Lokal handeln wird einfacher

Hasliberg

Am ersten Forum Holz und Wirtschaft Schweiz herrschte Aufbruchstimmung – nicht nur,aber auch weil das Vergaberecht künftig das Bauen mit einheimischem Holz erleichtert.

Cuboro-Gründer Matthias Etter (l.) und Gemeindepräsident Arnold Schild mit den 15 Kubikdezimetern Holz, die jede Minute auf dem Hasliberg nachwachsen.

Cuboro-Gründer Matthias Etter (l.) und Gemeindepräsident Arnold Schild mit den 15 Kubikdezimetern Holz, die jede Minute auf dem Hasliberg nachwachsen.

(Bild: Sibylle Hunziker)

Die Bevölkerung wächst, und ein wachsender Teil der Bevölkerung lebt in Städten. «In den Städten müssen wir den Wohnraum in den nächsten dreissig Jahren verdoppeln», sagte Holzbauingenieur Pirmin Jung vom Holzcluster Luzern an der Tagung vom Freitag auf dem Hasliberg. «Wenn wir das alles mit Beton bauen, können wir unsere Klimaziele vergessen.» Denn Beton und Armierungen sind für ein Zehntel des weltweiten CO2-Ausstosses verantwortlich. «Bauen mit Holz ist eine Alternative, die helfen kann, globale Probleme in den Griff zu bekommen.»

Mehr Wert

Gerade die Regionen um den Brünig bieten dafür gute Voraussetzungen. Gemeindepräsident Arnold Schild rechnete den über hundert Tagungsteilnehmern aus Wald- und Holzwirtschaft, aus der Immobilienbranche, der Verwaltung und der Forschung vor, dass allein im Wald der Gemeinde Hasliberg jedes Jahr 8200 Kubikmeter Holz nachwachsen – das sind 15 Kubikdezimeter pro Minute. Und Pirmin Jung zitierte einen Branchenspiegel, wonach die Luzerner Wald- und Holzwirtschaft mehr Bruttowertschöpfung erwirtschaftet als der Tourismus, der von aussen stärker wahrgenommen wird.

Doch immer noch wird im Schweizer Wald wesentlich weniger Holz genutzt als nachwächst. Und oft fehlt die Wertschöpfung. Erfolgsgeschichten wie die Firma Cuboro mit Sitz in Hasliberg, die dank Schweizer Präzision ein weltweit gefragtes Produkt aus Berner Buchenholz herstellt, sind noch selten. Tendenziell nimmt der Anteil Energieholz mit schlechter Wertschöpfung zu. Da möchte gerade auch der Kanton Bern mit seinen 20 Prozent Anteil an der Schweizer Holznutzung Gegensteuer geben.

Deswegen unterstützte er zusammen mit der Regionalkonferenz Oberland-Ost, der Berner Fachhochschule, der Initiative Holz BE und den Nachbarn aus der Zentralschweiz auch das Forum Holz und Wirtschaft Schweiz, das aus dem Projekt der neuen Regionalpolitik Holznetzwerk Brünig entstanden ist und alle zwei Jahre stattfinden soll.

Schwerpunkt der ersten Tagung war die Verbesserung der regionalen Wertschöpfung durch Zusammenarbeit. Vorgestellt wurden Beispiele wie der «Säntis Innovationscluster Holz» der Modelle für den frühzeitigen Einbezug von ausführenden Holzfachleuten in die Planung oder sogar schon die Ausschreibung von Bauprojekten.

Gemeinsam stark

Technisch sind heute sehr grosse Holzbauten möglich. Bauherren schätzen Vorteile wie die Schnelligkeit beim Bauen mit vorgefertigten Elementen oder das geringere Gewicht der Konstruktionen, wie Kim Riese von der Zug Estates AG an Beispielen wie der «Suurstoffi 22», dem ersten Holzhochhaus der Schweiz, erläuterte. Bezüglich Preis ist Schweizer Holz auch für solche Projekte konkurrenzfähig. Damit einheimisches Holz verbaut werden kann, braucht es eine starke Holzkette vom Forst über die Sägerei bis zum Holzbauingenieur und zum Zimmermann.

«In den Städten müssen wir den Wohnraum in den nächsten dreissig Jahren verdoppeln.»Pirmin Jung?Holzcluter Luzern

Und um grosse Volumen zu stemmen, müssen die traditionell kleinen Betriebe zusammenspannen. Roger Schmidt, Forstmeister des Kantons Bern, erklärte am Beispiel des Campus Biel, den der Kanton mit Holz aus dem Staatsforst baut, wie die grosse Holzmenge bereitgestellt werden kann und derweilen andere Forstbetriebe helfen, treue Kunden in dieser Zeit weiterhin mit Holz zu beliefern.

Mit der Inhouse-Beschaffung des Holzes kommt der Kanton nicht in Konflikt mit den Regeln für das öffentliche Beschaffungswesen.

Ziel: Nachhaltigkeit

Doch auch mit klaren Nachhaltigkeitsvorgaben könnte die öffentliche Hand schon heute einheimisches Holz stärker fördern, wie Marc Steiner, Richter am Bundesverwaltungsgericht, erklärte. Dass oft der Preis entscheide, liege mehr an veralteten Denkmustern als am Recht. Ein Umdenken fördern dürfte die Reform des Vergaberechts, die derzeit in der Differenzbereinigung zwischen National- und Ständerat ist. Das neue Recht sieht «Nachhaltigkeit» als Gesetzgebungsziel vor. In Obwalden renne das Gesetz offene Türen ein, meinte Landstatthalter Josef Hess; und er ist zuversichtlich, dass es nun überall nachhaltiges Bauen mit Holz aus der Region erleichtere.

Ein Umdenken hin zu pragmatischen Lösungen, die den Nutzen für Mensch und Umwelt ins Zentrum stellen, wurde auch bei Nachhaltigkeitslabels gefordert; so liess die Küng Holzbau AG in Alpnach ihr Massivholzhaus aus Mondholz überprüfen und stellte fest, dass Herstellung und Betrieb über vierzig Jahre weniger Energie braucht als ein Minergiehaus; doch Beiträge bekommen die Bauherren für das Haus ohne Label bisher nicht.

Berner Zeitung

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