324'000-Franken-Strafe gegen Schnellfahrer wird reduziert

Ein reicher Unternehmer wehrte sich gegen einen Strafbefehl – mit einer eigentümlichen Begründung.

Rolls Royce messen die Geschwindigkeit in Meilen, nicht in Kilometern. Das wurde dem Limousinen-Fan zum Verhängnis.

Rolls Royce messen die Geschwindigkeit in Meilen, nicht in Kilometern. Das wurde dem Limousinen-Fan zum Verhängnis.

(Bild: Keystone)

Thomas Hasler@thas_on_air

Ein Freund lag ihm in den Ohren, er solle den Rolls-Royce RR31 doch mal Probe fahren. Der 41-jährige Unternehmer nahm seinen Vater mit, der sich beim Glattpark auch gleich ans Steuer setzte, während der Sohn im Fond Platz nahm und sich offenbar vom Entertainmentsystem gefangen nehmen liess.

In Embrach wechselten Vater und Sohn die Plätze. Kaum hatte der 41-Jährige den Parkplatz verlassen, um nach Bülach zu fahren, geriet er in eine Polizeikontrolle: 103 km/h ergab die Lasermessung. Etwas zu spät hatte ihn der mitfahrende Techniker auf dem Beifahrersitz darauf aufmerksam gemacht, dass er zu schnell unterwegs war.

Meilen statt Stundenkilometer

Erst jetzt realisierte er seinen Irrtum. Der elektronische Tacho hatte zwar die in jenem Abschnitt der Bülacherstrasse erlaubten circa 60 angezeigt – aber in «miles per hour» (mph), nicht in Kilometern pro Stunde (km/h).

Die Assistenzstaatsanwältin stellte fest, dass der Unternehmer nach Abzug der Toleranz 40 km/h zu schnell gefahren war, was gemäss Strafmassempfehlung der Oberstaatsanwaltschaft 120 Tagessätze ausmacht. Sie verurteilte ihn also per Strafbefehl wegen fahrlässiger grober Verletzung von Verkehrsregeln zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen.

Da es sich beim 41-Jährigen um einen Unternehmer mit einem Vermögen in zweistelliger Millionenhöhe und mit sechsstelligem Einkommen handelt, fixierte sie den Tagessatz auf 2700 Franken, was total 324000 Franken ausmacht, und setzte darauf noch eine unbedingte Busse von 10'000 Franken.

Mangelnde Vertrautheit

«Mir hat niemand gesagt, dass die Anzeige in Meilenangegeben ist», sagte der 41-Jährige am Donnerstag vor dem Bezirksgericht, wo er den Strafbefehl anfocht. Der Rolls sei ja linksgesteuert gewesen. Und dass er so schnell unterwegs war, habe er schlicht nicht realisiert.

Sein Verteidiger sagte, der Unternehmer sei einfach unaufmerksam gewesen. Grund dafür sei die «mangelnde Vertrautheit mit dem aussergewöhnlichen Fahrzeug, dessen Innenraum hermetisch vom Aussenlärm abgeschirmt» sei. Von einer groben Verkehrsregelverletzung könne nicht gesprochen werden, weil sein Mandant weder ein rücksichts-noch gedankenloses Verhalten gezeigt habe.

Das Bezirksgericht bestätigte die Verurteilung. Der Mann hätte sich vor Antritt der Fahrt mit dem Auto vertraut machen müssen. «Die nicht ganz harmlose Unsorgfalt wäre leicht zu vermeiden gewesen.»

Der Einzelrichter reduzierte die Strafe aber – die Tagessätze von 120 auf 90, weil die Assistenzstaatsanwältin einen Kilometer Toleranz zu wenig abgezogen hatte, den einzelnen Tagessatz von 2700 auf 1000 Franken, weil sie das Vermögen zu stark berücksichtigt hatte, und die Busse von 10 000 auf 5000 Franken.

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