700 Helfer eilen der Umarmerin voraus

20'000 Menschen werden ab morgen Freitag in die Eulachhalle Winterthur pilgern, um sich von Amma umarmen zu lassen. Heute begann der Aufbau, der so manches Rockkonzert in den Schatten stellt.

20'000 Umarmungen: Die Helfer verwandeln die Winterthurer Eulachhalle in eine gigantische Bühne für die Umarmerin Amma.
Video: Jan Derrer
Felix Schindler@f_schindler

In der Küche hinter der Eulachhalle in Winterthur werden morgen um diese Zeit 100 Liter Frittierfett brutzeln – wenn 20'000 Menschen kommen, um sich von Amma umarmen zu lassen, dann wollen sie auch adäquat verpflegt werden. Ein eigener Kühlraum, zehn mobile Kochstationen und ein zusätzliches Zelt für die Gemüsezubereitung sind heute Freitagmittag aufgebaut worden. Das Material steckte in einem Schiffscontainer und wird auf einem Sattelschlepper überall dorthin transportiert, wo die 57-jährige Umarmerin aus Indien auftritt. Die Anweisungen für den Aufbau gibt der Deutsche Küchenchef in Englisch – die einzige Sprache, in der sich hier alle verständigen können.

Designerbrille statt Sari

Die Verpflegung ist nur ein Detail des gewaltigen Tourtrosses, der Amma in den nächsten Wochen vorauseilt und hinterher reist. Drei Sattelschlepper und mehrere Kleinlaster sind bereits hier, Dutzende Wohnmobile werden folgen. Sogar ein Kamerateam ist dabei, der Aufnahmen für Ammas Fernsehsender Amrita TV machen wird. 200 Helfer aus 50 Nationen sind heute in Winterthur eingetroffen, um die Veranstaltung aufzubauen. Bald werden sie unterstützt von 500 zusätzlichen Helfern aus der Umgebung. So kommt am Ende ein Helfer auf 30 Besucher – effizienter organisieren lasse sich das mit Freiwilligen nicht. Sie alle verdienen nichts als das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben.

Eine von ihnen ist Franziska. Sie gibt fast ihre gesamten Ferien her, um Amma während der nächsten vier Wochen auf ihrer Europatournee begleiten zu können. Anders als man erwarten könnte, ist sie nicht in einen Sari gehüllt, sondern in einen rosaroten Mantel – auf ihrer Nase sitzt eine italienische Designerbrille. Sie arbeitet als Journalistin, schreibt für das Lifestyle-Ressort einer der grossen Schweizer Tageszeitung. Auf die Frage, wie alt sie ist, sagt sie: «Schreib 41».

Schlafsaal für 400 Personen

Bei der Besichtigung der Aufbauarbeiten treffen wir ausserdem Beat (Gymi-Lehrer), Markus (Geschäftsführer eines Import-Export-Unternehmens) und Alex (Handwerker). Er ist schon seit 12 Jahre dabei, wenn Amma nach Winterthur kommt – und er hat es noch nicht einmal auf eine Umarmung abgesehen. «Ich habe es schon probiert. Aber es ist eigentlich nichts passiert. Es hat mich nicht verändert.»

Die Helfer richten die eine der Turnhallen für Amma her, dekorieren sie mit Tüchern, richten den Sanitätsposten ein und bauen Verkaufsstände auf. Die zweite Turnhalle ist zum Schlafsaal umgebaut worden. Hinter ein paar weissen Bretterwänden werden dieses Wochenende bis 400 Personen auf dünnen Matten übernachten. Sie kommen Amma wegen, weil es eine gute Sache sei und weil sie fürs Leben wertvolle Erfahrungen machen. Doch wenn sie eine Umarmung wollen, dann müssen sie sich eine Nummer holen und warten wie alle anderen Besucher auch. Exklusive Sessions für Mitarbeiter sind schon vor vielen Jahren abgeschafft worden. Die Helfer seien schlicht zu zahlreich geworden.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt