Alle einen Gang zurückschalten, bitte!

Kein Wunder, fühlen sich Buschauffeure zunehmend gestresst.

Armin Müller@Armin_Muller

Im Film «Cashback» kann der Held die Zeit anhalten. Während alle anderen wie eingefroren stillstehen, läuft er herum und tut, was ihm ­gefällt. Wer heute als Fussgänger in einer Schweizer Stadt am Rotlicht wartet, erlebt solche Szenen aus umgekehrter Perspektive: Alle anderen gehen bei Rot weiter, nur der Anti-Held bleibt stehen und wartet brav, bis es grün wird. Zeit ist schliesslich Geld.

Bald dürften die Verkehrsteilnehmer in der Mehrheit sein, die sich nicht einfach nur fortbewegen, sondern dabei noch eine zusätzliche Tätigkeit ausüben – tele­fonieren, Whatsapp bedienen, Facebook lesen, Musik hören. Muss bald ein schlechtes Gewissen haben, wer sich nur im Verkehr bewegt und dazu nicht noch etwas Produktives tut?

Nicht nur der Verkehr nimmt zu, auch Hektik und Aggressivität. Raser auf E-Bikes lassen Fussgänger und Normal-Velofahrer schon wie eingefroren aussehen. Für viele Velofahrer scheinen Verkehrsregeln nicht mehr zu gelten. Der starke Trend zum SUV lässt nicht nur die Strassen schmaler wirken, die schweren Autos erhöhen auch das Selbstbewusstsein ihrer Fahrer.

Kein Wunder, fühlen sich Buschauffeure zunehmend gestresst. Der Job hat nicht mehr viel mit dem romantischen Bild des Postauto-Chauffeurs gemein, der souverän über die Landstrassen steuert und dem alle respektvoll Platz machen. Der Zeitdruck steigt. Die Unfälle mit Beteiligung von Bussen nehmen zu.

«Der Zeitgewinn eines höheren Tempos fällt viel ­geringer aus, als man denkt.»

«Der Respekt vor den Busfahrern ist in den letzten Jahren komplett verschwunden», sagt Chauffeur Fritz Hänni. Auf der Liste der grössten Stressfaktoren: Velo-Rowdys, rücksichtslose Autofahrer, grölende und betrunkene Jugendliche und motzende Passagiere.

Die Verkehrsbetriebe haben am meisten Einfluss auf die Arbeitsbedingungen ihrer Chauffeure. Sie müssen dafür sorgen, dass der Stress nicht weiter zunimmt. Der technische Fortschritt muss nicht nur Verbesserungen in der Steuerung und Überwachung des öffentlichen Verkehrs bringen, sondern auch die Arbeitsbedingungen verbessern. Selbstfahrende Busse werden schon vielerorts getestet. Bis sie im grossen Stil und auf anspruchsvollen Strecken eingesetzt werden können, wird es allerdings noch viele Jahre dauern.

Bis dahin sollten wir als Verkehrsteilnehmer unseren Teil beitragen, indem wir selber auf Aggressionen verzichten, uns rücksichtsvoll bewegen und uns mehr Zeit nehmen. Tests zeigen, dass der Zeitgewinn eines höheren Tempos viel geringer ausfällt, als man denkt. Es ist etwas dran am Spruch «Eile mit Weile».

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