Selbst bestimmen im Alter

Das erste ge­meinsame Altersleitbild von zwölf Gemeinden rund um Langenthal ist vollendet.

Eigene Wohnung, Wohngemeinschaften oder Altersheim? Oberaargauer Senioren sollen die Wahl selbst treffen können (Symbolbild).

Eigene Wohnung, Wohngemeinschaften oder Altersheim? Oberaargauer Senioren sollen die Wahl selbst treffen können (Symbolbild).

(Bild: Johanna Bosshart)

Bis 2035 wird die Altersgruppe der über 80-Jährigen in der Region enorm wachsen. Die Frage, wie alte Menschen in Zukunft betreut und gepflegt werden könnten, stelle eine Herausforderung für die Gemeinschaft dar, sagt ­Sozialamtsvorsteher Adrian Vonrüti.

Nach der Region Oberaargau-West haben nun auch zwölf Gemeinden der Region Oberaargau-Ost erstmals ein gemeinsames ­Altersleitbild entwickelt. Dieses wurde am Freitag von Projektleiter Adrian Vonrüti und Reto Müller, Steuergruppenvorsitzender und Vizestadtpräsident, vorgestellt.

Multireligiöse Ruhestätten

Ein zentraler Punkt im Alters­leitbild sei es, den Senioren ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, erklärt Vonrüti. Dazu gehöre ein Zugang zu medizinischer Versorgung, aber auch zu Gütern des täglichen Bedarfs. «Wir wollen, dass die Leute möglichst lange zu Hause leben können. Deshalb benötigen wir eine durchgehende Betreuungskette», sagt Reto Müller. Die Senioren sollen Spitex-Leistungen in Anspruch nehmen können, später aber auch ein freies Pflegebett zur Verfügung haben, wenn ein Leben zu Hause nicht mehr möglich ist.

Das Leitbild beinhaltet Themen zu neun Handlungsfeldern von Gesundheit über Wohnen bis hin zu Migration. Letzteres werde erstmals in einem Altersleitbild als Einzelthema behandelt, so Reto Müller. Angebote und Dienstleistungen sollen so ge­staltet werden, dass auch ältere Migranten sich angesprochen fühlen. «Auch sie sollen an der Gesellschaft teilhaben», so Müller.

Als konkrete Massnahme ist im Altersleitbild die Durchführung muttersprachlicher Informationsveranstaltungen zu Themen wie Sozialversicherungen und Ergänzungsleistungen aufgeführt. Ausserdem sollen die Sterbe- und Bestattungsriten unterschiedlicher Religionen anerkannt und multireligiöse Ruhestätten eingerichtet werden.

«Wir schauen zueinander»

Welche der im Leitbild vorgeschlagenen Massnahmen schliesslich umgesetzt werden, ist den Gemeinden überlassen. In ihrer kleinen Landgemeinde müsse Freiwilligenarbeit beispielsweise nicht explizit gefördert werden, erklärt die Reisis­wiler Gemeindevertreterin Elisabeth Luternauer. «Bei uns im Dorf funktioniert die Gemeinschaft gut, wir schauen zueinander», sagt sie. Was in Reisiswil selbstverständlich sei, müsse in Langenthal allerdings erst institutionalisiert werden, sagt Projektleiter Adrian Vonrüti.

Als Beispiel für eine konkrete Massnahme zur Förderung des Aktivitätenangebots für Senioren nennt er die Seniorebrügg Langenthal und Umgebung. Seit neun Jahren fördert der Verein Kontakte unter Senioren in der Region und bietet ein Netzwerk für gemeinsame Aktivitäten. Laut Präsidentin Laura Baumgartner zählt die Seniorebrügg derzeit fünfhundert Mitglieder.

In einem nächsten Schritt genehmigen die Gemeinden die definitive Fassung ihres Altersleitbildes. Anschliessend wird eine Koordinations- und Controllinggruppe mit Gemeindevertretern eingerichtet.

Berner Zeitung

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