Wer soll diesen Chrigel noch bremsen?

Frutigen/Lermoos (D)

Am vierten Tag des laufenden Abenteuerrennens X-Alps hat der ohnehin seit drei Tagen führende Christian Maurer seinen Vorsprung auf 100 Kilometer ausgebaut.

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Bruno Petroni

Schnell ist er schon seit dem Start am Sonntag in Salzburg. Aber was Christian «Chrigel» Maurer am Mittwoch zelebrierte, war Gleitschirmfliegen, wie es die Welt noch kaum je gesehen hat: Trotz starkem und turbulentem Westwind flog der 34-jährige Frutiger in einem derartigen Tempo von der Region Chiemsee bis zur Zugspitze, dass seine zweiköpfige ­Begleitcrew, Tobias Dimmler und den Berichterstatter, nicht die geringste Chance hatten, ihm mit dem Teambus zu folgen: Chrigel Maurer erreichte den Wendepunkt in Lermoos westlich der Zugspitze noch vor ihnen.

Und am Nachmittag flog er gleich weiter bis nach Meran, was eine Tagesflugdistanz von rund 180 Kilometern ergab. «Der Flug nach Lermoos war der schwierigste, den ich in meinen bisherigen fünf X-Alps erlebt habe», bilanzierte Maurer am Mittwochabend.

Vor dem Start zum X-Alps sprach vieles gegen Chrigel Maurer: Letzte Woche war er erkältet und konnte nicht zum Pflichtprolog starten; dafür kassierte Maurer eine zweistündige Zeitstrafe, die er am frühen Montagmorgen absitzen musste.

Die X-Alps-Route: Markiert sind die obligaten Turnpoints. Der aktuelle Standort von Chrigel Maurer kann jederzeit getrackt werden.

Doch noch am selben Tag rückte der vierfache X-Alps-Champion von der 22. Position an die Spitze vor, indem er durch eine eigene Routenwahl als Einziger mit den letzten Sonnenstrahlen und entsprechend den ­allerletzten «Thermikfetzen» den 2864 Meter hohen Gipfel des Triglav in Slowenien als ersten Kontrollpunkt passierte.

Die meist­genannten Mitfavoriten essen zurzeit indes hartes Brot: Mit Ausnahme des derzeit drittplatzierten Österreichers Paul Guschlbauer sind sie alle aus den Spitzenpositionen zurückgefallen. Mit über 100 Kilometern Rückstand auf Maurer kann am ehesten der Franzosen Gaspard Petiot dem Oberländer noch gefährlich werden. «Schön den Ball flach halten.

Es ist noch weit nach Monaco», warnt deshalb der Führende vor allzu früher Euphorie.Grossen Empfang genoss Chrigel Maurer an den Wendepunkten von Aschau und Lermoos, wo jeder X-Alps-Athlet landen und auf einer grossen Kontrolltafel seine Unterschrift deponieren muss: Mehr als 250 Fans fanden sich in Lermoos ein, und Maurer musste sich regelrecht von der Menge losreissen, um endlich weiterziehen und noch am Abend den Hochries zu besteigen, von welchem er in letzter Minute noch einen Gleitflug machte: Er landete 30 Sekunden vor der Sperrzeit (21 Uhr).

Am Donnerstag herrscht in Südtirol hervorragendes Flugwetter. Chrigel Maurer wird den Monte Baldo am Gardasee passieren und dann zum Matterhorn weiterfliegen. Gut möglich, dass er dieses ebenfalls am Donnerstag bereits abhaken und auf die Zielgerade Richtung Monaco einbiegen kann.

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