Mr. Spock, hier kommt Ihr SUV

Mercedes G-Code – so abgefahren träumen sich die Designer in Peking die Zukunft der G-Klasse.

Sieht so ein SUV unserer Enkel aus? Mercedes-Benz schaut mit dem G-Code weit in die Zukunft der Automobilindustrie. Foto: Mercedes-Benz

Sieht so ein SUV unserer Enkel aus? Mercedes-Benz schaut mit dem G-Code weit in die Zukunft der Automobilindustrie. Foto: Mercedes-Benz

Wie sind Captain Kirk und Mr. Spock unterwegs, wenn sie Feierabend haben? Womöglich in einem Fahrzeug wie dem neuen Mercedes-Benz G-Code. Denn die futuristische Studie eines kompakten Geländecoupés, die jetzt zur Eröffnung des neuen Designcenters in Peking enthüllt wurde, ist so abgefahren, dass selbst die Mannschaft der Enterprise daran ihren Gefallen finden würde – nicht umsonst imitiert das schwäbische Schaustück sogar den Warp-Antrieb des kultigen Sternenkreuzers.

Sonne und Wind laden auf

Zwar knurrt vorn unter der Haube des 4,1 Meter langen, 1,9 Meter breiten, aber nur 1,5 Meter hohen Blickfangs nach den Visionen der Designer ein noch halbwegs greifbarer Wasserstoffverbrenner, und an der Hinterachse ist ein E-Motor montiert, sodass die Schwaben schon von der digitalen Kardanwelle sprechen. Doch bereits das Laden des Lithium- Ionen-Akkus klingt verdächtig nach Captain Future. Denn wer nicht warten will, bis sich die Plug-in-Batterie an der Steckdose vollgesogen hat, der rollt mit dem G-Code einfach der Sonne entgegen – und lädt den Akku mit den mikroskopisch kleinen Solarzellen, die Mercedes in den «Multivoltaik Silver»-Lack gemischt hat. Und falls die Sonne im Smog von Peking mal nicht zu sehen ist, lädt sich die Beschichtung durch den Fahrt- oder Umgebungswind auch elektrostatisch auf und liefert so die Energie für die Erzeugung des Wasserstoffs an Bord.

Nicht minder spektakulär ist die optische Umsetzung dieses Konzepts, die Spock und Kirk sattsam vertraut sein dürfte. Denn genau wie die holografischen, meist blauen Lichtspiele des Warpantriebs an ihrer Enterprise hat auch der G-Code eine eingebaute Lichtorgel, die jede Menge Showmacht. Dort, wo sonst ein Lamellen-Kühler montiert ist, haben die Schwaben einen riesigen Bildschirm in den Bug gebaut und bespielen ihn mit spektakulären Sternengrafiken. Wenn das Auto parkt, pulsiert die vielschichtige Sternenmatrix in einem ruhigen Blau. Sobald es elektrisch fährt, werden die Sterne blau, laufen nach innen und simulieren einen Tunnel. Und wenn sich der Verbrenner zuschaltet, wechselt die Beleuchtung ins Rote, die Pulsierung dreht sich, und es sieht so aus, als würde der G-Code förmlich Energie spucken. Die LED-Scheinwerfer mit G-förmiger Signatur, das LED-Leuchtband für die Beleuchtung am Heck oder die winzigen Kameras an schwenkbaren Flügeln anstelle der Aussenspiegel sind da fast schon langweilig.

Sitze mit Bodyscanner

Ähnlich fantasievoll wie das Karosseriedesign ist das Interieur des 4-Sitzers. Wenn sich die gegenläufig angeschlagenen Türen ohne störende B-Säule öffnen, sind die Sitze für den bequemen Zustieg weit auseinander gerückt sowie die Pedale und das Cockpit eingezogen. Erst wenn der Fahrer sein Smartphone einclipst, wechselt das Auto in den Betriebsmodus, rückt automatisch Sitze und Instrumente zurecht und faltet das Lenkrad wie einen Schmetterling aus dem Armaturenbrett. Gleichzeitig starten das über die gesamte Fahrzeugbreite reichende Display und die indirekte Beleuchtung die gleiche Lightshow wie der Bildschirm vor dem Kühler.

Wem das noch nicht spektakulär genug ist, dem empfiehlt sich ein Blick auf die Schalensitze mit integriertem Bodyscanner. Der erfasst automatisch alle Vitalfunktionen und steuert ohne menschliches Zutun die individuelle Wohlfühlzone. Und wenn die Verstellung von Klimaautomatik, Massagefunktion oder Sitzheizung nicht reicht, um Ermüdung vorzubeugen, bläst die Elektronik auch noch reinen Sauerstoff in die Kabine, der bei der Wasserstoffsynthese entsteht, und reinigt die Umgebungsluft mit einer fotosynthetischen Emissionswäsche.

Keine klassische Studie

Das klingt zwar ausgesprochen vielversprechend, hat aber einen kleinen Haken: Anders als bei den klassischen Forschungsfahrzeugen erhebt Mercedes bei dieser Studie gar nicht den Anspruch, konkreten Zukunftstechnologien den Weg in die Grossserie ebnen zu wollen. Vielmehr soll der G-Code «Wege beschreiben, die von unseren Enkeln dereinst als Stand der Technik angesehen werden könnten», schreiben die Schwaben. Also werden sich nicht nur wir Normalos, sondern auch Kirk und Spock gedulden müssen, bis sie mit dem G-Code in den Feierabend fahren können.

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