Lottogewinn löst Lawine aus

Thun

Auf der Facetten-Bühne geht die Post ab, wie an der Premiere in der Alten Oele deutlich wurde: «Dr Otto gwinnt im Lotto» und darf sich gar nicht lauthals drüber freuen.

Streiten ums Geld (v.l.): Dominik Dällenbach als Luca, Felix Weiss als Otto, Renata Pfister-Frezza als Nina und Luigi Basler als Yogi Bär.

Streiten ums Geld (v.l.): Dominik Dällenbach als Luca, Felix Weiss als Otto, Renata Pfister-Frezza als Nina und Luigi Basler als Yogi Bär.

Die einzige Gemeinsamkeit, die Nina (Renata Pfister-Frezza) und Otto Habersack (Felix Weiss) noch haben, ist das Hochzeitsdatum. Ansonsten gifteln sie sich nur noch an. Doch weder sie noch er ist bereit, auszuziehen, weil sie dem anderen das Eigenheim nicht überlassen wollen.

Dafür vergnügt sich Otto mit Blondchen Anna Nass (Franziska Brügger), während Nina ihr spirituelles wie sonstiges Bewusstsein mit dem Esoteriker Yogi Bär (Luigi Basler) erweitert. Der Fünfte im Bunde des Hauses ist Ottos Freund Luca Ballaballa (Dominik Dällenbach), der seit Wochen auf dem Sofa campiert – seines Zeichens Sprücheklopfer und arbeitsresistent.

Da gewinnt Otto im Lotto 6,7 Millionen Franken. Um zu verhindern, dass seine Frau die Hälfte abgreift, bittet er Freund Luca, so zu tun, als habe er gewonnen. Ob das eine gute Idee ist? Putzfrau Klara Suber (Edith Weilenmann) hat ihre liebe Mühe, in diesem Chaos ihrer Tätigkeit nachzugehen. Kay Panik (Michael Enzler) von der Lottogesellschaft wittert seine Chance als Musikmanager, und Paula Spidi (Silvia Marti), die Ex-Freundin von Luca Ballaballa, steht plötzlich mit Dollarzeichen im Auge auf der Matte.

Wie eine Rolle Stacheldraht

Das Stück «Dr Otto gwinnt im Lotto» stammt aus der Feder von Dani von Wattenwyl, der an zotigen Witzen nicht gespart hat. Die bernische Erstaufführung in der Alten Oele erheiterte das Publikum mit klischierten Figuren bis zum Anschlag: Blondine Anna trippelt mit Baguette unterm Arm ins Bad, um die WC-Ente zu füttern.

Luca flachphilosophiert, es sei leichter einen Pudding an die Wand zu nageln, als eine Frau zu verstehen. Yogi Bär säuselt Frieden heischende Sprüche. Lottogewinner Otto balanciert am Rande des Wahnsinns, Kay Panik überzeugt als schleimiger Schlagerfuzzi, und die frustrierte Nina wirkt zuweilen wie eine Rolle Stacheldraht.

Dass Blondinenwitze immer noch bestens funktionieren, bestätigte das Publikum laut lachend über Annas Dusseligkeit: Sie könne das Shampoo nicht nehmen, denn da stehe «für trockenes Haar» drauf, aber die würden ja nass. Ihre Abnehmabsichten sind auch zweifelhaft: Sie verkündet, sie werde mit Abwaschmittel duschen, denn da stehe «fettlöslich» drauf. Luca kommentiert Annas Dumpfbackigkeit lakonisch: «Ich bin froh, dass Atmen ein Reflex ist.»

Sein Vorschlag, eine Spinne mit einer Putzfrau zu kreuzen, denn die Nachkommen wären mit acht Armen viel schneller mit der Arbeit fertig, kann man lustig finden – muss man aber nicht. Wie hochstehend und flach die dicht gesetzten Pointen im Stück auch sein mögen: Alle Schauspielenden der Facetten-Bühne spielen sich die Seele aus dem Leibe.

Die Leidenschaft, die sie dabei ausstrahlen, springt vortrefflich aufs Publikum über. Das Happy End ist überraschend, denn ein Haustier namens Mathilda, das gerne Kanarienvögel verspeist, führt Herzen wieder zusammen. Bei Arachnophobie ist das Stück allerdings nicht geeignet.

Facetten-Bühne Thun, «Dr Otto gwinnt im Lotto», 7. bis 25. November, Kleintheater Alte Oele. Die Vorstellungen sind ausverkauft. Vereinzelt noch Plätze erhältlich unter 079'697'45'44, montags bis freitags, 11 bis 13 Uhr. www.facetten-buehne.ch

Thuner Tagblatt

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