«Wir machen uns lieber Freunde als Feinde»

Von der neuen Spotify-Partnerschaft bis zum Falt-Handy: Ein Samsung-Manager stellt sich unseren Fragen.

Das Galaxy Note 9 war nur eine von mehreren Neuigkeiten, die Samsung gestern vorgestellt hat. Video: zei

Mark Notton, vor der Präsentation der neuen Uhren machte das Gerücht die Runde, Samsung könnte das eigene Tizen-Betriebssystem aufgeben und zu Googles Wear OS wechseln. Das ist nun nicht passiert. Warum sind Sie bei Tizen geblieben?
Weil es die beste Plattform ist. Wir haben seit inzwischen vielen Jahren darin investiert. Fast alle unserer Uhren nutzen es. Es macht genau, was wir wollen und vor allem was unsere Kunden wollen. Zudem haben wir nur darauf die passende Benutzeroberfläche zur drehbaren Lünette und all unsere Fitness-Apps. Auf all diese tief in Tizen verankerten Sachen können wir nun weiter aufbauen.

Also gar keine Wechsel-Gelüste?
Nein. Mit den neuen Uhren haben wir das noch mal klargemacht.

Wie sieht es mit dem grösseren Tizen-Ökosystem aus? Sie sind da ja ziemlich alleine auf weiter Flur. Kommen neue Partner oder Apps dazu? Davon war heute nichts zu hören.
Die Spotify-App haben wir früher ja schon angekündigt. Bei der neuen LTE-Uhr wird die App dann auch unabhängig von einem verbundenen Handy funktionieren. Wir werden aber weitere Partnerschaften und Apps ankünden – zu einem späteren Zeitpunkt.

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Eine der meistgehörten Reklamationen rund um Samsung-Uhren ist die schiere Grösse. Warum machen Sie keine kleineren?
Das haben wir doch heute. Nebst der 46 mm haben wir jetzt auch eine mit 42 mm. Bei mir ist die 46 mm perfekt. Aber bei Leuten in meinem Team ist 42 mm die bessere Wahl. Wir haben also auf diesen Wunsch der Kunden reagiert.

42 mm ist meine Lieblingsgrösse. Aber es gibt auch andere Ansprüche. Unter 40 mm hätten Sie nicht gehen können?
Man könnte, aber dann würde die Akkulaufzeit leiden. Oder man müsste Chips und damit Funktionen weglassen. Das ist immer ein Trade-off, wenn man versucht, Geräte kleiner zu machen. Darum ist aktuell die 42-mm-Uhr die perfekte kleinere Grösse.

Wie ist es eigentlich beim Modell, das ohne Handy ins LTE-Netz kann. In der Vergangenheit waren solche Uhren von ihnen jeweils deutlich dicker als die Modelle, die auf ein Handy angewiesen sind.
Ja, die sind identisch. Auch der Akku ist gleich gross.

Kommen wir noch auf Ihre Partnerschaft mit Spotify zu sprechen. Wer bekommt von wem Geld und wie viel?
Wir haben die Partnerschaft gemeinsam angekündigt. Wir werden aber keine Details zu den Finanzen verraten. Aber es ist schon ein Zeichen, dass die Chefs beider Unternehmen gemeinsam auf der Bühne standen. Wir versprechen uns da eine langjährige und starke Partnerschaft davon.

Spotify und Samsung ergänzen sich ja elegant. Sie haben keine Musikplattform und Spotify hat keine Lautsprecher. Gerade letzteres ist in Zeiten von Apple-, Google- und Amazon-Lautsprechern zusehends ein Risiko.
Ja, wir ergänzen uns wirklich gut. Beide Unternehmen glauben an einen fliessenden Wechsel zwischen den Geräten. Musik läuft auf dem Heimweg auf dem Handy und kann dann zu Hause bequem in der Stube auf einem grösseren Lautsprecher abgespielt werden.

Eine etwas technische Frage, gerade in diesem frühen Stadium der Partnerschaft: Werden Sie Spotify Connect, den Standard, über den sich Funklautsprecher schon heute mit Spotify verbinden, nutzen oder wird es etwas Neues geben.
Das weiss ich auch noch nicht. Tut mir leid.

Geht es bei dieser Partnerschaft auch um Exklusivitäten? Zum Beispiel Spotify arbeitet künftig nur noch mit Samsung, wenn es um Hardware geht? Und Samsung lässt künftig nur noch Spotify zu auf den eigenen Geräten?
Nein gar nicht. Offenheit ist uns sehr wichtig. Aber das Nutzererlebnis ist uns auch sehr wichtig. Und das geht nur, wenn man eng mit jemanden wie in diesem Fall eben Spotify zusammenarbeitet.

Also werden Samsung-Produkte künftig am besten mit Spotify funktionieren. Aber wenn man Deezer oder gar Apple Music nutzen möchte, wird das auch gehen?
Ja klar. Wenn man zum Beispiel die App auf dem TV installieren kann, klar. Es wird dann einfach nicht ganz so nahtlos laufen wie mit Spotify. Aber schliesslich sollen die Kunden entscheiden, was sie nutzen wollen.

Also keine Pläne, unliebsame Konkurrenten auszusperren?
Nein gar nicht. (lacht) Wir machen uns lieber Freunde als Feinde.

Zum Schluss noch die obligate Frage nach dem faltbaren Handy. Anfang 2018 haben Sie ein solches noch für dieses Jahr versprochen. Heute gabs kein Wort dazu. Wie liegen Sie im Zeitplan?
Ich habe das exakte Versprechen nicht mehr im Kopf. Aber wir haben ein riesiges Forschungsteam, das an vielen Projekten arbeitet. Nicht nur an diesem, sondern auch an anderen, die wir noch nicht angekündigt haben. Heute haben wir uns auf das Note 9, die Uhren und den Lautsprecher konzentriert. Wenn der Zeitpunkt richtig ist, werden wir aber auch über andere Produkte sprechen. Aber heute keine Neuigkeiten zum Falt-Handy.

Aus Ihrer Antwort höre ich aber auch heraus, dass Sie eine Ankündigung noch dieses Jahr nicht ausschliessen?
Ich schliesse nichts aus.

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