Wenn der Pöstler nicht klingelt

Der Umbau des Filialnetzes der Post geht nicht geräuschlos über die Bühne. Dass Poststellen durch Agenturen in Läden ersetzt werden, kann Kunden verärgern, wie unser Beispiel zeigt.

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Der Ärger überkam Bernerzeitung.ch/Newsnet-Leser C. Anfang Oktober. In seinem Briefkasten fand er eine Abholungseinladung für einen eingeschriebenen Brief. Das war nichts Unerwartetes. C. war nicht zu Hause, als der Pöstler den Umschlag zustellen wollte. Das kommt immer wieder vor.

Überrascht war C., als er auf dem Zettel sah, wo er den Brief abholen sollte. Angegeben war die Adresse einer Apotheke. Die hatte im Quartier die Aufgaben der früheren Poststelle übernommen, als Postagentur. Als C. dort aufkreuzte, war der Brief jedoch nicht auffindbar.

Verärgert kehrte C. wieder heim. Ihn stört grundsätzlich, dass von ihm erwartet wird, seine Postgeschäfte in einer Apotheke zu erledigen. Mehr noch, weil die nächstgelegene Poststelle genau gleich weit weg liegt wie die neue Agentur. Immerhin konnte er aufatmen, als er einen Tag später von der Agentur kontaktiert wurde. Der Brief sei wieder aufgetaucht.

Hat etwa der Pöstler irrtümlicherweise die Adresse der Agentur statt der Poststelle auf den Abholschein geschrieben? Und wird er auch künftig eingeschriebene Sendungen auf der Poststelle abholen können? C. war verwirrt.

Umbau des Filialnetzes

Was genau mit dem eingeschriebenen Brief schiefgelaufen ist, kann man am Post-Hauptsitz ohne genauere Kenntnis und Untersuchung des Falls nicht beantworten. Grundsätzlich sei es aber so, dass die Agenturen die bisherigen Dienstleistungen der Poststelle übernehmen, die sie ersetzen. Will heissen: Die Postkunden geben dort nicht nur ihre Briefe und Pakete auf, sondern holen dort auch eingeschriebene Sendungen ab.

Die Schliessung von Poststellen und der Ersatz durch neue Dienste wie Agenturen und Hauszustellung ist ein Dauerthema. Wie tiefgreifend die Post den Umbau vorantreibt, lässt sich an den Zahlen zum Filialnetz ablesen. 2002 gab es noch 2921 Poststellen. Diese Zahl hat sich seither fast halbiert.

Heute bedient die Post ihre Kunden auf unterschiedlichen Wegen: Neben 1562 Poststellen gibt es 660 Agenturen in Läden, Apotheken, Bahnhöfen. Hinzu kommen 1278 Hausservice-Angebote, 29 Paketautomaten und 727 Pickpost-Stellen.

Schwankende Kundenzufriedenheit

Als die Post den Ausbau der Agenturen forcierte, wurde Kritik von Kunden laut. Sie ärgerten sich vor allem über die Einschränkungen im Zahlungsverkehr. Einzahlungen sind in den Agenturen zwar möglich. Im Unterschied zu den herkömmlichen Poststellen wird in den Agenturen für die Einzahlungen aber kein Bargeld akzeptiert. Aufgrund der Vorschriften des Geldwäschereigesetzes. Voraussetzung, um bargeldlos einzuzahlen, ist ein Postkonto.

Die Zufriedenheit der Privatkunden mit den Dienstleistungen der Agenturen ist laut der letzten Umfrage der Post zwar tiefer als bei den herkömmlichen Poststellen. Doch die Stimmung ist besser geworden.

Die Post erhebt die Zufriedenheit der Kunden mit den Agenturen alle zwei Jahre. Die nächste Publikation steht kurz bevor. «Die Resultate 2015 liegen vor, sind stabil oder haben sich auf diesem hohen Niveau sogar noch verbessert», heisst es dazu aus Bern.

Die Post hofft, dass sich die Kunden an weitere Neuerungen gewöhnen. Mit neuen Dienstleistungen sollen sie selbst steuern, wann und wo sie ihre Post empfangen wollen. Das Angebot Pickpost oder die Automaten für die Paketausgabe My Post 24 gehen in diese Richtung. Und Ende August informierte das Staatsunternehmen über neue Angebote für die Zweitzustellung von Paketen.

Der Hintergrund ist klar: Jede Sendung, die nicht zugestellt werden kann, bedeutet für die Post einen Zusatzaufwand. Die Kunden sollen also künftig selber mithelfen, Leerläufe in der Postlogistik zu reduzieren. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.10.2015, 16:56 Uhr

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