Robert Langdon hat Verspätung

«Inferno», «Bridget ­Jones’s Baby», «Finding ­Dory»: 2016 ist das Jahr der ­filmischen Wiederbelebungen. Doch warum liessen all diese Fortsetzungen eine Ewigkeit auf sich warten?

Rasante Verfolgungsjagd: Tom Hanks und Felicity Jones im Film «Inferno» von Ron Howard.

Rasante Verfolgungsjagd: Tom Hanks und Felicity Jones im Film «Inferno» von Ron Howard.

(Bild: zvg)

Hans Jürg Zinsli@zasbros

Er ist wieder da. Robert Langdon irrt quer durch Europa, dunklen Mächten auf der Spur. Aber was will er noch mal? Und wer ist er überhaupt? Zur Erinnerung: Langdon ist die Hauptfigur in vier Bestsellern von Dan Brown, von denen zwei erfolgreich im Kino liefen: «The Da Vinci Code» (2006) und «Angels & Demons» (2008) spielten weltweit über 1,2 Milliarden Dollar ein.

Dann kam lange nichts mehr. Erst jetzt, 8 Jahre später, taucht Langdon wieder auf. Und mit ihm schwappt eine beispiellose Fortsetzungsflut in die Kinos. 2016 dürfte als das Jahr mit den meisten filmischen Wiederbelebungsversuchen in die Geschichte eingehen. Im Frühling gings mit «Zoolander 2», «My Big Fat Greek Wedding 2» oder «10 Cloverfield Lane» los. An die Erfolge ihrer Vorgänger vermochten diese Filme jedoch nur bedingt anzuknüpfen.

Fortsetzung der Fortsetzung

Jetzt ist die nächste Fortsetzungswelle fällig. Und es fällt auf: Abgesehen von «Finding Dory» sind es diesmal Filme, die bereits ein Sequel hinter sich haben. Anders gesagt: «Blair Witch», «Bridget Jones’s Baby» und «Inferno» sind jeweils die Nummer 3 in ihrer Fortsetzungsreihe. Wundern darf man sich dabei vor allem in zwei Fällen: Der «Blair Witch»-Hexenhorror und die «Bridget Jones»-Schusseligkeiten schienen bereits vor 12, beziehungsweise 16 Jahren ihr Verfallsdatum erreicht zu haben.

Warum also ein nochmaliger Versuch? Vermutlich weil eine etablierte Marke für Filmproduzenten immer noch erfolgversprechender ist als Figuren, die niemand kennt. Aber weshalb die lange Wartezeit? Die Verantwortlichen sprechen in solchen Fällen oft von kreativen Differenzen.

Im Fall von «Bridget Jones» wars so, dass Co-Star Hugh Grant immer wieder umgearbeitete Drehbuchfassungen immer wieder ablehnte, bis er schliesslich absprang. Co-Star Colin Firth kommentierte süffisant: «Bis wir mit unserem Film so weit sind, werden wir vermutlich die Geschichte von Bridget Jones’ Enkelin erzählen müssen.»

Kein grünes Licht von Sony

Kreative Differenzen gabs anscheinend auch bei den Dan-Brown-Verfilmungen, wobei das Ganze hier eine Spur komplizierter ist. Nach «Angels & Demons» (2008) hätte der 2009 publizierte Thriller «Das verlorene Symbol» verfilmt werden sollen. Jedenfalls machten sich noch im selben Jahr eine Reihe von Drehbuchautoren ans Werk – unter anderem Dan Brown persönlich.

2013 sollten die Dreharbeiten beginnen. Doch Regisseur Ron Howard stand nicht mehr zur Verfügung (er drehte stattdessen den Rennfahrerfilm «Rush»). Und es kam, wozu es in Hollywood immer wieder kommt: Das federführende Studio gab kein grünes Licht für «Das verlorene Symbol». Warum? Darüber lässt sich bloss spekulieren. Möglicherweise fürchtete man bei Sony, dass der hauptsächlich im Untergrund von Washington D. C. spielende Thriller punkto Schauwerte zu wenig hergeben würde.

Doch das Hollywoodstudio blieb nicht untätig. Noch im selben Jahr liess Sony verlauten, dass Dan Browns jüngster Thriller «Inferno» (also der vierte Langdon-Roman, der 2013 erschien) als dritter Film produziert werden sollte. Worauf Regisseur Ron Howard zum Team zurückkehrte. Und mit David ­Koepp jener Drehbuchautor ans Werk ging, der bereits «Illuminati – Angels & Demons» zur rasanten Schnitzeljagd geformt hatte.

Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn die jüngste Dan-Brown- Verfilmung «Inferno» nicht abermals ein Grosserfolg würde.

Wie weiter mit Langdon?

Wenn jetzt also «Inferno» in die Kinos kommt, atmen Langdon-Fans auf. Und ja, es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn dieser Film nicht abermals ein Grosserfolg würde. Womit sich eine neue Frage stellt: Wartet man bei Sony ab, bis Dan Brown seinen nächsten Robert-Langdon-Thriller vollendet hat («Origin» ist für 2017 angekündigt)? Oder holt man zwischenzeitlich die Drehbücher zu «Das verlorene Symbol» aus dem Giftschrank? Einen abermals achtjährigen Filmunterbruch möchte wohl niemand riskieren.

«Inferno»: Ab 13. Oktober. «Bridget Jones’s Baby»:Ab 20. Oktober. «Finding Dory»und «Blair Witch»laufen bereits im Kino.

Berner Zeitung

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