Ohren spitzen für den Erzählgenuss

Interlaken

Unter dem Motto «Das erste Mal» findet Anfang Februar das erste internationale Jungfrau-Erzählfestival in Interlaken statt. Fans von Geschichten können sich auf fantastische Sagen, Märchen und Mythen freuen.

Die Organisatoren des Erzählfestivals haben Platz genommen (v.l.): Doris Barrot, Martin Niedermann und Roswitha Menke freuen sich auf spannende Geschichtenstunden.

Die Organisatoren des Erzählfestivals haben Platz genommen (v.l.): Doris Barrot, Martin Niedermann und Roswitha Menke freuen sich auf spannende Geschichtenstunden.

(Bild: Monika Hartig)

«So aufregend wie «das erste Mal für eine Jungfrau» soll das erste internationale Jungfrau-Erzählfestival werden, das vom 6. bis 8.Februar im Interlakner Hotel City Oberland stattfindet.

Das versprechen jedenfalls die Organisatoren Doris Barrot, Roswitha Menke und Martin Niedermann, professionelle und leidenschaftliche Erzählerinnen und Erzähler, die stolz auf ihre uralte Kunst sind und es verstehen, vor dem inneren Auge ihres Publikums eine magische Welt entstehen zu lassen.

Bebende Gräber

Namhafte Profis aus dem In- und Ausland erzählen heuer Sagen, Mythen, Märchen und Geschichten von den Bergen bis ins Flachland, vom Alpenkamm bis zum Meeresspiegel. «Für alle, die Ohren haben», verheisst der Festivalprospekt «eine funkelnde Welt aus Fantasie und Freude». Etwas Vorfreude und Neugier möchten die Organisatoren bei ihrem Publikum wecken: «In einer meiner Geschichten bebt ein Grab, und ein letztes Mal fällt eine todanzeigende Blume von der Decke. Ausserdem erzähle ich eine echte Entjungferungsgeschichte», verrät die auf Hochdeutsch erzählende Roswitha Menke.

Bei Martin Niedermann steigen Tote aus dem Gletscher und kommen persönlich vorbei, um eine Seele abzuholen, die ihnen Gutes getan hat. Und die Erzählerin Doris Barrot verspricht: «Bei mir gibt es spannende Berggeschichten zu hören. In einer davon steigt eine Frau in die Unterwelt, um ihr Glück zu finden.»

Offene Bühne als Höhepunkt

Ein Höhepunkt des Festivals ist die offene Bühne am Samstag, an der zwanzig Erzählerinnen und Erzähler je eine 7-Minuten-Geschichte in verschiedenen Schweizer Dialekten vortragen. So etwa über einen Prinzen mit Eselsohren, die Prinzessin von der Flammenburg oder wie es kommt, dass Schneeglöckchen im Winter nicht erfrieren.

Bei nahezu allen Anlässen gibt es auch Musik – Hedwig Rost aus Deutschland und Melanie Zobrist aus Brienz spielen Geige, Martin Niedermann begleitet seine Geschichten mit der Drehleier, und die Berner Barden sorgen beim Brunch am Sonntagmorgen mit Hexeschiit, Laute und Mandoline für passende Töne.

Allen Beteiligten ein tolles Erlebnis zu bieten, ist das erklärte Ziel der Organisatoren. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, der Vorverkauf gut. «Wir haben allen Anlass zu Optimismus», sagt Roswitha Menke. Und wie sieht es mit Lampenfieber vor den Auftritten aus? Doris Barrot, Martin Niedermann und Roswitha Menke sind sich einig: Lampenfieber hilft, um die Schwelle in die innere Welt zu überschreiten und auf der Bühne präsent zu sein.

Nur so könne man die Zuhörerinnen und Zuhörer auf die Reise im Kopf mitnehmen. Doris Barrot: «Ich schwanke zwischen tausend Höllen und völliger Ruhe. Habe ich das Publikum gepackt, ist es eine Lust, offen zu sprechen.» Roswitha Menke: «Sobald ich den Mund zum Erzählen öffne, bin ich jemand anderes und tauche in eine andere Welt ein. Dann erzählt es durch mich.»

Programm: Was an den drei Tagen vom 6. bis 8.Februar läuft

Am Freitag, 6.Februar, geht es um 8.45 Uhr im Saal Niesen des Hotels City Oberland mit dem neuen Festival los: Ariane Racine und Doris Barrot erzählen für Schüler und Neugierige auf Deutsch und Französisch – und man versteht die Märchen auch, wenn man die eine oder andere Sprache nicht fliessend beherrscht.

Das weitere Programm:

Freitag, 6. Februar,18 Uhr, Saal Niesen: «Flachland trifft Oberland». Roswitha Menke (Bern) und Doris Barrot (Steffisburg) eröffnen das Erzählfestival. Melanie Zobrist (Brienz) vervollständigt mit Geige und Glocken den Hörgenuss. Freitag, 20 Uhr, Saal Niesen: «Das ist doch der Gipfel!» Nach der offiziellen Festivaleröffnung durch Grossrätin Christine Häsler präsentieren Jörg Baesecke und Hedwig Rost Kleinstbühnenkunst vom Feinsten. Ariane Racine entführt die Zuhörer in ein Land, das jeder kennt, in eine Zeit, die fern und doch so nah ist.

Samstag, 7. Februar, 11 Uhr, Marktplatz: «Gratwanderungen». Hertha Glück (Vorarlberg) und Martin Niedermann (Bern) gehen «vor die Tür» und verzaubern an diesem Vormittag den Marktplatz mit fantastischen Sagen, humorvollen Geschichten und Drehleiermusik.

Samstag, 13 Uhr, Las Rocas: Zwanzig Erzählerinnen und Erzähler von nah und fern warten mit 7-Minuten-Geschichten auf (offene Bühne).

Samstag, 18 Uhr, Saal Niesen: «Meeresspiegel, Alpenkamm». Spinnstubenstorys und Sagen von 0 bis 4810 Meter über Meer erzählen Jörg Baesecke und Martin Niedermann.

Samstag 20 Uhr, Saal Niesen: «Jungfrauen und andere Weiber». Mädchen, Madonnen, Mütter, Witwen, Wasserweiber, Hexen und natürlich Jungfrauen bevölkern die Geschichten, Märchen, Mythen und Sagen, die Ariane Racine, Doris Barrot, Hedwig Rost, Hertha Glück und Roswitha Menke zum Besten geben.

Sonntag, 8.Februar, 11 Uhr, Veranda Hotel City Oberland: Erzählbrunch «Chäs, Brot und Verzapfts». Die Grande Dame der Schweizer Erzählkunst, Silvia Studer-Frangi, und Martin Niedermann haben ein vergnügliches Programm zusammengestellt, das die Berner Barden musikalisch begleiten.

Infos, Packages und Reservationen über www.jungfrau-erzaehlfestival.ch

Berner Oberländer

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