Die Botschafterin der Bienen

Isabelle Bandi ist einer der wenigen Menschen in der Schweiz, die sich hauptberuflich Bienen widmen. Ihr Sieg in der SRF-Quizshow «Top ­Secret» machte die 30-Jährige aus Oberwil über Nacht zur ­Königin der Imkerszene.

«Vom Glück beseelt»: Isabelle Bandi (30) bei der Arbeit an einem Bienenstand in Aegerten bei Biel. Bilder: Tanja Buchser

«Vom Glück beseelt»: Isabelle Bandi (30) bei der Arbeit an einem Bienenstand in Aegerten bei Biel. Bilder: Tanja Buchser

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Aegerten bei Biel, am Waldrand. Isabelle Bandi hat Mittagspause. Sie zieht den Schleier aus, der ihren Kopf vor Stichen schützt, legt den Imkerhut beiseite, den weissen Kittel ebenso. Dann setzt sie sich ins hohe Gras. 20 Völker mit je 40'000 Bienen leben auf dem Bienenstand, an dem sie eben noch gearbeitet hat. Die Sonne scheint, Bandi lächelt, es ist Frühling, endlich.

Die 30-Jährige wird bis spätabends mit Bienen zu tun haben, wie jeden Tag in dieser Jahreszeit. Bandi ist eine der ganz wenigen Menschen in der Schweiz, die hauptberuflich imkern. Sie arbeitet während der Saison von April bis Ende September für die Imkerei Soland in Gaicht. Der Betrieb betreut im Seeland und im Jura 200 Bienenvölker und setzt sich für die Erhaltung der einheimischen Dunklen Biene ein.

Weit über hundertmal pro Saison werde sie gestochen, erzählt Bandi. Sie lächelt wieder. Je öfter man gestochen werde, desto weniger schmerze es, sagt sie.

Erster Jahrgang

Seit Ende 2014 können Imkerinnen und Imker in der Schweiz eine anerkannte Berufsausbildung absolvieren. Mehr als 200 Interessenten gab es für den ersten, auf 27 Tage in drei Jahren verteilten Lehrgang, 24 von ihnen kamen per Losentscheid zum Handkuss. Bandi war dabei.

«Wollte nicht im Staubraum enden»: Bandi geniesst die Mittagspause.

2018 wird sie ihr Diplom erhalten und so zum ersten Jahrgang von Imkern mit eidgenössischem Fachausweis gehören. Bereits jetzt gibt sie Kurse für angehende Imker, berät Kollegen, hält Vorträge überall in der Schweiz. 18'000 Leute imkern derzeit im Land.

Es gebe Wege in einem Menschenleben, auf denen man vom Glück beseelt sei, sagt Bandi. Der Weg, den sie für und mit den Bienen gehe, sei so ein Weg.

Erste Völker

Isabelle Bandi ist eine kleine, zierliche Frau. Sie trägt die Haare kurz, eine feine Brille. «Schwer verliebt» sei sie gerade, sagt sie, aber ihr Privatleben tue nichts zur Sache. Bandi überlegt lange, bevor sie spricht, und dann sagt sie kluge Dinge. Zum Beispiel, dass sie sich als Imkerin als «Landwirtin ohne Land» sehe.

«Ich bin eine ­Landwirtin ohne Land.»Isabelle Bandi

Weil ungefähr 90 Prozent aller Pflanzen auf optimale Bestäubung angewiesen seien, würde sich die Ertragslage vieler Bauernbetriebe ohne Bienen markant verschlechtern. Es sei wichtig, dass die Leute das wissen. Bandi blickt über das Rapsfeld, das unter dem Bienenstand in Aegerten gelb leuchtet. Beim Raps, sagt sie, sei der Ertrag um bis zu 30 Prozent höher, wenn er von Honigbienen bestäubt werde.

Schon als Sechsjährige half Bandi bei der Honigernte. Ihr Grossvater, mit dem sie auf dem elterlichen Hof in Oberwil bei Büren aufwuchs, besass 20 Bienenvölker. Er habe sie stark geprägt, sagt Bandi. Nach dessen Tod 2009 übernahm sie seine Völker und absolvierte ihren ersten ­Imkerkurs. Später begann sie, Deutsch und Geschichte zu studieren, und schloss eine Ausbildung zur Konservatorin ab. Im Staubraum enden, wie sie sagt, wollte sie aber nicht. Und so wurden die Bienen zum wichtigsten Teil ihres Berufslebens.

Letzte Frage

Seit einigen Wochen ist Isabelle Bandi ein kleiner Fernsehstar. Ende April war sie Kandidatin in der SRF-Quizshow «Top Secret» mit Moderator Roman Kilchs­perger. Dutzende E-Mails hat sie nach dem Auftritt erhalten, SMS, Whatsapp-Nachrichten, sogar handgeschriebene Briefe von wildfremden Leuten. Sie begeisterte die Zuschauer mit feinem Witz, bescheidenem Auftreten, fast unheimlichem Glück im Spiel. Und mit Fachkompetenz. Viel über die Imkerei hat sie gesprochen zwischen den Quiz­fragen, das war ihr wichtig.

Mit dem Auftritt bei Kilchsperger ist Bandi endgültig zur Schweizer Botschafterin der Bienen geworden, ohne dass sie diese Funktion gesucht hätte. Sie stehe eigentlich nicht gern im Mittelpunkt, sagt sie. Wenn es aber darum gehe, die Menschen von der Wichtigkeit der Bienen zu überzeugen, nehme sie das dafür in Kauf.

Bei «Top Secret» öffnete Bandi kurz vor der entscheidenden, letzten Frage vor laufender Kamera ein Glas und ass eine Fingerspitze Honig. Sie beantwortete die Frage richtig und gewann 100'000 Franken. «Du bist die Grösste!», jubelte der Moderator.

Der Geldgewinn gebe ihr Sicherheit, sagt Bandi jetzt. Ihre Finger spielen mit einem Grashalm, sie blinzelt in die Sonne. Sie könne sich in nächster Zeit auch neben der Saison so viel wie möglich der Arbeit mit und für die Bienen widmen, sagt sie.

Dann ist die Mittagspause zu Ende. Eben, sagt Bandi noch, bevor sie am Bienenstand weiterarbeitet. Es gebe Wege in einem Menschenleben, auf denen man einfach vom Glück beseelt sei.


Die «Top Secret»-Folge mit Isabelle Bandi zum Nachsehen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.05.2017, 13:17 Uhr

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