Tötungsdelikt in Hasle: Eine Schusswaffe war nicht im Spiel

Hasle

Am Samstag ist in einer Wohnung in Hasle eine tote Frau aufgefunden worden. Sie wurde Opfer eines Gewaltdelikts. Ihr Mann hatte sich bei der Polizei gemeldet und die Tat gestanden.

  • loading indicator
Nadja Noldin

Das Haus zwischen der Bahnlinie und Emme in Hasle ist heruntergekommen. Die Fassade ist verwittert. Die Fensterläden sind verschlossen. Bretter, Geräte, leere Blumentöpfe stehen davor. Um den Garten ist ein Netz gespannt. Der Weg von Hasle nach Lützelflüh, der daran vorbeiführt, ist beliebt. Familien, Spaziergänger, Jogger und Radfahrer nutzen ihn.

So auch am Sonntag. Alles ist ruhig, alles ist wie immer. Nichts scheint mehr darauf hinzudeuten, dass sich am Tag zuvor in jenem Haus im Emmenschachen ein grausiges Verbrechen abspielte. Dass hier eine Frau starb, die einem Gewaltdelikt zum Opfer fiel.

32-Jähriger in Haft

Die Absperrbänder sind verschwunden, die Polizisten, die Leute von der Spurensicherung und Rechtsmedizin sowie der zuständige Staatsanwalt, die vor Ort waren, sind abgezogen. Nur wer genauer hinsieht, entdeckt das rot-weisse amtliche Siegel, das an der Türe klebt. «Kapo BE, 6.2.16» ist in Handschrift darauf zu lesen. Und mit roten Buchstaben darunter: «Das Brechen des Siegels ist strafbar.»

Das Haus ist ein Tatort. Es geschah am frühen Samstagmorgen. Um circa 5.40 Uhr meldete sich ein Mann bei der regionalen Einsatzzentrale der Kantonspolizei Bern. Er gab an, seiner Frau etwas angetan zu haben, wie die Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau und die Kapo mitteilen. Und tatsächlich: Die ausgerückten Patrouillen fanden in der Wohnung eine leblose Frau vor. Die Frau wurde Opfer eines Tötungsdelikts, wie sich herausstellte. Zur Identität des Opfers bestünden konkrete Anhaltspunkte, die formelle Identifikation stehe indes noch aus, heisst es in der Mitteilung weiter.

Auch am Sonntag waren bei der Medienstelle der Polizei auf Anfrage keine weiteren Angaben zu Tathergang oder Alter und Nationalität des Todesopfers zu erfahren. Nur ein Schusswaffengebrauch wird laut Polizeisprecherin Ramona Mock zum jetzigen Kenntnisstand ausgeschlossen. Opfer und Täter hätten sich alleine in der Wohnung befunden.

Dem Vernehmen nach soll es sich bei der Toten um eine Schweizerin handeln. Der mutmassliche Täter, der sich stellte, ist ein 32-jähriger Tunesier. Er konnte noch vor Ort festgenommen werden und befindet sich in Haft. Kapo und Staatsanwaltschaft haben umfangreiche Abklärungen zu den Hintergründen und dem Ablauf des Gewaltverbrechens aufgenommen. Erinnerungen werden wach

Wieder ist es die Gemeinde Hasle, die wegen einer schrecklichen Bluttat schweizweit in die Schlagzeilen gerät. Im Mai 2011 schoss ein Mann in Schafhausen, das zur Gemeinde Hasle gehört, bei der geplanten Zwangsräumung seiner Wohnung auf zwei Polizisten. Den einen Ordnungshüter traf er tödlich in den Bauch, den anderen verletzte er am Arm.

Gemeindepräsident Walter Scheidegger fühlt sich unmittelbar an den Polizistenmord erinnert. «Schon wieder trifft es nach dem Verbrechen in Schafhausen unsere Hasle-Gemeinde», sagt er auf Anfrage. Ihn beschäftige der tragische Vorfall sehr. «Mir tun die Betroffenen leid», so Scheidegger. Persönlich habe er die Leute jedoch nicht gekannt.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt