«Das ist kein Wettbewerb für Nicht-Profis»

Wacker-Thun-Coach Martin Rubin spricht nach dem Remis in der Champions League und vor dem Meisterschaftsspiel in Zürich über positive und negative Überraschungen.

Spricht über die Champions League: Martin Rubin.

Spricht über die Champions League: Martin Rubin.

(Bild: Christian Pfander)

Wie hoch hätte jenes Wacker, das im Frühling Meister geworden war – mit Lukas von Deschwanden, Lenny Rubin, Marc Winkler und Nicolas Raemy –, Riihimäen Cocks geschlagen?Martin Rubin:(lächelt) Wenn es so auftreten würde, wie es dies im Final gegen Winterthur getan hat, würde es Riihimäen deutlich besiegen. Ich weiss aber nicht, wie die Partie zu Beginn der letzten Saison ausgegangen wäre. Eine Mannschaft muss sich stets erst finden, so gut sie auch ist.

Es ist bestimmt frustrierend für Sie, ausgerechnet nun in der Champions League zu spielen: nach einem Sommer, in dem das Team zig Wechsel verzeichnete.Nein, ganz und gar nicht. Die letzte Saison ist Vergangenheit, genauso wie die damalige Mannschaft. Was ich sehr bedaure, ist, dass wichtige Leute des aktuellen Teams ausgefallen sind, Raemy und Winkler beispielsweise. Wären wir komplett, hätten wir am Donnerstag gewonnen, trotz all den gewichtigen Abgängen.

Ein 26:26 zu Hause gegen einenfinnischen Club ist auch so zu wenig – einverstanden?Ich weiss noch immer nicht, was ich von diesem Remis halten soll. Grundsätzlich ist ein Punkt zu wenig, klar. Das war das Spiel, in dem wir in der Champions League erstmals hätten gewinnen müssen. Erfreulich ist, dass wir in der zweiten Hälfte zulegen, so den Viertorerückstand wettmachen konnten.

Ihr Team steigerte sich in dieser Saison bereits gegen Bern und gegen Basel nach der Pause erheblich. Wieso tut es sich zu ­Beginn oft schwer?Wir machten in diesen Partien im ersten Umgang offensichtliche Fehler, Fehler, auf die wir in der Halbzeit jeweils aufmerksam machen konnten. Gegen Riihimäen etwa hatten wir vor der Pause ­extrem schlecht verteidigt, da stimmte die Deckung nicht.

Wacker bekundet in der Abwehr heuer allgemein Mühe.Ja, und das erstaunt uns ein wenig. Wir dachten, dass wir hinten genauso gut sein würden wie in der letzten Saison. Noch aber läuft da nicht alles rund. Wir arbeiten intensiv daran, dass wir weniger Tore zulassen.

In der Meisterschaft stehen Sie bereits wieder vorn – trotz der Abgänge, trotz der Ausfälle und trotz der Probleme in der Abwehr. Erstaunt?Ehrlich gesagt: ja. Ich hätte nicht gedacht, dass wir Winterthur bezwingen würden. Und ich war pessimistisch, als wir gegen Bern zur Pause deutlich in Rückstand lagen. Wie wir in die Saison gestartet sind – das ist eine positive Überraschung.

Eine negative Überraschungwar der Zuschaueraufmarsch am Donnerstag in Gümligen, dermit 520 Leuten ausgesprochenbescheiden ausfiel.Ich war enttäuscht, genauso wie die Spieler, die natürlich lieber vor vielen Besuchern antreten, wie sie dies bei uns gewohnt sind.

Letzte Saison besuchten im Schnitt rund 1300 MenschenIhre Heimspiele in der Liga. Wie erklären Sie sich die magere Kulisse in der Champions League?Ein Grund ist, dass wir da nicht bei uns in Thun spielen dürfen. Nach Gümligen reisen zu müssen, hält einige Stammzuschauer davon ab, ans Spiel zu gehen. Und dass die Partien im Fernsehen übertragen werden, ist zwar grossartig und sehr erfreulich. Aber auf die Zuschauerzahl wirkt sich dies wohl eher negativ aus, zumindest kurzfristig.

Jener potenzielle Zuschauer,der gern Handball guckt, aber nicht Wacker-Anhänger ist, war offensichtlich nicht in der Halle.Diesen Eindruck hatte ich auch.

44 Stunden nach der Partie muss Ihr Team wieder ran: in Zürich gegen GC. Wie bereiten Sie es vor in dieser kurzen Zeit?Die Spieler sind platt. Die waren am Freitag bereits wieder an der Universität oder auf der Arbeit. Das Programm mit Matchs alle drei, vier Tage ist happig. Das ist die negative Folge der Teilnahme an der Champions League. Das ist eigentlich kein Wettbewerb für Nichtprofis. Aber wir wussten, worauf wir uns einlassen, und beklagen uns nicht. All die Partien – das macht uns stärker.

Stark ist der Start, den Ihr Sohn Lenny in der Bundesliga hingelegt hat: Er erfährt viel Lob.Ja, und das macht einen als Vater natürlich stolz. Ich habe Sky abonniert, einen Pay-TV-Kanal, und einige Apps heruntergeladen, damit ich informiert bin. Und wir tauschen uns oft aus.

Sind Sie überrascht, dass er so überzeugend gestartet ist, nachdem er in der letzten Saison nicht nur brilliert, auch schwächere Phasen gehabt hatte?Insofern, als ein Handballer nach einem Wechsel gewöhnlich ein paar Monate braucht, bis er sein Potenzial ausschöpfen kann. Dass er gleich seine Leistungen bringt, ist bemerkenswert.

Wie oft haben Sie ihn nach dem Saisonstart schon besucht?Ich hatte bislang keine Gelegenheit dazu, das liess unser Programm schlicht nicht zu. Wir bestreiten momentan ja mehr Spiele als Wetzlar. Geplant ist, dass ich Ende Jahr zu ihm reisen werde, während wir Pause haben.

Berner Zeitung

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