Mit viel Charme und «Ökoschnee»

Gadmen

Auf halbem Weg zum Sustenpass, wo der Winter noch Winter ist, betreiben ein paar Individualisten einen 450 Meter langen Tellerskilift. Ein Blick ins romantische «Skigebiet» Gadmen, wo die Zeit stehen geblieben schien.

Hier hat man noch Zeit für einen Schwatz: Der Skilift Gadmen ist ein wahrer Geheimtipp für Familien und Ruhesuchende.

Hier hat man noch Zeit für einen Schwatz: Der Skilift Gadmen ist ein wahrer Geheimtipp für Familien und Ruhesuchende.

(Bild: Bruno Petroni)

Bruno Petroni

«Wir haben hier oben quasi noch hundert Prozent Ökoschnee»: Beat Moor ist ein echter Gadmer. Einer von denen, die einst am «Hoger» der Bielenweid noch Ski fahren gelernt haben, wie auch der spätere Weltcupfahrer Rolf von Weissenfluh. Beat Moor ist seit 2 Jahren ad interim Präsident des örtlichen Skiclubs – seitdem sein Vorgänger Edi Streich gestorben ist. «Ohne Edi hätten wir diesen Skilift nicht. Er war der unermüdliche Initiant, der aus unserem Dorf einen kleinen Skiort machte», so Moor.

Simpel, familiär, charmant

Der Skiclub Gadmen, einer der ältesten der Schweiz, zählt heute 160 Mitglieder. Das sind fast so viele, wie das Dorf Einwohner hat. Vor allem auswärtige Schulen und Vereine halten hier oben auf 1200 Meter über Meer ihre Skirennen ab. «Und dies nicht nur, weil die heutigen Kinder den heute kaum mehr zu findenden Tellerlift zum ersten Mal sehen und entsprechend cool finden», sagt Moor. Komme dazu, dass das relativ flache Gelände geradezu ideal ist für Anfänger. Jeden zweiten Freitag gibt es ein Nachtskifahren bei Flutlicht– auf Reservation für Gruppen ab zehn Personen sogar jeden gewünschten Abend.

An einem Schönwettersonntag tummeln sich in Gadmen gut und gerne rund hundert Skigäste. Eine kleine Snackbar und der Umkleideraum befinden sich neben dem Skilift in einem Baucontainer. Fürs gediegenere Einkehren haben Branka und Hans Reimann den wenige Meter unter der Talstation liegenden Dorf­laden mit Kaffeestube an der ­Sustenpassstrasse sowieso fast immer geöffnet. Einfach und charmant halt.

Zeit für die «Schnudernasen»

Bis vor 13 Jahren stand am Skihang in der Bielenweid 23 Jahre lang ein Schlepplift, bis der Skiclub den ausgedienten Tellerlift der Titlisbahnen «erben» und mit 1000 Mannstunden in Gadmen aufbauen konnte. Inzwischen haben die Verantwortlichen eine Zeitmessanlage in den Boden verlegt, und so findet da oben fast jedes Wochenende irgendein Skirennen statt. In einer Woche, am 5. März, findet das alljährliche grosse Winterhighlight statt: Zum 25. Mal steigt das «Schnudernaserennen» – «ein Rennen für alle Kinder bis zum 3. Schuljahr, das sich mit über 80 Startenden immer grösserer Beliebtheit erfreut. Mit Familienanhang macht das locker 250 Nasen da oben», so Beat Moor.

Kooperation mit Hasliberg

2000 Stunden Frondienst leisten die Vereinsmitglieder während der durchschnittlichen 95 Betriebstage pro Wintersaison, die bis Mitte März dauert. Für die technischen Belange können die Gadmer auf die Kooperation mit den Bergbahnen Meiringen-Hasliberg (BMH) und den Kraftwerken Oberhasli zählen. Auch ist der BMH-Skipass in Gadmen gültig. Die Unterhaltskosten für das Pistenfahrzeug teilen sich der Skiclub Gadmen und der Nordische Skiclub Oberhasli. Eine künstliche Beschneiungsanlage gibt es in Gadmen nicht. «Ökoschnee» eben.

Infos:www.sc-gadmental.ch

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