Die Schweizer Gewinner und Verlierer der Nations League

Genutzte Chancen, ein verpasster Entwicklungsschritt und die Bestätigung für Vladimir Petkovic: Fünf Duelle rund ums Schweizer Team.

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Der Streit
Petkovic vs. Behrami
Es wirkt lange her. Dabei ist noch kein Jahr vergangen, seit Valon Behrami im Tessiner Fernsehen klagte, er sei stillos abserviert worden. Insbesondere nach seiner Machtdemonstration gegen Neymar an der WM 2018 für viele unverständlich. Doch Petkovic hatte für die Nations League andere Pläne. Er wollte einen Generationenwechsel einleiten. Dieser ist ihm gelungen. Trotz zwei Niederlagen am Final Four hat sein Team bewiesen, dass es gegen die Grossen nicht nur mithalten kann. In der Gruppe deklassierte die Schweiz den WM-Dritten Belgien, und im Halbfinal dominierte sie Europameister und Gastgeber Portugal phasenweise klar. Spielerisch macht die Schweiz trotz des Rückschritts gegen England weiter Fortschritte. Und das ist Petkovics Verdienst.
Das Duell
Mbabu vs. Lichtsteiner
Dass eine Nicht-Nomination zum Start in die Nations League vergangenen Herbst nicht gleich eine Ausbootung bedeutet, machte Petkovic bei Stephan Lichtsteiner deutlich. Bei den EM-Qualifikationsspielen gegen Georgien und Dänemark stand der Captain wieder im Aufgebot. Für die Nations League setzte der Trainer aber auf Kevin Mbabu. Und der Neu-Wolfsburger nutzte die Chance. Trotz seiner teilweisen Sorglosigkeit in der Defensive ist er einer der Gewinner dieser abgelaufenen Nations-League-Kampagne. Insbesondere mit Xherdan Shaqiri harmoniert der 24-Jährige hervorragend, auch wenn sich Shaqiri manchmal mehr Qualität bei den Flanken wünscht. Spätestens mit Mbabus bestandener Feuerprobe gegen Portugal dürfte der von Petkovic angestrebte Generationenwechsel auf der Rechtsverteidigerposition vollzogen sein.
Ruhe!
Seferovic vs. Kritiker
Eine schwierige Zeit hatte er, wie Haris Seferovic vor dem Abflug nach Portugal selber sagte. Er meinte damit vor allem die Pfiffe bei der WM-Qualifikationsbarrage in Basel gegen Nordirland. Auch sonst hatte der Mittelstürmer bei Fans und Kritikern stets einen schweren Stand. Nun ist er nicht nur Torschützenkönig in Portugals erster Liga, sondern auch in der A-Division der Nations League. Vor Spielern wie Romelu Lukaku, Marcus Rashford oder Antoine Griezmann. Auch wenn ihm am Final Four ein Treffer verwehrt blieb: Das Etikett «Chancentod» ist der 27-Jährige endgültig los.
Nachfolger
Freuler vs. Zakaria
Er galt als logischer Nachfolger von Valon Behrami: Denis Zakaria ist es, der im zentralen Mittelfeld neben Granit Xhaka das Schweizer Spiel lenken soll. Doch der hochveranlagte Genfer kommt in Petkovics System einfach nicht auf Touren. Als sogenannter Box-to-Box-Spieler liegt ihm die dominante Spielphilosophie dieser Schweizer Nationalmannschaft weniger. Deshalb lief ihm Remo Freuler fast unbemerkt den Rang ab. Auch in Portugal untermauerte der 27-Jährige seine herausragende Saison, die für ihn und Atalanta Bergamo in der Qualifikation für die Champions League gipfelte. Im Halbfinal gegen Portugal war er neben Xhaka ein zuverlässiger Wert und gegen England war er einer der Besten. Auch wenn er oft unscheinbar auftritt, so ist Freuler mittlerweile eine wichtige Stütze in Petkovics sorgfältig aufgebautem Kartenhaus.
Entwicklung
Xhaka vs. Rodriguez
Er wollte Chef sein. Jetzt ist er Chef. Granit Xhaka ist der Schweizer Captain nach der Ära Lichtsteiner/Behrami. Gegen England blieb er zwar blass, aber zuvor hatte der Arsenal-Mittelfeldspieler gezeigt, dass er diesen Status im Team verdient. Er hat seinen nächsten Entwicklungsschritt gemeistert, reisst das Schweizer Spiel an sich und hat sich so viel Respekt erarbeitet, dass nahezu jeder gegnerische Trainer Manndeckung gegen ihn verordnet. In seiner Entwicklung stagniert hingegen ein anderer U-17-Weltmeister von 2009: Ricardo Rodriguez, einst bei Real Madrid im Gespräch, ist aktuell nur noch Durchschnitt. Defensiv solid vermag der Linksverteidiger offensiv nur selten Akzente zu setzen. Auch der Wechsel zu AC Mailand brachte den erhofften Turnaround nicht. Sein Glück ist, dass in der Schweizer Nationalmannschaft keine ernstzunehmende Konkurrenz in Sicht ist.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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