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Thun vor 150 JahrenAarekorrektion als dringlich erklärt

Aufgrund des «Zustands der Verwilderung» zwischen Thun und Uttigen erklärte der Regierungsrat die Begradigung der Aare sowie die Verlegung der Zulgmündung zum dringlichen Projekt.

Ein Ausschnitt der Karte «Correction der Aare zwischen Thun und Uttigen nebst Verlegung der Zulgausmündung» (von ca. 1882) zeigt die Situation vor und – in Rot – nach der Korrektur.
Ein Ausschnitt der Karte «Correction der Aare zwischen Thun und Uttigen nebst Verlegung der Zulgausmündung» (von ca. 1882) zeigt die Situation vor und – in Rot – nach der Korrektur.
PD/Staatsarchiv des Kantons Bern, AA V 325b

«Da der Lauf der Aare zwischen Thun und Uttigen und die ungünstige Ausmündung der Zulg einen Zustand der Verwilderung herbeigeführt haben, welchem durch lokale Schutzbauten nicht mehr abgeholfen werden kann, so hat der Regierungsrath die Eindämmung und Rektifikation der Aare zwischen Thun und Uttigen und die gleichzeitige Verlegung der Zulgausmündung als dringlich erklärt», vermeldete das «Thuner Blatt» am 5. Oktober 1870. Die immer weiter greifenden Zerstörungen würden eine durchgreifende Regulierung des Flussbettes erheischen.

Ferner verfügte der Regierungsrat, dass vor allem «den Betheiligten Gelegenheit gegeben werden soll, sich über das Projekt auszusprechen» und zu diesem Zweck dasselbe mit angemessenen Erläuterungen während vier Wochen aufzulegen sei.

Was vor 150 Jahren sonst noch für Schlagzeilen sorgte:

1.10.1870 Das Wetter am Herbstmarkt war herrlich und lud förmlich zum Besuch ein. Besonders haben die Kinder Israels viel Vieh aufgekauft, wahrscheinlich um es als Schlachtvieh auf den Kriegsschauplatz zu führen. Es ist da manch altes, zähes Kuhlein mitgelaufen. Aufgestellt waren 672 Stück Rindvieh, 817 Schafe, 208 Ziegen und 771 Schweine. Auf dem Pferdemarkt standen 120 Stück.

5.10.1870 Den Tit. Häuserbesitzern an der Hauptgasse wird nochmals in Erinnerung gebracht, dass allfällige Ableitungen von Dach- und Schüttsteinwasser am zweckmässigsten und auch am billigsten während der Ausführung der Abzugskanäle eingerichtet werde können.

8.10.1870 Männerchor. Samstag Abend im Bierhaus. Abschied von einem Mitglied. Der Vorstand.

8.10.1870 Kadetten-Musik Thun. Rekruten mögen sich bis zum 15. Oktober anmelden bei Gottl. Bühlmann, Sohn.

12.10.1870 Lebensmittelpreise in Thun. Anken in Ballen à 1 Pfd. Fr. –.95 bis 1.10. Kartoffeln per Zentner 2.50 bis 2.80. 9 bis 10 Eier für 60 Cts.

12.10.1870 Folgende Stellen an der hiesigen Mädchensekundarschule sind zu besetzen: 1) Die Stelle der Lehrerin der III. Klasse. Stunden: Wöchentlich höchstens 30. Besoldung Fr. 1200 jährlich. 2) Die Stelle der Lehrerin der englischen Sprache in der I. Klasse. Wöchentlich 4 Stunden. Besoldung Fr. 300 jährlich.

12.10.1870 Letzten Sonntag Mittag fegte ein Sturmwind über die Gegend, der an Bäumen, Fensterscheiben, Dächern und Kaminen nicht unbedeutenden Schaden hinterliess. Beim Laboratorium stürzte der obere Teil des Dampfkamins herab.

12.10.1870 Verglasungen besorgt billigst und übernimmt grössere Arbeiten im Akkord: Glashandlung F. Wunderlich, Sohn, Plätzli.

15.10.1870 Die Reibe der Gebrüder Schrämli in Thun ist repariert und steht zur Benützung bereit.

15.10.1870 Jakob Bischoff hat sich bei Hrn. Hoffmann, Wagner auf dem Graben, als Sattler und Tapezierer etabliert und empfiehlt sich für alle vorkommenden Arbeiten unter Zusicherung solider Arbeit und billiger Preise.

19.10.1870 Turnverein. Da die Abhaltung des Preisschauturnens letzten Sonntag durch zu nassen und schlüpfrigen Boden verhindert wurde, so musste dasselbe auf nächsten Sonntag verschoben werden.

19.10.1870 Unterzeichnete zeigt ihren Kunden zu Stadt und Land ergebenst an, dass sie ihr unter der Firma «Schwestern Kurz» betriebenes Wollen-, Baumwollen-, Mercerie- und Tapisserie-Geschäft käuflich an Frl. Mina Stämpfli abgetreten hat. Frau Marie Teuscher-Meaubert.

19.10.1870 An der ordentlichen Versammlung der Einwohnergemeinde wurde die Gemeinde- und Schulgutrechnung pro 1869 genehmigt. Der Alignementsplan für das Aarefeldquartier wird angenommen, die Angelegenheit eines neuen Waschhauses im Schwäbis zur näheren Berichterstattung an den Gemeinderat zurückgewiesen.

22.10.1870 Frei-Corps. Allen denjenigen, die uns bereitwilligst ihre Waffen zur Disposition gestellt haben, unseren besten Dank. Allfällige Reklamationen nimmt der Chef des Corps, Herr Aeschlimann, Eichmeister, entgegen.

22.10.1870 Alle Sonntage Meringues bei Moser, Zuckerbäcker.

26.10.1870 Fräulein Gfeller zeigt hiermit an, dass sie ihre Kleinkinderschule auf Dienstag, den 1. November definitiv eröffnen wird. Allfällige neue Anmeldungen bitte bis Freitag, den 28. dies machen zu wollen.

26.10.1870 Unterzeichneter erklärt alle diejenigen, die über ihn ehrenrührige Gerüchte ausstreuen, als sei er seiner Frau untreu, für elende Lügner und Verläumder. Joh. Schädele.

29.10.1870 Aufforderung. All diejenigen Einwohner der Gemeinde Thun, welche im Jahr 1871 eine Kaffee- und Küchliwirtschaft auszuüben gedenken, werden hiermit aufgefordert, sich dafür bis und mit dem 15. Oktober nächsthin in der Gemeindekanzlei auf dem Rathause anschreiben zu lassen und das daherige Gesuch mit deutlicher Bezeichnung der Lokalität schriftlich einzureichen.

Quelle: Stadtarchiv Thun