmid. Mulabdic attestiert ihm Fortschritte, sagt aber auch, «er ist erst 20-jährig und befindet sich am Anfang eines langen Wegs».

Im kommenden Sommer, nach Abschluss der KV-Lehre, will Elia Schmid Tischtennis professionell betreiben, in Schweden oder Deutschland. «Zuerst muss ich die richtige Trainingsgruppe finden, damit ich dann ohne Belastung durch die Schule den Vorstoss in die Weltspitze anstreben kann.»

Mulabdic sieht bei Schmid und anderen aus dem Nationalkader noch grosses Steigerungspotenzial, hat er doch das Ziel formuliert, dass sich mindestens ein Swiss-Table-Tennis-Vertreter für die Olympischen Spiele in Tokio qualifiziert. «Es ist ein hohes, aber realistisches Ziel.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 22.11.2016, 22:36 Uhr

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